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Selbstinfektion mit Corona Riskant und illegal: mit Selbstansteckung zum Covid-Zertifikat

Für Ungeimpfte sind die Bewegungsmöglichkeiten aktuell sehr klein. Sie müssen draussen bleiben bei Sport, Restaurants und Kulturveranstaltungen, weil ihnen mit den geltenden 2G-Regeln das Zertifikat fehlt. Es sei denn, sie sind genesen nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung. Sich schnellstmöglich zu infizieren, um zum Zertifikat zu kommen, ist darum für manche eine Option.

Archiv: Kantone kritisieren Zertifikatssystem
Aus Tagesschau vom 07.01.2022.

Edgar, 21 Jahre alt, studiert Medizin und hat im September beschlossen, sich mithilfe eines positiv getesteten Bekannten mit Covid-19 zu infizieren. «Ich bat diese Person, in ein Glas zu spucken. Ich fügte etwas Wasser zum Verdünnen hinzu und trank das Glas aus, wobei ich aus tiefstem Herzen hoffte, dass ich Covid bekommen würde. Fünf Tage später war ich positiv.»

Austausch in sozialen Medien

Das Ziel von Edgar war, nach einem positiven PCR-Test ein Covid-Zertifikat für Genesene zu erhalten. Für ihn entscheidend war, dass das Zertifikat an den meisten öffentlichen Orten wie etwa zum Besuch einer Party obligatorisch ist. «Diese kostenpflichtigen Tests zu 40 Franken pro Woche zu bezahlen war für mich nicht möglich.»

In den sozialen Medien gibt es viele Personen, die sich wie Medizinstudent Edgar freiwillig infizieren wollen. Und detailliert beschreiben, wie einfach das geht: «Fünf Drehungen eines Wattestäbchens in der Nase des Kranken, dann direkt fünf weitere in deinen Nasenlöchern und die Sache ist in eineinhalb Tagen erledigt. Wir sind Dutzende, die das in den letzten drei Wochen so gemacht haben.» In den sozialen Netzwerken wird aufgerufen, über Privatnachrichten einen Kontakt herzustellen.

Gesundheitliches Risiko und mögliche Straftat

Für den Infektiologen Jan Fehr vom Universitätsspital Zürich ist klar: Die freiwilligen Ansteckungen bergen ein gesundheitliches Risiko, sagt er auf Anfrage von SRF News: «Aus medizinischer Sicht ist das problematisch. Wir wissen ja nicht, wie ein Krankheitsverlauf sein wird, ob die Leute einen schweren Verlauf haben werden. Auch junge Leute können einen schweren Verlauf haben. Zum anderen ist auch an Long Covid zu denken.»

Zudem kann die absichtliche Ansteckung mit dem Coronavirus verschiedene Straftatbestände erfüllen. Eine Straftat, die dabei in Betracht fällt, wäre die Übertragung der Krankheit unter Menschen, erklärt Yvan Jeanneret, Professor für Strafrecht an der Universität Genf. Diese Straftat kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. «Es geht um den Schutz der öffentlichen Gesundheit. Es handelt sich um ein kollektives Rechtsinteresse, über das man nicht individuell verfügen kann», begründet er die mögliche Strafe. Allerdings ist dafür nach dem Wortlaut des Gesetzes eine «gemeine Gesinnung» nötig, deren Vorhandensein im Einzelfall geklärt werden müsste.

Präzisierung

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Auf Hinweis eines Zuschauers wurde der letzte Absatz nachträglich geändert und das Erfordernis der «gemeinen Gesinnung» ausdrücklich erwähnt.

SRF 1, Tagesschau, 27.12.2021, 19:30;

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281 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Ich wünsche allen eine gute Gesundheit. Eine bitte habe ich noch, überlegt einmal die Lebensweise, die man in Länder, wo der Wohlstand dominierte, nicht doch etwas übertrieben hat. Vielleicht fällt dem einen oder andern etwas schwer, sich zurück zu nehmen, da man sich gewohnt ist, alle Freiheiten zu bekommen, die man sich nur vorstellen konnte. Eines ist sicher, das Virus hat leider uns Menschen im Griff, wie dies auch Enden mag, es wird ein weiteres Kapitel der Menschheit geschrieben.
  • Kommentar von Reto Frischknecht  (refrisch)
    An alle Leute, die mit einer Selbstansteckung liebäugeln um ein Zertifikat zu erwirken. Ich gebe zu bedenken, dass es 1G geben könnte und dass bei 1G das Risiko der Ansteckung vergebens eingegangen worden wäre.
    1. Antwort von Brigitte Tamburini  (Pumi)
      Müsste man nicht allen dankbar sein, die sich anstecken lassen? Das ist doch die natürlichste Impfung überhaupt, und es ist ein Beitrag zur Immunität, oder nicht?
    2. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      Herr Frischknecht, Wenn 1G, dann bitte nur 1G+. Alles andere wäre in Anbetracht des sich rasch abbauenden Impfschutzes inkonsequent.
    3. Antwort von Leni Liza  (leniliza)
      @Frischknecht
      Mich würde interessieren wie Sie darauf kommen das 1G ein Thema werden könnte..? Resp. Wie würden Wissenschaft und Politik 1G Beschränkungen rechtfertigen, wenn doch die Genesenen mindestens den selben Schutz aufweisen wie die Geimpften?

      (P.S. Mein Kommentar soll selbstverständlich nicht implizieren dass ich irgendjemanden den Weg über absichtliche Ansteckung empfehlen würde!)
    4. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Brigitte Tamburini. Warum wollen Sie Immunität?
    5. Antwort von Reto Frischknecht  (refrisch)
      @Pumi, nein müssen wir nicht!
      Nein, weil wir JETZT hohe Auslastung haben in den Spitälern und jede weiter Ansteckung das Potential für eine Spitaleinweisung hat.
      Nein auch, weil aktuelle Zahlen zeigen, dass zu erwarten ist, dass eine Erkrankung mit der jeweils aktuell dominaten Variante wenig schützt vor einer Erkrankung mit künftigen dominante Variante.
    6. Antwort von Brigitte Tamburini  (Pumi)
      @Herr Fuchs wollen Sie denn keine Imunität gegen das Sars-Virus?
    7. Antwort von Andreas Siebenthal  (windrad41)
      @Notter, wenn IG, dann 1G+, da gebe ich ihnen Recht. Aber es macht die Massnahme nicht Anwendbarer!

      @refrisch und Notter: Auch die Impfung, sollange sie die Verbreitung nicht Unterbricht erlaubt uns wenig Prognosen über die Varianten. Die zu steuern scheint nicht in unserer Macht
  • Kommentar von Brigitte Tamburini  (Pumi)
    Ergänzend: Meine Mutter hat die Schwesternschule besucht und bis sie 70 Jahre alt war teilzeit im Spital gearbeitet.
    Zum Glück hat sie nicht mehr erlebt, dass sie ihrer Sicherheit wegen, auf den Besuch ihrer Nachkommen verzichten musste.
    In diesem Sinne: Ich vermisse bei der Berichterstattung in allen Medien die Meinungen, Ansichten und Voten unserer Seniorinnen und Senioren.