Zum Inhalt springen

Header

Video
Wiederaufnahme Ausschaffungen nach Afghanistan sorgt für Kritik
Aus Tagesschau vom 20.06.2021.
abspielen
Inhalt

SEM bestätigt Schweiz schafft Asylsuchende wieder nach Afghanistan aus

  • Die Schweiz nimmt die Ausschaffungen von abgewiesenen Asylsuchenden nach Afghanistan wieder auf. Das bestätigte das Staatssekretariat für Migration (SEM) gegenüber SRF.
  • Konkret sollen 144 Afghaninnen und Afghanen in ihr Heimatland zurückgeführt werden.
  • Menschenrechtsorganisationen üben scharfe Kritik. Denn Afghanistan gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt.

Ausschaffungsflüge nach Afghanistan sollen ab sofort wieder stattfinden. Die Schweiz und andere europäische Staaten nehmen im Einverständnis mit der afghanischen Regierung die Rückführungen wieder auf, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) gegenüber SRF bestätigt.

Die Sicherheit der betroffenen Personen sei gewährleistet, betont Mediensprecher Lukas Rieder. «Das SEM prüft bei jedem einzelnen Fall, bei jeder einzelnen Person wirklich haargenau und detailliert, ob diese Person persönlich bedroht oder verfolgt ist.» Wenn das der Fall sei, könne diese Person in der Schweiz bleiben und werde als Flüchtling anerkannt. «Wenn das nicht der Fall ist, dann ist eine Rückweisung nach Afghanistan möglich.»

Amnesty erachtet weiterhin jede Abschiebung nach Afghanistan als eine klare Menschenrechtsverletzung.
Autor: Alicia GiraudelAsylexpertin bei Amnesty International Schweiz

Dennoch: Für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Schweiz ist das Vorgehen unhaltbar. «Der Entscheid ist unverantwortlich. In Afghanistan herrscht eine extrem prekäre Sicherheits- und Menschenrechtslage», sagt Alicia Giraudel, Asylexpertin bei Amnesty International Schweiz.

Amnesty erachte weiterhin jede Abschiebung nach Afghanistan als eine klare Menschenrechtsverletzung, so Giraudel. «Niemand sollte derzeit nach Afghanistan zurückgeschafft werden.»

Video
Asylexpertin Giraudel: «Die Lage in Afghanistan ist prekär»
Aus News-Clip vom 20.06.2021.
abspielen

Afghanistan gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Krieg ist seit Jahrzehnten ein Dauerzustand. Mit dem begonnenen Abzug der Nato-Truppen aus dem Land befürchtet die Bevölkerung eine Zunahme der Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, weil die radikal-islamistischen Taliban wieder an Macht gewinnen dürften.

SEM-Sprecher Rieder relativiert: «Der Truppenabzug ist seit langem bekannt. Natürlich ist das ein wichtiger Faktor, den das SEM bei seiner Asyl- und Wegweisungspraxis berücksichtigt.» Doch im Asylverfahren werde abgeklärt, dass eine Person, die zurückgeführt wird, nicht persönlich verfolgt oder bedroht ist. «Deshalb spielt in diesen Fällen der Truppenabzug keine Rolle.»

Angriffe auf Zivilisten dokumentiert

Alicia Giraudel von Amnesty International Schweiz widerspricht. Das Staatssekretariat für Migration könne keine Garantien abgeben, dass einer Person im Einzelfall nichts zustösst. «Der Nato-Truppenabzug droht die Sicherheitslage in Afghanistan weiter zu verschärfen. In den letzten Monaten haben wir entsetzliche Angriffe auf Schulkinder, medizinisches Personal, humanitäre Helfer aber auch Zivilisten dokumentiert. Es gibt keine Garantien für den Schutz der Menschen», betont die Asylexpertin.

Derzeit befinden sich laut SEM 144 abgewiesene Asylsuchende aus Afghanistan in der Schweiz, welche in ihr Heimatland zurückgeführt werden sollen. Wann diese Ausschaffungsflüge durchgeführt werden, gibt das SEM nicht bekannt.

«Tagesschau» 19.30 Uhr

Box aufklappenBox zuklappen
Logo der Sendung «Tagesschau»

Mehr zum Thema sehen Sie heute in der «Tagesschau» auf SRF 1 um 19:30 Uhr.

Tagesschau, 20.06.2021, 19:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

81 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dani Schmid  (Danisg)
    Die Frau Giraudel soll entweder die Kriminalstatistik anschauen oder diese sogenannten Flüchtlinge bei sich Zuhause aufnehmen.
    Diese Ausschaffungen sind längst überfällig. Aber es ist nur einen Tropfen auf den heissen Stein.
    1. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      Ich würde vorschlagen *Sie* schauen sich mal die Kriminalstatistik an, Herr Schmid.

      https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/medienmitteilungen.assetdetail.9589.html
  • Kommentar von Patricia Mutaleno  (Patricia Mutaleno)
    2009 habe ich meinen heutigen Mann kennengelernt. Er war auch ein abgewiesener Asylbewerber und dazu noch mit einer anderen Hautfarbe. Es gibt Leite, die glotzen heute noch immer ungläubig, wenn meine Eltern ihn herzlich begrüssen. Wir mussten darum kämpfen heiraten zu dürfen, inzwischen sind es acht Jahre. Afghanistan ist ein gefährliches Land, daher verstehe ich den Entscheid nicht. Lasst die Asylbewerber arbeiten. Es gibt genügend Jobs, die kein Schweizer annehmen würde.
  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Dänemark ist Vorbild
    1. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      Meinen sie das neue Gesetz. So, dass faktisch keine Flüchtlinge mehr kommen?