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In sechs Kantonen liegt das Sexgewerbe still – offiziell
Aus HeuteMorgen vom 26.03.2021.
abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
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Sexarbeit in Coronazeiten Prostituierte fordern Ende des Arbeitsverbots

In sechs Kantonen sind die Bordelle geschlossen. Das bringe nichts und sei kontraproduktiv, heisst es beim Netzwerk Procore.

In sechs Kantonen ist Sexarbeit seit Monaten verboten: Zürich, Basel-Stadt, Aargau, Luzern, Nidwalden und Tessin. Begründet wird dies mit dem hohen Ansteckungsrisiko.

Erst letzte Woche hat der Kanton Aargau das Verbot bis mindestens Mitte April verlängert. Er schreibt, aufgrund des engen Körperkontakts und wegen der hohen Fluktuation von einander nicht bekannten Personen bestehe in diesen Betrieben sowohl eine erhöhte Ansteckungsgefahr als auch eine erschwerte Rückverfolgbarkeit von Übertragungsketten. Ähnlich wie im Aargau klingt es auch im Kanton Zürich.

Nicht weniger Corona-Ansteckungen

Zahlen als Beleg dafür, dass die Prostitution für mehr Coronafälle sorgt, können die Kantone allerdings nicht vorweisen. Diese Zahlen gebe es auch gar nicht, sagt Rebecca Angelini, Geschäftsführerin von Procore, dem nationalen Netzwerk von Beratungsstellen für Sexarbeitende. So seien die Coronazahlen in den Kantonen mit einem Prostitutionsverbot nicht tiefer als in den anderen.

Es ist eine Diskriminierung, dass nur das Sexgewerbe verboten ist.
Autor: Rebecca AngeliniGeschäftsführerin von Procore

Zudem: «Andere Körperdienstleistungen wie etwa Massage oder Kosmetik sind weiterhin erlaubt. Es ist eine Diskriminierung, dass nur das Sexgewerbe verboten ist», sagt Angelini.

Denn auch im Sexgewerbe gebe es ein Schutzkonzept mit Hygienemassnahmen, Kontaktdatenpflicht und beispielsweise einem Kussverbot. Komme hinzu, dass ein Arbeitsverbot nicht nur wenig nütze, sondern gar kontraproduktiv sei.

Sexarbeit in der Illegalität

In der Realität sei es nämlich so, dass aufgrund der Not der Sexarbeitenden trotzdem weitergearbeitet wird – dann einfach in der Illegalität. «Und dort ist dann der Zugang zu den Frauen erschwert. Das heisst, die Angebote der Gesundheitsprävention erreichen die Frauen nicht mehr», betont Angelini.

Dies wiederum führe dazu, dass sexuell übertragbare Krankheiten wie Tripper oder Syphilis zunehmen würden. Auch aus der Gesundheitsperspektive würde eine Öffnung also Sinn ergeben. Jetzt hat die SP im Kanton Aargau einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, damit das Sexarbeitsverbot per sofort aufgehoben wird.

Jetzt wird Corona einfach vorgeschoben, um gegen die Sexarbeit vorzugehen.
Autor: Rebecca AngeliniGeschäftsführerin Procore

Angelini von Procore hat aber wenig Hoffnung. Sie glaubt nämlich, dass nicht nur pandemische Gründe dagegen sprechen: «Mir kommt es fast ein bisschen so vor, als ob man dort grundsätzlich ein Problem mit der Sexarbeit hätte. Jetzt wird Corona einfach vorgeschoben, um gegen die Sexarbeit vorzugehen.»

So herrscht im Rotlichtmilieu von Grossstädten wie Zürich und Basel bis auf Weiteres tote Hose – mindestens offiziell.

SRF 4 News, HeuteMorgen vom 26.3.2021, 06.00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    und schon sitzt man journalistisch in der Gender-Falle, indem die Sexarbeit zu einem Frauenberuf abgestempelt wird. Dass Männer bei der Sexarbeit untervertreten sind, wäre auch mal ein Thema bei der Gleichstellung.
  • Kommentar von Alfons Bauer  (frustriert)
    Können die nicht einfach einen anderen Nebenjob suchen wie alle anderen auch?
  • Kommentar von Bernhard Haeuser  (Bernie H)
    Wer glaubt dass somit Sexarbeit damit nicht mehr stattfindet, der ist naiv. Aufgrund des Verbotes hat man einfach die Transparenz und Kontrolle ganz verloren.
    Zudem dürften sich die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert und somit die Ausnutzung der Frauen zugenommen haben.
    Und niemand hilft, keine Corona Franken für Prostituierte in der ach so sauberen Schweiz.
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      und das sind natürlich die ultimativen gründe, um dort das infektionsgeschehen ungehindert laufen zu lassen, ja? schon mühsam, wie jeder das gefühl hat, in seibem gärtchen wäre das alles nicht nötig...
    2. Antwort von Marc Blaser  (PrCh)
      @Steiner, ich glaube Sie haben Herr Häuser nicht verstanden. Er hat absolut Recht. Die Arbeit wird fortgeführt, ob auf legalem oder illegalem Weg. Nur kann man auf legalem Weg das Geschehen besser kontrollieren, Schutzkonzepte werden öfters umgesetzt etc.
      Vielleicht müssen Sie auch nochmals Ihr Garten überprüfen ;-)
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Stimmt, das ist naiv. Genau wie beim Thema Drogen wird es immer eine Nachfrage und damit einen Markt geben, ob einem das moralisch gesehen passt oder nicht. Es ist aber auch naiv, anzunehmen, bei dieser Dienstleistung würden Schutzkonzepte eingehalten...

      Legal arbeitende Prostituierte sollten jetzt eigentlich auch entschädigt werden, genau wie zum Beispiel die Gastronomie. Es gibt wirklich "keine Corona Franken" für Prostituierte?