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Legende: Video Sexueller Missbrauch von Nonnen durch Kleriker abspielen. Laufzeit 01:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.02.2019.
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Sexuell missbrauchte Nonnen «Solange die Opfer schweigen, werden die Täter geschützt»

Papst Franziskus hat zugegeben, dass es Fälle gibt, in denen Nonnen von Geistlichen sexuell missbraucht worden sind. Sein Vorgänger, Papst Benedikt XVI. habe genau wegen solcher Vorfälle ein Kloster in Frankreich geschlossen. In Indien wurde vor einem Jahr ein Bischof wegen Vergewaltigung festgenommen. Wie steht es in der Schweiz? SRF-Inlandredaktor Iwan Santoro hat sich erkundigt.

Iwan Santoro

Iwan Santoro

SRF-Inlandredaktor

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Santoro arbeitet seit 2013 bei Radio SRF und ist jetzt in der Inland-Redaktion tätig.

SRF News: Wie ist die Situation in der Schweiz? Haben Sie etwas herausgefunden?

Iwan Santoro: Ich habe mit mehreren Nonnen und Ordensschwestern gesprochen. Alle haben mir gesagt, ihnen seien keine Übergriffe auf Nonnen oder Schwestern in der Schweiz bekannt, auch nicht aus der Vergangenheit. Das ist auch das, was die Bischofskonferenz sagt. So führt die kircheninterne Fachstelle Sexuelle Übergriffe der Schweizer Bischofskonferenz seit 2002 eine Statistik, in der alle sexuellen Übergriffe innerhalb der Kirche festgehalten werden. Darunter sei kein einziger Fall, in welchem eine Ordensfrau von einem Priester sexuell missbraucht worden sei, sagte ein Sprecher unlängst gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur kath.ch.

Sind die Priorinnen oder die Schwestern und Nonnen überrascht von den Aussagen des Papstes?

Wirklich überrascht war keine der von mir angefragten Priorinnen und Ordensschwestern. Schwester Simone, Priorin des Klosters Heiligkreuz in Cham und Präsidentin der Vereinigung der Ordensoberinnen – sie ist Vorsteherin von rund 1300 Schwestern in der Deutschschweiz und in Liechtenstein – sagt zu den Äusserungen des Papstes, dass das innerkirchlich längst ein Thema sei, nicht in der Schweiz, aber in anderen Ländern.

Die Kirche kann noch so viele Fachgremien und Anlaufstellen einrichten, so lange die Opfer schweigen, werden die Täter geschützt.

Vor allem aus Afrika habe sie von Fällen gehört, wo Ordensschwestern missbraucht worden seien. «Es sind Geistliche, die Gemeinschaften von Frauen betreuen und diese Frauen mit irgendwelchen Versprechungen missbrauchen, zum Beispiel, dass sie studieren dürften. In einem Fall war es ein Bischof», sagte mir Schwester Simone.

Gibt es in der Schweiz eine Anlaufstelle, an die sich betroffene Nonnen wenden können?

Ja, in allen Bistümern gibt es ein Fachgremium sexuelle Übergriffe. Dort können sich Opfer von sexuellen Übergriffen – seien es Kinder, Jugendliche oder eben auch Nonnen und Schwestern – an eine unabhängige Fachperson wenden. Das sind Psychologen, Juristen, Ärzte. Sie unterstehen der Schweigepflicht. Sie können die nötigen Schritte einleiten, wenn gewünscht. Aber bisher ist kein einziger Fall einer Nonne oder Schwester bekannt, die das in Anspruch genommen hat.

Vor ein paar Monaten hat eine frühere Nonne Schlagzeilen gemacht. Sie war in Rom vergewaltigt worden. Was ist ihre wichtigste Botschaft?

Die heute 34-jährige Philosophin und Theologin Doris Wagner schreibt Bücher für die Opfer. Sie hat auch in dem Film «Female Pleasure» mitgewirkt. Das ist ihr Beitrag gegen das Schweigen. Denn die Kirche kann noch so viele Fachgremien und Anlaufstellen einrichten, solange die Opfer schweigen, werden die Täter geschützt. Wagner sagt denn auch immer wieder, dass das ganze System darauf beruhe, dass die Opfer nicht reden. Das will sie mit ihrem Engagement durchbrechen.

Wird nun etwas unternommen?

Papst Franziskus hat versprochen, mehr im Kampf gegen sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche zu tun. Das nimmt sich die Schweizer Bischofskonferenz zu Herzen. Sie will an ihrer nächsten Sitzung von Ende Februar neue Massnahmen gegen sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche verabschieden.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Liechti  (Walimann)
    Solange die katholische Kirche ihren Würdenträgern absolute Keuschheit vorschreibt, solange wird es zu Übergriffen kommen, denn auch diese sind sexuelle Wesen.
    Es wäre höchste Zeit, wenn diese Kirche endlich positiv zur Sexualität stehen würde, das Zölibat subito abschaffen und Verhütungsmittel sowie Abtreibung freigegeben würde, denn Sex ist nicht nur zur Fortpflanzung da.
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  • Kommentar von Alex Bauert  (A. Bauert)
    Der normale Vergewaltiger, der normale pädophile Straftäter ist kein Priester, sondern der Ehemann, Grossvater, Nachbar, Cousin, Onkel, Freund der Familie, Arbeitskollege, etc. Ca. jedes 7. Kind / Jugendliche wird Opfer einer Sexualstraftat, d.h. wer schützen will, soll bei sich, der eigenen Familie und im engeren sozialen Umfeld schauen. Das hilft mehr. Viele Nonnen in Afrika erhalten Fortbildung & Pilgerurlaub nur gegen Sex. Je ärmer das Land, je jünger, desto höher diese Wahrscheinlichkeit.
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  • Kommentar von Claude Dahinden  (Claude Dahinden)
    Aus dem letzten Jahrhundert weiss man das in Interlaken ein unterirdischer Tunnel bestand vom Nonnen zum Männer Kloster! Was noch mehr abstossend ist das man dort Gräber von toten Embrionen fand!
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    1. Antwort von Chruti Da Goya  (Νικος)
      Haben sie dazu eine Quellenangabe?
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    2. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Es war früher (1500, 1600) durchaus so, dass Männer in Frauenklöster gingen, statt ins Puff, denn es bestand ja auf beiden Seiten Nachfrage. Es gibt einen Erlass gegen dieses “Treiben“ im Kanton Zürich. Ich weiss aber leider die Quelle nicht mehr. Sie müssten einfach mal da suchen...
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