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Die Schweiz könnte in Europa zur Ski-Insel werden
Aus 10 vor 10 vom 25.11.2020.
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Skifahren an Weihnachten Profitieren die Schweizer Skigebiete vom Alleingang?

Die Skisaison soll europaweit erst im Januar beginnen. Doch die Schweizer Skigebiete wollen davon nichts wissen.

Italien, Frankreich und Deutschland möchten den Start der Skisaison auf den Januar verschieben – und fordern ein europaweit koordiniertes Vorgehen. So schlägt Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte aufgrund der angespannten Lage in Italien und Europa vor, Skifahren in ganz Europa erst ab dem 10. Januar zu erlauben: «Es ist nicht möglich einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten.»

Auch die Skigebiete in Frankreich werden über die Festtage wohl still stehen. Denn Präsident Emmanuel Macron kündigte drei Lockerungsschritte an. Die Öffnung der Winterferienorte ist demnach erst für den 20. Januar geplant. Die französischen Skidestinationen wurden allerdings von dieser Ankündigung überrascht und wollen das so nicht hinnehmen.

Auch Deutschland will Skigebiete schliessen

Und auch aus Bayern, wo ein Grossteil der deutschen Skigebiete liegt, kommen Signale in diese Richtung. Die Forderung des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ist klar: «Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall – beziehungsweise kein Urlaub überall.»

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer bitten den Bund denn auch, ein Verbot der Skiferien auf EU-Ebene zu prüfen. Das geht aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Papier der 16 Ministerpräsidenten hervor. «Die Bundesregierung wird gebeten, auf europäischer Ebene zu abgestimmten Regelungen zu kommen, um bis zum 10. Januar Skitourismus nicht zuzulassen», heisst es.

Forderung nach Schliessung der Skigebiete stösst auf Kritik

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Söders Forderung ist in Deutschland nicht unumstritten. Widerspruch kommt unter anderem von Tourismusvertretern und Naturschützern. «Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien ohne Probleme möglich ist», sagt der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiss.

Auch Tourismusvertreter aus bayerischen Wintersport-Regionen betonten, die Weihnachtsferien gehörten trotz Schneemangels in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Zeiten der Saison. «Für den Tourismus hätte eine Schliessung fatale Folgen», sagte der Tourismusdirektor der Gemeinde Bad Hindelang im Allgäu, Maximilian Hillmeier.

Auch für die Umwelt werde eine kürzere Skisaison vermutlich keinen positiven Effekt haben, sagte Thomas Frey, Regionalreferent fürs Allgäu beim Bund für Umwelt und Naturschutz. «Ich habe die Befürchtung, dass dann Individualsportler querfeldein durch die Berge marschieren.» Dadurch würden bedrohte Arten wie Auer- und Schneehuhn in ihren Rückzugsbereichen gestört.

Vehement gegen eine generelle Schliessung der Skigebiete wehrt sich auch Österreich. Finanzminister Gernot Blümel forderte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU, falls Skilifte tatsächlich über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Und Kanzler Sebastian Kurz sagt: «Wenn jemand einen Skilift verwendet, ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel benutzt. Anhand dieser Gesichtspunkte muss man Entscheidungen treffen.»

Schweizer Skigebiete sollen offen bleiben

Und die Schweiz? Einige Skigebiete haben den Betrieb bereits aufgenommen und wollen offen bleiben. Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärztinnen und -Ärzte, ist überzeugt davon, die Situation kontrollieren zu können. Er schreibt: «Die Schutzkonzept-Grundlagen von Seilbahnen Schweiz mit einer Schutzmaskenpflicht in und auf den Bahnen sowie in den Anstehbereichen bildet eine gute Grundlage für sicheren Wintersport. Je nach epidemiologischer Entwicklung und den ersten Erfahrungen nach dem Saisonstart muss allenfalls nachjustiert werden.» Sicherer Wintersport sei möglich, wenn alle mitmachen.

Wir haben derzeit alle Hände voll zu tun, um unseren Gästen dieses Jahr ein sicheres und gutes Skierlebnis zu bieten.
Autor: Markus WolfChef der Weissen Arena in Laax

Auch für den Walliser Staatsrat Christoph Darbellay ist klar: «Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in Restaurants gegessen, egal was Italien macht», wie er gegenüber dem «Walliser Boten» sagt.

Die Schweiz könnte zu einem der wenigen Alpenländer werden, das Skiferien über die Festtage erlaubt. Die Versuchung für die Wintersportorte liegt nahe, von dieser Situation profitieren zu wollen. Markus Wolf, der Chef der Weissen Arena in Laax, winkt ab: «Das steht nicht im Zentrum der Überlegungen. Wir haben derzeit alle Hände voll zu tun, um unseren Gästen dieses Jahr ein sicheres und gutes Skierlebnis zu bieten.» Den Verantwortlichen in der Schweiz ist bewusst: Sollte sich das Virus unkontrolliert ausbreiten, ist die Skisaison rasch wieder zu Ende.

10vor10, 25.11.20, 21.50 Uhr;

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112 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ja, genau, die schweizer Skigebiete den Schweizern und gut ist. Ganz einfach. Nur eben, wenn der Preis und die Freundlichkeit der Gastgeber immer noch nicht übereinstimmen werden auch die hiesigen Geiete, trotz geschlossenem Österreich oder Südtirol, nicht überfüllt sein.
    Eine Chance für die Schweiz -Touristik
  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Hätten wir denn auch genug Spitalbetten UND Personal für die Ski-Unfälle?
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Ich akzeptiere das auch nicht. Nicht bloss die Betriebe. Den ganzen Sommer und Herbst über durften die Leute in die Ferien und uns die Viren heimschleppen. Und jetzt, wo der Schlamassel angerichtet ist, will man uns den Skiurlaub streichen. Kommt gar nicht in Frage.