Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille: «Man kann nicht sparen, ohne dass man es merkt»

Auch wegen gekürzter Medienabgaben muss die SRG bis 2029 rund 270 Millionen Franken sparen – dies im Rahmen ihres Sparprogramms «Enavant». Bereits Ende 2024 war die Rede von 900 Stellen, die bis 2029 abgebaut werden müssen. SRG-Generaldirektorin Susanne Wille bestätigte diese Zahl heute. Im Interview erklärt Wille die Hintergründe des Sparprogramms.

Susanne Wille

SRG-Generaldirektorin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Susanne Wille ist seit Anfang 2025 Generaldirektorin der SRG.

Wille arbeitet seit 2001 beim Schweizer Fernsehen, wo sie zehn Jahre lang das Nachrichtenmagazin «10vor10» moderierte. Danach wechselte sie als Korrespondentin ins Bundeshaus. Ab 2013 arbeitete sie für die Sendung «Rundschau» und moderierte zahlreiche Sondersendungen. Ende Mai 2020 wurde sie SRF-Kulturchefin und Mitglied der Geschäftsleitung.

SRF News: Susanne Wille, ihr Transformationsprojekt heisst Enavant, Rätoromanisch für vorwärts. Aber 900 Stellen abbauen – das ist doch eher rückwärts…?

Susanne Wille: Dass wir 900 Stellen abbauen müssen, das bedauere ich, das ist ein Abbau von Fachkompetenz und schwächt den Medienplatz Schweiz weiter. Es ist aber die Folge eines Sparentscheids. Der Bundesrat hat entschieden, die Gebühren auf 300 Franken zu senken. Wenn wir schon den Sparauftrag haben, dann wollen wir das Beste daraus machen. Deshalb haben wir das Enavant genannt. Wir wollen zusammen nach vorne gehen, damit die SRG auch in Zukunft noch bei den Leuten ist.

Man kann nicht sparen, ohne dass man es merkt.

270 Millionen Franken sparen, 900 Stellen abbauen: Das wird man auch im Programm merken. Wie und wo?

Man kann nicht sparen, ohne dass man es merkt. Das wäre unehrlich. Zuerst wollen wir aber die SRG neu denken. Wir rücken näher zusammen, damit wir das Programm schonen und den Journalismus schützen können. Aber das wird nicht reichen, es wird auch Veränderungen im Angebot geben, daran müssen wir zuerst noch arbeiten.

Es werden also zum Beispiel Sendungen abgeschafft?

Das wissen wir noch nicht, aber wir schauen alles an. Sparen hat Konsequenzen, aber jetzt haben wir zuerst das Ziel, die SRG schlanker, digitaler und beweglicher aufzustellen.

Sie sagen immer wieder, dass es Ihnen wichtig ist, dass die SRG ein Programm für alle Bevölkerungsgruppen anbietet. Wie können Sie das sicherstellen, trotz dieses Sparprogramms?

Es ist unser Auftrag, für alle in der Schweiz die Grundversorgung sicherzustellen. Wenn wir weniger Mittel haben, müssen wir über die Regionen besser zusammenarbeiten. Die SRG tauscht im Moment rund drei bis fünf Prozent der Beiträge und Geschichten untereinander aus. Das können wir besser.

Früher ist man bei der SRG in allen Regionen separat unterwegs gewesen, heute müssen wir näher zusammenrücken.

Wenn man 270 Millionen sparen und 900 Vollzeitstellen in drei Jahren abbauen kann, dann werden viele Kritiker sagen: Das zeigt doch, dass die SRG bis jetzt zu gut aufgestellt war, zu fett.

Wir haben jetzt den Sparauftrag des Bundesrats bekommen, wir müssen in einem Jahr bereit sein für die erste Gebührensenkung. Und das haben wir zum Anlass genommen, uns zu hinterfragen. Früher ist man bei der SRG in allen Regionen separat unterwegs gewesen, heute haben wir diese Mittel nicht mehr und müssen deshalb näher zusammenrücken.

Warum haben das Ihre Vorgänger nicht schon angepackt?

Wir haben jetzt eine andere Ausgangslage. Die dezentralen Strukturen, die die SRG historisch gehabt hat, haben auch Sinn gemacht, aber heute dreht sich die Welt so schnell – die Technologie, die künstliche Intelligenz, verändert alles. Wir wollen in Zukunft digitaler und näher bei den Menschen sein, aber auch noch gutes Fernsehen und Radio machen.

Die Halbierungsinitiative ist das Ende einer SRG, wie wir sie heute kennen.

Minus 270 Millionen Franken, minus 900 Vollzeitstellen: Das gilt für den Fall, dass im März die Halbierungsinitiative abgelehnt wird. Was, wenn nicht?

Die Halbierungsinitiative ist eine ganz andere Situation. Sie ist so radikal, dass sie das Budget der SRG halbiert. Das ist das Ende einer regional verankerten SRG. Das ist das Ende einer SRG, wie wir sie heute kennen, die ein Programm für alle bereitstellt, ein starkes Programm und vielfältiges Programm. Und das wäre ein gefährliches Experiment.

Bundesrat Rösti hat kürzlich in einem Interview gesagt: «Ich bin zum Glück nicht Chef der SRG, das ist jetzt Frau Wille.» Würden Sie gerne mit ihm tauschen?

Ich mache meine Aufgabe als Generaldirektorin der SRG gerne. Ich bin bereit, die SRG zu verändern und in die Zukunft zu führen, auch wenn es schwierige Zeiten sind. Es ist wichtig für dieses Land, ein starkes und gutes Mediensystem zu haben, und davon ist die SRG ein wichtiger Teil.

Das Interview führte Urs Leuthard.

SRF 4 News, 24.11.2025, 17 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel