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Experte Damir Skenderovic zu rechtsextremen Auftritten in der Schweiz
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.11.2020.
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Studie zu Terrorismus weltweit Historiker: «In Krisenzeiten haben Rechtsextreme Zulauf»

Die Bedrohung durch rechtsextreme Gewalt sei so hoch wie seit 50 Jahren nicht mehr. Insbesondere in Nordamerika, Ozeanien und Westeuropa seien mehr rechtsextreme Angriffe zu beobachten, sagt ein Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die rechtsextreme Szene ist auch in der Schweiz aktiv, sagt Rechtsextremismusforscher Damir Skenderovic.

Damir Skenderovic

Damir Skenderovic

Professor für Zeitgeschichte

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Damir Skenderovic ist ordentlicher Professor für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der radikalen Rechten, historische Migrationsforschung, 68er-Bewegung, Gegenkulturen, Inklusion und Exklusion.

Er war Gastwissenschaftler an der New York University, am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und an der University of California, Irvine.

SRF News: Überrascht Sie der Bericht zur Gefahr des Rechtsextremismus?

Damir Skenderovic: Nein, der Bericht überrascht mich überhaupt nicht. Wenn wir die Berichterstattung über rechte Gewalttaten betrachten, sehen wir, dass es mehr davon gegeben hat. Auch die sozialen Medien bieten inzwischen rechtsextremen Gruppierungen und Akteuren Möglichkeiten, um gewissermassen eine globale Community zu bilden.

Dieser Bericht beschreibt die globale Situation. Was bedeutet das für die Schweiz?

Die Schweiz ist in Bezug auf Rechtsextremismus keine Insel. Auch historisch gesehen war die Schweiz immer vernetzt mit dem internationalen Rechtsextremismus. Die ganze kommunikative und mediale Präsenz des Rechtsextremismus betrifft auch die Schweiz.

Ist die rechtsextreme Szene in der Schweiz in den letzten Jahren mehr an die Öffentlichkeit getreten?

Ich rede hier eher von einer semi-öffentlichen Präsenz der extremen Rechten in der Schweiz. Es gab in der Vergangenheit verschiedene Phasen, in denen die rechtsextremen Gruppen durchaus die breite Öffentlichkeit suchten, mit Auftritten und Demonstrationen. Ich erinnere an die Aufmärsche anfangs der Neunziger- und in den 2000er-Jahren auf dem Rütli.

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass [die extreme Rechte] sich in die sozialen Medien zurückzieht und dort halböffentliche Auftritte hat.

In den letzten Jahren ist einerseits zu beobachten, dass man sich in die sozialen Medien zurückzieht und dort halböffentliche Auftritte hat. Andererseits gibt es trotzdem immer wieder Momente, in denen die Szene mit Konzerten und Aufmärschen in Erscheinung tritt. Vor ein paar Jahren hat eines der grössten rechtsextremen Konzerte in Europa im Toggenburg stattgefunden. Dort kam die europäische Vernetzung zum Ausdruck, weil viele Personen aus anderen Ländern in die Schweiz kamen.

Das heisst, die rechtsextreme Szene ist gegen innen gut vernetzt. Gelingt ihr, damit an die Öffentlichkeit zu treten?

Es ist eine Frage der Strategie, ob man öffentliche Präsenz markieren will. Vor allem in den USA haben gewisse Gruppierungen in den letzten Jahren gewissermassen ein neues Selbstbewusstsein an den Tag gelegt. Sie haben die Öffentlichkeit gesucht, es war auch ein Präsident im Amt, der seine Sympathie und Unterstützung gegenüber diesen Gruppen gezeigt hat. In der Schweiz ist man da noch zurückhaltender. Wie lange das andauern wird, ist die Frage.

Trotzdem: Auch in der Schweiz gehen regelmässig Menschen mit offener rechtsextremer Gesinnung auf die Strasse, etwa im Zusammenhang mit Corona-Skeptikern. Welche Gefahr geht von ihnen für die Gesellschaft aus?

Angesichts der Krise und der Mobilisierung von Corona-Skeptikern bis Corona-Leugnern manifestieren sich die Rechtsextremen auch in der Schweiz. In Deutschland gab es einzelne Demonstrationen, an denen die rechtsextreme Szene sehr präsent war. In der Schweiz hingegen sind es einzelne Akteure, die wir an diesen Manifestationen sehen. Ich würde das nicht überbewerten. Gleichzeitig aber weise ich darauf hin, dass in Krisenzeiten rechtsextreme Gruppierungen mehr Zulauf haben, weil Menschen dort eine Community von Gleichgesinnten finden, um in krisenhaften Zeiten Orientierung zu haben.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

SRF 4 News, 26.11.2020; 06:48 Uhr;

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Es ist und war in der Geschichte immer so, dass die Menschen in wirtschaftlich schweren Zeiten sich nach rechts orientieren: eine ausgeprägte Hierarche, "Elitendenken" mit einer starken, autoritären Führung, ethische Zusammengehörigkeit wird betont, die Gleichheit aller Menschen wird nicht anerkannt. Daraus resultieren Hass und Wut auf "die andern".
    Die Politik kann viel tun gegen Rechtsextremismus: Soziale Gerechtigkeit schaffen, beispielsweise von Superreichen faire Abgaben verrechnen.
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Extremismus ist oft die Konsequenz von zu grosser Ungleichheit in einer Gesellschaft, wobei es sowohl um Macht- als auch um Wohlstandsverteilung geht. In Krisenzeiten verschärft sich das Problem. Es ist kein historischer Zufall, dass vor dem Aufstieg des Faschismus eine gigantische Wirtschaftskrise herrschte, dieses Muster sehen wir immer wieder. Langfristig hilft eine tendenziell gerechte Wohlstandsverteilung. Was nicht hilft, ist das Problem immer nur auf der anderen Seite zu sehen.
  • Kommentar von Thomas Bünzli  (Tumasch)
    Ein spannender Artikel über den Rechtsextremismus in der CH - es gäbe genügend Ansatzpunkte, um darüber zu diskutieren. Leider gibt es immer wieder Personen, die sofort den Linksextremismus ins Spiel bringen - und somit diskutiert man am Ende über den Linksextremismus statt über das eigentliche Thema ( und nebenbei wird die Gefahr von rechts auch noch verwedelt und verharmlost). Daher finde ich, dass es vonnöten ist, diese Kommentare einfach zu ignorieren und beim Thema Rechtsextreme zu bleiben!