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Psychotherapie neu selbständig über Krankenkasse abgerechnet
Aus Rendez-vous vom 19.03.2021.
abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
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Systemwechsel bei Abrechnung Psychotherapeutinnen und -therapeuten erhalten Kassenzulassung

Menschen mit psychischen Problemen sollen ab Sommer 2022 einfacher und schneller eine Psychotherapie erhalten als heute. Der Bundesrat hat den Weg dafür geebnet.

Wer heute bei seiner Krankenkasse nur grundversichert ist, muss sich im Fall einer Psychotherapie auch mal gedulden, denn die Kosten werden nur übernommen, wenn sie unter ärztlicher Aufsicht entstehen. Konkret heisst das: Die Psychotherapeutinnen und -therapeuten müssen angestellt sein, etwa von einem Psychiater. So will es das bisherige Delegationsmodell.

Neu soll das sogenannte Anordnungsmodell gelten. Hier ordnet eine Ärztin oder ein Arzt die nötige Therapie an, ähnlich wie das bei der Physiotherapie geschieht. Wer mit psychischen Problemen in eine Therapie muss, kann mit dieser Verordnung sofort in Behandlung gehen. Die Therapeutinnen und Therapeuten rechnen diese künftig direkt mit der Krankenkasse ab.

Freude bei Psychologen, Sorge bei Psychiatern

Applaus gibt es bei der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Co-Präsidentin Yvik Adler begründet: «Weil wir seit 2011 an diesem Ziel gearbeitet haben, freuen wir uns jetzt ausserordentlich.»

Bedenken hatten dagegen die Psychiater und Psychiaterinnen geäussert. Sie wie auch die Krankenkassen befürchteten, dass so mehr Behandlungen stattfänden und die Gesundheitskosten anstiegen.

Yvik Adler
Legende: Yvik Adler ist spezialisiert in psychoanalytisch orientierter Psychotherapie sowie in klinischer Psychologie. Sie ist Co-Präsidentin der FSP und hat eine eigene Praxis in Solothurn. SRF

Adler relativiert: «Andererseits ist der Return on Investment – also wie viel man spart, wenn frühzeitig gute Behandlungen bei psychischen Erkrankungen erfolgen – sehr, sehr hoch. Man rechnet bei einem Franken, den man investiert, mit vier bis fünf Franken, die man dann spart.»

Bundesrat will Kosten im Blick behalten

Der Bundesrat rechnet mit Mehrkosten zwischen 100 und 170 Millionen Franken jährlich, wie er zum Entscheid schreibt. Die Kostenentwicklung will er überwachen und allenfalls korrigieren. Ausserdem begrenzt er eine Anordnung auf 15 Therapiesitzungen. Das bedauert Adler: «Für die Langzeit-Psychotherapien bei schwereren, chronischen Erkrankungen stellt es ein Problem dar, weil diese Behandlungen meistens länger gehen und sehr viel Aufwand damit verbunden ist, solche Menschen weiter zu betreuen.»

Zwar kann die Anordnung erneuert werden, doch nach 30 Sitzungen braucht es die Rücksprache mit der Krankenversicherung. In Kraft treten soll der Systemwechsel bei der Krankenkassenabrechnung auf Sommer 2022.

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Info 3, 19.03.2021, 12:00 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Anna-Maria Zingg  (anmaka)
    Das war ein sehr wichtiger Entscheid! Sowohl zur Sicherung der Grundversorgung der Bevölkerung als auch als längst überfälliger Schritt aus dem veralteten und ungerechtfertigten Abhängigkeitsverhältnis der PsychotherapeutInnen gegenüber der PsychiaterInnen.
  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Das wird die Gesundheitskosten weiter explodieren lassen!
    1. Antwort von Philippe Sauter  (PhilS)
      Ich bezweifle das stark.
      Kurzfristig wird es sicherlich zu einem Anstieg führen aber längerfristig wird es höchst wahrscheinlich Geld sparen.
      Die beste Strategie in der Medizin ist Prävention. Probleme die man früh bemerkt kann man viel billiger und besser beheben.
      Ich sehe keinen Grund wieso es hier anders funktionieren sollte.
    2. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Mit Verlaub Herr Sauter, das ist eine äusserst löbliche, aber naive Einschätzung. Das primäre Ziel des Gesundheitssystems hier in der Schweiz, und im Westen allgemein, ist in erster Linie der Erhalt des Systems u. der daran beteiligten Leute selbst. Dass Leute dann auch noch gesund werden, ist bisweilen ein schöner Nebeneffekt. Und Gerade in der Psychologie, wo jeder u. alles zum Problem hochstilisiert werden kann, geht es oft nicht um effiziente Hilfe, sondern langfristigen Verdienst d. Lobby.
    3. Antwort von Andreas Meier  (Epikur)
      Ich kann Ihnen da nur beipflichten Herr Lohri. Jeder Franken den man stattdessen in effektive, nicht weltfremde, Selbstständigkeit und gesunde Resilienz fördernde Erziehung plus frühkindliche Bildung investieren würde, wäre 1000 Mal heilsamer und nützlicher als im Nachhinein eine Seelsorge-Industrie zu subventionieren. Jeder vernünftige Psychologe sagt Ihnen, dass die psycholog. Weichen fürs Leben bis zum 5. Altersjahr gestellt werden. Da höre ich kein Wort der Lobby, klar, ist kein Geschäft.
  • Kommentar von Milan Darem  (Mannausorient)
    Die Bedenken von Psychiatern und Psychiaterinnen kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn man reale Bedingungen unter Delegationsmodell kennt. Nämlich, sie können keinen Psychologen mehr ausbeuten! Termed Vergütung für eine Stunde bei Psychologen etwa 130 CHF. Nicht selten kriegt ein Psychologe 50, bestenfalls 70 CHF davon! Dafür musst ein Psychiater erstgespräch führen (rechnet nach tarmed etwa 195 CHF), dann wäre es in der Regel erledigt. Wie die Aufsicht läuft, muss ein Journalist recherchieren