Regenjacke statt T-Shirt, heisses Bad zu Hause statt Badi: Der Sommer 2024 lässt bisher zu wünschen übrig. Auch diese Woche hat uns das schlechte Wetter im Griff. Dazu kommt: Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Das liegt daran, dass sich einfach kein stabiles Hochdruckgebiet bilden mag – zumindest bei uns. SRF-Meteorologe Jürg Ackermann sagt: So aussergewöhnlich ist das nicht – und es gibt Hoffnung.
Derart schlechtes Wetter mitten im Juni – ist das normal?
Langjährige Messungen zeigen, dass es Mitte Juni immer mal wieder zu einem Kälteeinbruch kommen kann – man nennt dieses Phänomen Schafskälte. Diese muss natürlich nicht immer genau auf diesen Zeitraum fallen, 2024 trifft es ziemlich perfekt zu. Heute Dienstag ist aber der kälteste Tag mit nicht mehr als 13 bis 18 Grad.
Ist das Wetter bisher das ganze Jahr unterdurchschnittlich?
Wir hatten dieses Jahr wirklich einen recht sonnenarmen und auch sehr nassen Start – das zeigen auch die Messungen. Es war recht trüb und es wurde auch häufiger nass als sonst, besonders in den letzten Tagen. Temperaturmässig war es aber vielfach sogar überdurchschnittlich warm – aber es gab wirklich auch unterdurchschnittlich kalte Tage.
Wie sieht es mit der Niederschlagsmenge aus – ist diese aussergewöhnlich?
Mai und Juni sind die nassesten Monate – dann haben wir jeweils im Durchschnitt die meisten Regentage: im Mai zwölf, im Juni elf. Dieses Jahr hat es im Mai an 18 Tagen geregnet, also 50 Prozent mehr als im Durchschnitt. Und im Juni haben wir mit sieben oder acht Tagen den Durchschnittswert bereits jetzt fast erreicht.
Wieso kommt der Sommer denn nicht in Schwung?
Wir haben kein stabiles Hochdruckgebiet über uns. Es hat auch dieses Jahr kurze Phasen mit einem Hochdruckgebiet gegeben, aber über den grösseren Zeitraum waren es Tiefdruckgebiete, die unser Wetter bestimmt haben – mit Warmfronten und Kaltfronten. Und zusätzlich gab es auch noch ein anderes Phänomen: sogenannte Kaltlufttropfen. Diese sind nicht aussergewöhnlich für den Frühling, aber dieses Jahr waren sie sehr langlebig.
Wieso beherrschen Tiefdruckgebiete derzeit unser Wetter?
Für ein Hochdruckgebiet braucht es stabile Verhältnisse mit geringen Temperaturunterschieden. Weil die Weltmeere sehr warm sind, gibt es aber diese Temperaturunterschiede und es entstehen Tiefdruckgebiete. Dass sie immer zu uns kommen, ist aber nicht normal. Dieses Jahr befinden wir uns aber in einer Region, in der immer wieder Tiefdruckgebiete mit den Fronten unser Wetter beeinflussen. Es kann sein, dass wenn andernorts ein Hochdruckgebiet lange Zeit stabil bleibt, die Tiefdruckgebiete immer den gleichen Weg gehen müssen.
Wie sieht es die nächsten Tage aus?
Es ist noch kein stabiles Hochdruckgebiet in Sicht, doch wir erwarten ein Zwischenhoch, das sich morgen langsam von Westen her Richtung Mitteleuropa ausbreitet. Am Donnerstag erwarten wir den sonnigsten Tag der Woche. Doch dann kommt schon das nächste Tiefdruckgebiet – am Freitag mit einer Warmfront, am Samstag mit einer Kaltfront. Auf Anfang nächster Woche kommt sehr warme Luft zu uns, doch im Laufe der Woche dürften wieder Schauer und Gewitter folgen.
Wann wird es denn endlich Sommer?
Er kommt noch! Die wärmste Phase des Jahres mit den Hundstagen bilden der Juli und der August. Da sollten wir die Hitzemarke dann schon knacken. Doch bis Ende Juni dürfte es noch instabil bleiben. Gemäss unseren Prognosen sehen wir immer wieder Regen, die Sonnenscheindauer ist noch unsicher – immerhin gibt es einzelne warme Tage, nächste Woche erwarten wir teilweise über 25 Grad.