Zum Inhalt springen

Header

Audio
Buslinien im Kanton Jura bleiben bei Postauto
Aus Rendez-vous vom 04.05.2020.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
Inhalt

Unzufriedenheit mit Postauto Der Kanton Jura geht doch nicht fremd

Der Kanton Jura hatte seine Buslinien neu ausgeschrieben. Nun kommt doch kein ausländisches Unternehmen zum Zug.

Schweizweit gab das Vorgehen des Kantons Jura zu reden: Die Regierung schrieb alle Buslinien neu aus. Der Grund: Unzufriedenheit mit Postauto. In ihrem Entscheid bestärkt wurden die Verantwortlichen durch den Postauto-Skandal.

Die Neuausschreibung führte zu einem harten Bieterkampf, bei dem auch ausländische Unternehmen mitmachten und Späher in den Jura schickten. Nun hat der Kanton Jura entschieden, wer den Zuschlag für die Buslinien erhält.

Erleichterung bei den Chauffeuren

Für die Chauffeure war die Ausschreibung ungemütlich: Sie wurden ausspioniert bei ihrer Arbeit, Unbekannte setzten sich zu den Chauffeuren und filmten von Endstation zu Endstation – und suchten so Informationen für die Konkurrenzofferten. Und die Postauto-Angestellten bangten um ihren Job.

Postauto hat schlicht die beste Offerte eingereicht.
Autor: David ErayVerkehrsdirektor des Kantons Jura

«Nun sind wir erleichtert», sagt Chauffeur Raphael Marquis. Dass nun erneut Postauto zum Zug kam, hat mit dem Preis zu tun. Bislang wurden 20 Millionen Franken pro Jahr bezahlt – neu geht es vier Millionen Franken günstiger. Eine Million spart der Jura ein, drei Millionen Einsparungen sind es für den Bund.

Das wurde möglich, weil das Busnetz effizienter wird und weil Postauto noch einige Linien mehr erhält und damit ein regionales Unternehmen aussticht. «Postauto hat schlicht die beste Offerte eingereicht», sagt David Eray, Verkehrsdirektor des Kantons Jura. Die Postautos liessen nach dem Vergabeentscheid vor Freude die Hörner erklingen.

Keine Sozialpartnerschaft bei der Konkurrenz

Das Unternehmen Postauto setzte sich damit gegen Konkurrenten aus Spanien und Frankreich durch. Dass diese Konkurrenten es nicht geschafft haben, dürfte auch mit den Lohngarantien zu tun haben, sagt Sheila Winkler von der Gewerkschaft Syndicom, die sich stark für die Chauffeure engagiert hatte.

«Für uns ist massgebend, dass die Konzessionen dem einzigem Unternehmen gegeben werden, das einen Gesamtarbeitsvertrag hat», sagt Winkler. Alle anderen Bewerber hätten keinen GAV und keine Sozialpartnerschaft. «Es wäre in einer solchen Situation verheerend gewesen, einem dieser Unternehmen die Konzessionen zu geben.»

Ein Entscheid mit Signalwirkung

Für die ausländischen Anbieter heisst das: Sie kommen nicht voran in der Schweiz. Bislang sind nur wenige Buslinien in Genf in französischen Händen. Der Entscheid aus dem Jura dürfte deshalb Signalwirkung haben – auch für das Unterwallis, wo derzeit ebenfalls Linien ausgeschrieben sind.

Definitiv wird das Signal aus dem Jura aber erst sein, wenn die Beschwerdefrist ungenutzt verstrichen sein wird. Dann wird sich im Jura zumindest etwas ändern: Auf den jurassichen Strassen fahren künftig keine gelben Postautos, sondern rote Busse. Und auch die Uniformen und Haltestellen werden umgestaltet – der Jura wollte Kantonsfarben.

Rendez-vous vom 04.05.2020, 12:30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    In Jurassien gibt es immer noch viele Kinder der Rebellengeneration. Ich war kürzlich da und eine etwa 55 jährige Frau erzählte, sie sei vor zwei Jahren (mit ihrem neuen Mercedes) das erste mal beim Feind gewesen, in Bern! (Ennemi!) Der Röstigraben und die ausgesprochene topographische Nähe zu Frankreich lässt grüssen. Aber Franzosen sein, non merci!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Samuel Müller: Also ich denke, das hängt auch ein wenig davon ab, wie man sich im Jura aufführt. Für mich sind die Jurassier eher ländlich geprägte Menschen, deshalb aber ausserordentlich nett. In Zürich grüsst sich niemand mehr auf der Strasse wohingegen man im Jura auf Schritt und Tritt ein "Bonjour" hört. Auch ein Muotathaler hat ein ambivalentes Verhältnis zu Bern. Das sind für die immer noch die Landvögte, die die Freiheit des Berglers beschneiden wollen. Sowas gehört halt zur Schweiz.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    In meinen Augen wäre es eine Sauerei gewesen einen ausländischen Anbieter zu wählen. Nicht nur in dieser Coronazeit, sondern ganz grundsätzlich, muss dieser Globalisierungswahn ein Ende nehmen. Der ÖV gehört in Schweizer Hände und vom Bund angeboten und kontrolliert. Der freie Markt kann es eben nicht. Man sieht es ja in der Corona Notzeit was der Markt alles nicht kann, nichts, trotz 30jähriger SVP Beteuerungen. Der Bund muss beim ÖV und überhaupt wieder stärker in die Pflicht genommen werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Olaf Schulenburg: So plakativ ist es nicht. Dank der Marktwirtschaft war Calida in nur 2 Wochen fähig, neben Unterwäsche, auch noch Hygienemasken zu fabrizieren und viele Bierbrauer konnten innert kurzer Zeit, neben Bier, Desinfektionsmittel produzieren. In einer staatlich gelenkten Planwirtschaft hätte so etwas Monate gedauert und möglicherweise hätte man die Produkte auch noch rationieren müssen, da die Mengen zu tief gewesen wären. Nur in einem Markt sind die Anbieter genügend flexibel.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Im letzten Moment konnte hier zusätzliche unnötige Arbeitslosigkeit abgewehrt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen