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Verpflegung im Skigebiet Geordnetes Sitzen auf der Terrasse: besser als Chaos am Takeaway?

  • Der Bund hat das Konsumieren im Sitzen auf der Restaurantterrasse verboten. Verschiedene Kantone sind aber renitent: Sie haben die Terrassen in den Skigebieten weiterhin geöffnet.
  • Gastronomen argumentieren, geordnetes Sitzen sei immer noch besser als chaotische Szenen rund um den Takeaway, in denen die Corona-Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden.
  • Die SRF-Wissenschaftsredaktorin sagt: Die Menge an Leuten ist vor allem entscheidend. Gedränge vor dem Kiosk sieht sie als problematisch an.
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Aus dem Archiv: Kantönligeist in Schweizer Skigebieten
Aus 10 vor 10 vom 16.02.2021.
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Die Pizza auf dem umgedrehten Snowboard, ein Glühwein in einer losen Gruppe vor dem Takeaway oder gedrängtes Anstehen für die Bratwurst: Das sind momentan gängige Notlösungen für die Verpflegung in Schweizer Skigebieten. Denn gemäss BAG ist das Sitzen auf der Restaurant-Terrasse nicht erlaubt. Dieses Verbot führt dazu, dass zum Teil Schutzmassnahmen nicht mehr eingehalten werden.

«Niemand hält sich mehr an den Abstand»

In den Bergkantonen wie auch im Unterland sieht man die strenge BAG-Regel kritisch. Der Zürcher Gastronom Michel Péclard zum Beispiel sagt: «Ich habe das Gefühl, wenn man bedient, hat man das Coronavirus mehr im Griff, als wenn 50 Leute in einer Schlange auf die Bratwurst warten. Niemand hält sich mehr an den Abstand», sagt er.

Ist geordnetes Sitzen aus epidemiologischer Sicht tatsächlich besser als das chaotische Anstehen beim Takeaway? Wir fragen bei SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel nach.

Epidemiologisch gesehen sei der Wissenschaftsredaktorin zufolge vor allem die Menge der Menschen wichtig, die aufeinander treffen. Und: wie nahe sie sich kommen. Anders ausgedrückt: «Ein Takeaway, der zulässt, dass Menschen eng um den Kiosk herumstehen, ist ungünstig, genauso wie eine Terrasse, die zwar coronakonform mit Abstand bestuhlt ist, auf der sich die Menschen aber zum Beispiel im Eingangsbereich oder auf dem Weg zur Toilette zu nahe kommen.» Es komme immer darauf an, ob man es «gut macht» und die Sache richtig durchdenkt.

Kantönligeist in den Skigebieten

Trotz Forderungen der Gastro-Betreiber nach einer bedienten Lösung bleibt das BAG standhaft und betont: Sitzplätze auf Restaurantterrassen sind nicht erlaubt. Doch die Skigebiete kümmert das wenig – dort herrscht Kantönligeist. Im Kanton Wallis beispielsweise sind Sitzgelegenheiten verboten, im Kanton Obwalden erlaubt der Kanton geordnetes Sitzen mit Takeaway-Essen.

Der Knatsch um die Sonnenterrassen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

«Bei günstiger Entwicklung und höherer Durchimpfungsrate» könnte sich der Bundesrat aktuell vorstellen, dass Restaurantterrassen ab dem 1. April wieder öffnen dürfen. Bis dahin gilt: Essen am Tisch auf der Sonnenterrasse ist verboten.

Dass einige Kantone dies anders handhaben, stört das Bundesamt für Gesundheit (BAG). BAG-Direktorin Anne Lévy hat den Kantonsregierungen dazu einen Brief geschickt: «Ein Takeaway mit Sitzgelegenheiten ist kein Takeaway mehr, sondern ein Selbstbedienungsrestaurant. (…) Wir weisen die Kantone somit ausdrücklich darauf hin, dass das Bereitstellen von Sitzgelegenheiten (…) unzulässig ist.» Kantonsvertreter argumentieren, die Skigebiete seien in der Hoheit der Kantone, der Branchenverband Gastrosuisse spricht gar von «reiner Schikane».

Daniel Dommann, Geschäftsführer der Sportbahnen im Skigebiet Melchsee-Frutt ist froh über diese Lösung: «Als wir nur ein Takeaway ohne Sitzplätze hatten, hielten sich die Leute einfach wild durchmischt auf und wir hatten keine Kontrolle über Abstände und Gruppengrössen.»

Die Regeln in Melchsee-Frutt sind streng: Maximal vier Personen pro Tisch sind erlaubt, alle müssen sich per Handy registrieren, die Maske darf man nur am Tisch abnehmen – und es gibt nur Fingerfood. Die Gäste dürfen maximal 45 Minuten sitzen bleiben.

Geordnetes Sitzen mit Regeln: Ja, aber

Die Sitzlösung mit klaren Regeln reduziere – verglichen mit vollen Terrassen – das Risiko einer Ansteckung, so Katrin Zöfel. Aber es sinke natürlich nicht auf null: Das Konsumieren von Essen und Trinken geschehe ohne Maske, damit bleibe ein Restrisiko.

Was die Wissenschaft relativ sicher sagen kann: Der Betrieb auf Terrassen ist wegen des natürlichen Luftaustauschs deutlich sicherer als jener in Innenräumen. Das scheint auch der Bundesrat so zu sehen: Er kündigte am Mittwoch die mögliche Öffnung der Restaurantterrassen ab 1. April an.

Schicken Sie uns Ihr Verpflegungsbild aus den Skiferien

Menschen mit Sandwich im Skigebiet
Legende: Keystone

Wie sieht Ihre Verpflegungssituation im Skigebiet aus? Sitzen die Leute mit Sandwich im Schnee, in den Gängen der Gondelbahnen oder erlaubt das Skigebiet das Sitzen an Vierertischen? Schicken Sie uns Ihr Bild an augenzeuge@srf.ch oder über die News-App.

Schweiz Aktuell, 18.02.2021; 19 Uhr

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57 Kommentare

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  • Kommentar von erwin schatt  (erwin.schatt)
    Alle haben so Theater gemacht wegen der Einsiedler Fassnacht, aber wenn die Unterländer Einsiedeln überschwemmen sicht an die regeln halten spielt es keine rolle.
    Wenn Zürich am See die abstandregeln nicht eingehalten werden wird von der Polizei nicht eingeschritten.
    Das gleiche in Wolen.
    Wo bleibt da die gerechtigkeit.
  • Kommentar von Hans Peter Bruppacher  (Hans Peter Bruppacher)
    Ultraviolettes Licht tötet erfolgreich Krankheitserreger! Dieser Fakt wird seit rund 100 Jahren erfolgreich eingesetzt. Und besonders in den Bergen ist ultraviolettes Licht sehr wirksam. Viele Skifahrer haben sich, aus diesem Grund, schon einen schlimmen Sonnenbrand geholt.
  • Kommentar von Paul Hänger  (basilea@gmx.de)
    Das war ja abzusehen. Die Sachlage ist ja klar - Take und Away. Alle Gastronomen, die ihre Terrassen nicht entsprechend gesperrt haben, sind zu büssen. Da verzichtet man auf das Schliessen der Skisportorte und als Dank nutzen die Skifahrenden dies so aus - unfassbar!
    1. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Der Bundesrat hätte die Aussenterrassen gar nie schliessen lassen sollen, denn es gibt keine Evidenz dazu. Genauso verhält es sich in Zoos oder Botanischen Gärten. Das ist reine Willkür.
    2. Antwort von Pascale von Planta  (Pascale)
      Terassenschliessungen machen keinen Sinn im Kampf gegen Andteckung, entsprechend ist die Akzeptanz gering.