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Die Restaurants bleiben vorerst geschlossen
Aus HeuteMorgen vom 18.02.2021.
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Lockerungspläne des Bundesrats «Kontakte finden auch statt, wenn Restaurants geschlossen sind»

Harsche Kritik an den vom Bundesrat präsentierten Lockerungsplänen kommen, wie zu erwarten, von der Gastronomie und vom Gewerbeverband. Beiden gehen die Vorschläge des Bundesrats viel zu wenig weit. So drängt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer etwa auf eine rasche Öffnung der Restaurants – schliesslich gebe es hier Schutzkonzepte, die funktionierten.

Casimir Platzer

Casimir Platzer

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Casimir Platzer ist seit 2014 Präsident des Gastronomie-Dachverbands Gastrosuisse, Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Hotelier aus Kandersteg sitzt auch im Vorstand von Schweiz Tourismus.

SRF News: Wie ist Ihre Reaktion auf die Lockerungspläne des Bundesrats?

Casimir Platzer: Der Bundesrat will Aktivitäten mit geringem Ansteckungsrisiko wieder zulassen – dazu müssten auch Restaurants mitberücksichtigt werden.

Das Gastgewerbe wird zu Unrecht benachteiligt.

Sie hatten zwischen dem 11. Mai und 22. Dezember geöffnet – und mir ist in dieser Zeit kein Fall eines Hotspots in einem Restaurant bekannt. Wir haben gut funktionierende Schutzkonzepte, die Ansteckungsgefahr ist sehr klein. Das Gastgewerbe wird zu Unrecht benachteiligt.

Was könnte im Bundesrat den Ausschlag gegeben haben, dass Läden öffnen dürfen, Restaurants aber nicht?

Trams, Busse und Läden sind voll, im Aussenbereich lässt man private Veranstaltungen bis 15 Personen zu. Gleichzeitig benutzt man die Gastronomie als Mittel zum Zweck, um Kontakte einzuschränken – das ist paradox. Denn die Kontakte finden auch dann statt, wenn die Restaurants geschlossen sind – einfach im Privaten und ohne Schutzkonzepte. Wir werden jetzt nochmals mit dem Bundesrat sprechen und auch die Kantonsregierungen auffordern, sich für die Gastronomie einzusetzen und vernünftige Lockerungsschritte vorzuschlagen.

Kritik auch vom Gewerbeverband

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Kritik auch vom Gewerbeverband
Legende: Keystone

Auch der Gewerbeverband ist nicht zufrieden mit den Lockerungsplänen des Bundesrats. «Wir erachten seine Politik als mutlos und zu zögerlich», sagt Verbandspräsident Hans-Ulrich Bigler. Der Bundesrat mache eine Politik, die nicht auf den Fakten basiere. So sei das Ansteckungsrisiko etwa im Detailhandel und in Restaurants gemäss den Zahlen des BAG sehr tief. Beizen seien deshalb zumindest teilweise zu öffnen, so Bigler. Er betont, dass Restaurants auch in diesem Fall von den Härtefallgeldern profitieren könnten: «So lange man die Wirtschaftsfreiheit beschränkt, ist der Bund entschädigungspflichtig.» Immerhin: Bigler begrüsst, dass die Härtefallhilfe auf zehn Milliarden Franken aufgestockt werden soll. «Entscheidend ist aber, dass die Auszahlung der Gelder jetzt sofort erfolgt.»

Vom Bundesrat hiess es, die Gastronomie übernehme, indem sie geschlossen bleibe, eine wichtige Aufgabe im Dienst der Volksgesundheit – und müsse dafür angemessen entschädigt werden. Funktioniert das?

Im Dezember genehmigte das Parlament zweieinhalb Milliarden Franken für Härtefälle, davon sind bislang gerade einmal 150 Millionen ausbezahlt worden – für alle Branchen! Das System funktioniert nicht, es gibt einen Flickenteppich aus 26 verschiedenen kantonalen Lösungen.

Es wäre äusserst wichtig, dass die Härtefallgelder jetzt endlich fliessen.

Die Folge: Liquiditätsengpässe in den Betrieben, zusätzliche Verschuldung und Entlassungen sowie grosse Hoffnungslosigkeit. Es wäre äusserst wichtig, dass die Härtefallgelder jetzt endlich fliessen.

Viele Beizer haben bereits aufgegeben, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können. Wie beurteilen Sie die Situation?

Solche Fälle werden jetzt noch zunehmen. Auch eine mögliche Öffnung der Terrassen ab April ist bloss eine Lösung für einige wenige Restaurants, für die meisten ist das aber keine Perspektive. Möglicherweise, sagte der Bundesrat, dürften die Restaurants auch im Mai noch nicht vollständig öffnen – das ist nicht nachvollziehbar.

Der Bundesrat will das Pandemieproblem auf dem Buckel der Gastronomie lösen.

Die Belegung der Intensivbetten in den Spitälern ist derzeit gleich hoch wie Ende April 2020, als man den ersten Lockdown schrittweise beendete. Das Gesundheitswesen ist momentan also nicht mehr überlastet. Deshalb ist es unverständlich, dass der Bundesrat das Pandemieproblem einmal mehr auf dem Buckel der Gastronomie lösen will.

Das Gespräch führte Klaus Bonanomi.

Positive Töne von Gewerkschaftsseite

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Im Gegensatz zu Gewerbe und Gastronomie begrüsst der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse die Lockerungsabsichten der Landesregierung grundsätzlich. «Der Bundesrat hat der Bevölkerung und der Wirtschaft eine Perspektive gegeben – auch wenn diese nicht für alle Branchen so ist, wie sie sich erhofft hatten.» Trotzdem sei es wichtig, dass die Regierung seine Absichten für die Öffnungsschritte ab Anfang März präsentiert habe. Ebenfalls begrüsst die Gewerkschaft die Tatsache, dass der Härtefallfonds auf zehn Milliarden Franken aufgestockt werden soll.

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Enttäuschter Beizer nach Bundesratsentscheid
Aus 10 vor 10 vom 17.02.2021.
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Quelle: Bundesrat, 17.01.21* Der Bundesrat wird nach Konsultation der Kantone am 24. Februar definitiv über den ersten Öffnungsschritt entscheiden.LesesälenMuseenZoosErlebnisparks im AussenbereichBotanische GärtenFussballplätzenLeichtathletik-stadienTennisplätzeTennisplätzenDas hat der Bundesrat am 17. Februar kommuniziertÖffnung vonLockerungen1. Möglicher Öffnungsschritt ab dem 1. März* (Entscheid am 24.2.):Kunsteisbahnenim AussenbereichLädenErlaubnis für private Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen im FreienJugendliche bis 18 Jahre sollen den meisten sportlichen und kulturellen Aktivitäten nachgehen können.Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen wieder zugänglich sein.
Quelle: Bundesrat, 17.01.21** Voraussetzung dafür ist, dass epidemiologische Lage dies zulässt. Positivitätsrate soll unter 5 Prozent, die Auslastung der Intensivplät-ze mit Covid-19-Patienten unter 25 Prozent und die durchschnittliche Reproduktionszahl über die letzten 7 Tage unter 1 liegen, und die 14-Tages-Inzidenz am 24. März soll nicht höher sein als bei der Öffnung am 1. März. Diese Richtwerte sind kein Automatismus. Der Bundesrat wird bei seinem Entscheid die Kombination dieser Richtwerte beurteilen.RestaurantterrassenÖffnung vonLockerungen2. Möglicher Öffnungsschritt ab dem 1. April**:Kultur- und Sportveranstaltungen mit Publikum in eng begrenztem RahmenSport in Innenräumen

SRF 4 News, Heute Morgen, 18.2.2021, 7:00 Uhr;

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101 Kommentare

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  • Kommentar von basil franguiadakis  (weissnix)
    viele restaurants und bars haben zusätzlich zu schlechten einnahmen, geld in provisorische unterstände vor dem geschäft investiert, um mehr platz zu generieren, damit die kunden abstand beim essen/trinken wahren können und stehen jetzt ungenutzt einfach so da..
  • Kommentar von Angela Fischli  (Angela Fischli)
    Steuereinnahmen werden nicht nur wegen Schuldenabbau sinken, sondern auch wegen Arbeitslosigkeit/Kurzarbeit was dann in der Staatskasse/Kantonen fehlt. Unsere Nachkommen, Enkel/ Urenkel werden dies durch Steuererhöhnug usw ausgleichen müssen
  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Vorschlag für Gäste eine Zeitdauer von 2 1/2 Std. um zu Essen, Stufenweise Anmeldungen annehmen bis zu einer bestimmten Personenzahl 4 er Tische sind ja vorhanden. Alle Regeln einhalten, der Name ist schon registriert über die Reservierung. Arbeiter am Mittag auch registrieren, diese sind meist nur kurz 30 bis 40 Min. zum Essen, oder Znüni 15 Min. im Restaurant um sich zu aufwärmen. Schliesslich funktioniert es ja auch im Bundeshaus Bistro, jeder Politiker kommt auch aus einem andern Umfeld.