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Corona hinterlässt Spuren - auch in der Psyche
Aus Echo der Zeit vom 19.05.2020.
abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
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Verzweifelt in der Coronakrise Vor allem der Jobverlust belastet die Menschen

Das Coronavirus kann nicht nur für den Körper gefährlich sein, sondern auch für die Psyche. Doch es gibt Hilfsangebote.

Einige Patiententinnen und Patienten seien nicht mehr zur Therapie gekommen, erzählt Wolfram Kawohl, Chefarzt und Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der psychiatrischen Dienste Aargau. Sie hätten Angst gehabt, sich mit dem neuen Coronavirus anzustecken.

Zugleich suchten neue Patienten Hilfe in seiner Klinik: «Zugenommen haben die Beratungen und Behandlungen von Menschen, die im Rahmen der Krise ihre Arbeit verloren haben.» Es seien vor allem Personen, die in der Gastronomie gearbeitet hätten.

Sie wüssten nicht, wie es wirtschaftlich weitergehen soll, manche schämten sich auch, den Job verloren zu haben. Für einige sei die Belastung so gross, dass es sie fast erdrücke, so Kawohl.

Existenzängste und Suizidgedanken

«Es sind Existenzängste, mit denen Betroffene zu kämpfen haben, und leider auch immer wieder lebensmüde Gedanken.» Suizidgedanken nach dem Verlust des Arbeitsplatzes sind für den Psychiater ein grosses Alarmsignal. Er hat zur Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Suizid geforscht und publiziert. Ergebnis: Weltweit 20 Prozent aller Fälle von Selbstmord sind mit Arbeitslosigkeit assoziiert.

Schild dargebotene Hand
Legende: Die dargebotene Hand hat im März und April sieben Prozent mehr Anrufe erhalten als in den Vergleichsmonaten des letzten Jahres. Keystone

«Wenn es keine Arbeitslosigkeit gäbe, gäbe es 20 Prozent weniger Suizide», schliesst Kawohl daraus. In der Therapie versuche man, den Patienten Lösungswege aufzuzeigen. Zum Beispiel berufliche Alternativen. Und man helfe ein soziales Hilfsnetz zu organisieren, in erster Linie mit Fachpersonen.

Arbeitgeber und RAV in der Pflicht

«Da geht es dann nicht nur um wirtschaftliche Hilfe, sondern auch darum, nicht alleine zu sein.» Wenn das alles nicht funktioniere, würde man auch eine vorübergehende stationäre Behandlung anbieten.

Arbeitgeber, aber auch Beraterinnen und Berater in einem RAV seien sich oft nicht bewusst, was eine Kündigung auslösen könne, sagt Kawohl. Dabei sollten diese schon beim leisesten Verdacht, ihr Gegenüber könnte suizidgefährdet sein, schnellstens reagieren und den Betroffenen empfehlen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Hilfsangebote

Es gibt verschiedene Stellen, an die sich Menschen in suizidalen Krisensituationen wenden können. Rund um die Uhr, vertraulich und kostenlos.

Der Lockdown stresst viele

Der Soziologe Marc Höglinger von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) untersucht mit seinem Team die breiten Auswirkungen der Coronapandemie auf die Bevölkerung wissenschaftlich – auch die psychischen. Regelmässig werden dazu dieselben 2000 Menschen befragt.

«Ein beträchtlicher Teil der Personen gibt an, dass sie gestresst sind», sagt Höglinger. Gründe seien die Lockdown-Massnahmen, Homeschooling oder das Fehlen vieler persönlicher Kontakte. Ob sich die Situation mit der Teillockerung des Lockdown nun entspannt, werden die nächsten Befragungen der Hochschule zeigen.

Wird es besser oder schlimmer?

Auch die Frage, wie gross das Problem für die Gesellschaft als Ganzes bis Ende Jahr wird, bleibt vorerst offen. Salome von Greyerz leitet die Abteilung Gesundheitsstrategien beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Sie schliesst nicht aus, dass die Anzahl Menschen mit psychischen Problemen zunimmt.

Entscheidend seien verschiedene Faktoren, wie etwa die weiteren Lockerungsschritte: Wie viel Freiheit dürfen wir in diesem Sommer geniessen? Wie rasch erholt sich die Wirtschaft? Wird es wegen einer zweiten Welle neue einschränkende Massnahmen brauchen? Sollte sich die Situation zuspitzen, müsse man Massnahmen prüfen, wie den weiteren Ausbau der Beratungsangebote oder den Zugang zu mehr Online-Therapien, so Salome von Greyerz.

Echo der Zeit, 19.05.2020, 18.00 Uhr

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Es sind momentan 0.064% der Weltbevölkerung positiv auf COVID-19 getestet worden davon sind 2-4% mit dem Virus verstorben. Jede Minute verhungern auf der Welt 2 Menschen (über 1 Million im Jahr), ein Fakt der hier niemanden interessiert. Nach den Lockdowns in den armen Länder sterben sehr wahrscheinlich doppelt so viele an Hunger, und dies sind dann mehrheitlich junge Menschen die das Leben noch vor sich haben.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Könnten Sie bitte noch die Quelle für Ihre "sehr wahrscheinliche" Verdoppelung der Hungertoten angeben. Es gibt jetzt mit sehr einschneidenden Massnahmen nach 3 Monaten 345'000 Tote. Wie sehr wahrscheinlich ist es wohl, dass wir ohne die Massnahmen in einem Jahr einiges mehr als die von Ihnen prognostizierte Million zusätzlicher Hungertoten hätten? Komischerweise sind ja die Kreise, welche die Massnahmen möglichst schnell beenden wollen, nicht diejenigen, die sonst an die Hungernden denken!
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Ein Grossteil der hiesigen Kommentare zeigt klar, dass viele Menschen in der Schweiz bereit sind, allein aufgrund ihres Vertrauens in Autoritätspersonen auf unbestimmte Zeit auf ihre Grundrechte zu verzichten - das Recht auf Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Wirtschaftsfreiheit, Privatsphäre, normales Sozialleben usw. Natürlich glauben gerade solche Menschen, sich selbst ein Bild von der Notwendigkeit machen zu können und blenden aus, dass diese Situation zu neu für solche Schlüsse ist.
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  • Kommentar von Maria Heule  (marbel)
    Man vermutet eine zweite Welle im Hebst ,ob sie kommt oder nicht wiesen weis niemand sicher.
    Und wen sie kommt ? Was den ?
    Versuchen mir gegen der Virus mit alle mögliche Mittel zu kämpfen werden mir die Existenz von Millionen zerstören .
    Beides eine schreckliche Szenarium !
    Bleib Gesund ...schöne Sonntag .
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