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Faire Löhne? Public Eye kritisiert Nachhaltigkeitsversprechen von Zara
Aus Espresso vom 20.11.2019.
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Viele Worte, wenig Taten Faire Löhne? Kritik an Nachhaltigkeitsversprechen von Zara

Faire Löhne, akzeptable Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktion – die Nachhaltigkeitslabels grosser Modemarken versprechen Konsum ohne schlechtes Gewissen. Doch wer genauer wissen will, was die Firmen unter fair verstehen, stösst auf eine Mauer des Schweigens.

So hat es die Entwicklungs-Organisation Public Eye bei einem Kaputzenpulli der Modekette Zara erlebt – ein modisches Hoodie für 46 Franken mit der grossen Aufschrift «R.E.S.P.E.C.T» – Respekt. Das Kleidungsstück gehört zu Zaras Nachhaltigkeitslinie «Join Life». «Unsere Kleidungsstücke erfüllen die höchsten Standards in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit und Umweltverträglichkeit» schreibt Zara auf der Webseite. «Unsere Lieferkette respektiert Arbeitnehmer und Umwelt.»

Selbst in der nachhaltigsten Kollektion finden wir Arbeitsbedingungen, die nichts mit Respekt zu tun haben.
Autor: David HachfeldPublic Eye

«Es sind Armutslöhne»

Stimmen die Versprechen von Zara wirklich? Public Eye kommt nach monatelanger Recherche unter anderem in den türkischen Fabriken zu einem anderen Schluss. David Hachfeld, Textilexperte von Public Eye, sagt, von den bezahlten Löhnen könnten Arbeiterinnen und Arbeiter nicht leben. «Das ist schockierend für ein Unternehmen, das von sich sagt, es stelle Arbeiterinnen und Arbeiter ins Zentrum und achte ihre Rechte. Selbst in der nachhaltigsten Kollektion finden wir Arbeitsbedingungen, die nichts mit Respekt zu tun haben. Es sind Armutslöhne.»

Berechnung von Public Eye
Legende: Wie entsteht der Preis eines Kleidungsstückes? Public Eye hat eine detaillierte Schätzung vorgenommen. (Siehe auch Link) zvg/publiceye

Von den 46 Franken des «R.E.S.P.E.C.T.»-Pullis gehen gemäss Schätzung von Public Eye nur 1.80 an jene Fabrik, die den Pullover näht. Eine Schätzung deshalb, weil Zara bei diesen Zahlen mauert. Heisst also: Sehr tiefe Löhne und sehr lange Arbeitszeiten. Zara selbst verdient gemäss Schätzung von Public Eye fast fünf Franken am angeblich respektvollen Pullover.

Zara weist «Anschuldigungen entschieden zurück»

Zara ist eines der grössten und profitabelsten Modeunternehmen weltweit, mit mehr als 2000 Filialen und mehreren Milliarden Umsatz. Der Mutterkonzern Inditex schreibt dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Die Berechnungen von Public Eye entbehren jeder Grundlage. Die Schlussfolgerungen sind komplett falsch und irreführend. Wir weisen alle Anschuldigungen entschieden zurück.»

Und weiter: «Der Report von Public Eye zeigt, dass wir mehr als die gesetzlichen Mindestlöhne bezahlen.» Wie viel sie tatsächlich bezahlen, legen die Verantwortlichen nicht offen.

Türkische Fabrik
Legende: Laut Public Eye zahlt Zara in den türkischen Fabriken keine Löhne, die zum Leben reichen. zvg/public Eye

«Es bräuchte nur 4 Franken 20 mehr»

Auch Inditex ist sich bewusst, dass gesetzlicher Mindestlohn nicht heisst, dass die Leute davon leben können. Der Konzern schreibt aber: «In einer industrieweiten Initiative ermutigen wir aktiv, dass sich die Arbeitgeber, die Arbeiter und ihre Gewerkschaftsvertreter auf einen Existenzlohn einigen.»

David Hachfeld von Public Eye kennt die Argumente. Er sagt dazu lediglich: Es wäre für das milliardenschwere Unternehmen nicht so schwer, etwas zu verändern. In Indien müssten sich die Löhne der Bauern verdoppeln und in der Türkei verdreifachen, damit diese Leute davon leben könnten. Das klinge nach viel, doch Public Eye hat im Fall des Zara-Kaputzenpullis berechnet: «Es bräuchte gerade mal 4 Franken 20 mehr pro Pullover, um Existenzlöhne zu erreichen.»

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Was ist heutzutage schon fair? Teure Labelartikel? Das Gejammer hallt immer noch in meinen Ohren nach, was an einer Jacke über 500 Fr. kostet, wenn made in China und fuselt schon nach zweimal Tragen? Wer profitiert davon? Also gut. Keine Labelsachen. Aber billig darf es auch nicht sein. Bleibt das mittlere Preissegment. Was sind die typischen Herstellungsorte? Soll man doch in Manor, Jelmoli nachschauen: China, Bangladesh, Marocco. In CH um 40% teurer als in DE. Ist es denn verantwortlich?
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Die Löhne sind höher als die BRD, desgleichen die Bewirtschaftung eines Warenhauses. Die Schweizer sind auch so noch reicher als die deutschen, darum lassen sich viele auch in der Schweiz nieder.
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    2. Antwort von Adrian Weber  (Pöbel)
      Es gibt viele seriöse Anbieter von nachhaltigen Kleidern. Bei manchen kann man den Herstellungsprozess bis zum Baumwoll-Bauern einsehen. Zudem ist die Qualität deutlich besser und langlebiger. Verständlicherweise kann ich hier keine Marken nennen (Netiquette.)
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  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Wer kauft schon bei denen...
    Ah, nach der Klimademo ab zu Zara... H und M etc...
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    1. Antwort von Laura Brunner  (bougiebear)
      Sie würden sich wundern wieviel junge Menschen bewusst in der Brocki nach schöner Kleidung stöbern. Neulich kam meine Tochter mit einem Original Hermès Foulard nach Hause. Zur Klimademo zieht sie dieses natürlich nicht an ;-)
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Brunner: Merci für das Paradebeispiel vom unsinnigem Einkauf. Ahm, sorry. Diplomatie muss sein. Also: So ein Stück neuwertig kostet Tausende(!) von Franken! Aber gebraucht zu kaufen, für Spottpreis, ist es ja offenbar ok. Also gut. Ich halte schon meine grosse Klappe, lerne Zurückhaltung. Viel Spass für Ihre Tochter am Klimademo. Hoffentlich erklären Sie ihr nicht die Wertschöpfungskette von Hermes-Foulards. ;)))) Wäre für sie ein Schock, das wollen wir nicht.
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Solange in der Werbung ohne jegliche Konsequenzen alles mögliche behauptet werden kann und gelogen wird dass sich die Balken biegen wird sich nichts ändern. Einerseits liegt es in unserer Verantwortung solche Produkte zu hinterfragen andererseits sollte die Politik veranlassen, dass Werbende zu ihrem Wort stehen MÜSSEN denn wer ein gutes Produkt hat muss nicht lügen.
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    1. Antwort von Barbara Mujagic  (bdm)
      Wie wahr, nur, das Parlament, das unsere Politik macht, besteht bekanntlich zu einem grossen Teil aus Personen der Wirtschaftslobby. Ach ja, die brauchen wir ja eigentlich nicht zu wählen... Fazit: Ums Selbstdenken kommen wir halt einfach nicht herum, weder beim Konsum, noch bei der politischen Partizipation.
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    2. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Da kann ich Ihnen nur noch zustimmen Frau Mujagic.
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