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Armutsrisiko Corona
Aus Rendez-vous vom 30.11.2020.
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Vielen droht die Armut Caritas ist wegen Corona gefordert wie noch nie

Die Coronakrise zwingt die Caritas zur grössten Hilfsaktion in ihrer Geschichte. Wer vorher nur knapp über die Runden kam, hat jetzt massive Probleme.

10'000 Menschen haben dieses Jahr die Caritas für eine Sozialberatung aufgesucht, wie die Hilfsorganisation vor den Medien mitteilte. Das sind doppelt so viele wie in normalen Jahren. Zudem unterstützte die Caritas 14'000 Menschen mit Direktzahlungen, verteilte Einkaufsgutscheine und Masken.

Die gesamte Hilfsaktion dieses Jahres kostete bisher 12.2 Millionen Franken, davon stammen 9.7 Millionen Franken von der Glückskette. Es ist dies ein Rekord für eine Caritas-Aktion in der Schweiz.

Viele von Armut bedroht

Die Coronakrise treibe Menschen in die Armut, sagt Hugo Fasel, Direktor der Hilfsorganisation. «Wir haben in den letzten neun Monaten über 100'000 Menschen geholfen», sagt er.

Tagtäglich sehe man in den Caritas-Büros, wie schlimm die Folgen der Pandemie viele Menschen getroffen haben. «Die Armut in der Schweiz nimmt massiv zu», stellt Fasel fest.

Sans Papiers und Working Poor betroffen

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Viele jener Menschen, welche in den letzten Monaten die Hilfe der Caritas in Anspruch nehmen mussten, sind Working-Poor-Familien mit minderjährigen Kindern. Überdurchschnittlich häufig befinden sich alleinerziehende Frauen in finanziellen Nöten. In der Westschweiz stehen zudem die vielen arbeitenden Sans-Papiers in Krisensituationen ohne jegliche soziale Sicherheit da. Deshalb fordert die Caritas auch eine Entkoppelung des Sozialhilfebezuges von der Aufenthaltsbewilligung.

Aktuelle Zahlen zur Armut in der Schweiz gibt es nicht. Doch schon 2018 zählte das Bundesamt für Statistik 660'000 Menschen, die in Armut lebten. Fasel ist überzeugt, dass diese Zahl wegen Corona gewachsen ist. Doch vieles zeige sich erst in einigen Jahren, wenn die Betroffenen in den Statistiken auftauchen.

Es fehlen schnell ein paar Hundert Franken

Für Fasel ist klar, dass die Coronakrise vor allem die untersten Einkommensschichten trifft. «Die Krise bringt sie in grosse Schwierigkeiten.» Viele geraten in finanzielle Engpässe, weil die Arbeit weniger wird oder ganz fehlt – oder weil die Kurzarbeitsentschädigung nur 80 Prozent des bisherigen Lohnes deckt.

Warteschlange.
Legende: Hunderte Menschen benützen die Abgabestellen für lebensnotwendige Artikel in Genf. Keystone

Für Menschen an der Armutsgrenze – sie liegt für Einzelpersonen bei rund 2500 Franken Einkommen pro Monat – gehe es oft nur um einige Hundert Franken.

Wo liegt die Armutsgrenze?

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Im Jahr 2018 betrug die Armutsgrenze laut Bundesamt für Statistik durchschnittlich 2286 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 3968 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren. 7.9 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten waren damals von Einkommensarmut betroffen. Dies entspricht rund 660‘000 Personen. 135'000 davon waren erwerbstätig – sogenannte Working-Poor.

Caritas fordert Ergänzungsleistungen

Genau hier will die Caritas ansetzen und stellt eine neue politische Forderung: «Wenn man die Einbussen ausgleichen würde, könnte man mit wenig Geld dazu beitragen, dass die Menschen nicht in Armut geraten», sagt der Caritas-Präsident.

Er nennt als Vorbild die Ergänzungsleistungen für Rentenbezüger. Schliesslich gehe es im Einzelfall meist bloss um einige Hundert Franken pro Monat. Die Caritas setzt sich also für unbürokratische Direktzahlungen für Menschen in prekären Situationen ein.

500 Mio. Franken würden viel bringen

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Direktzahlungen ähnlich der Ergänzungsleitungen könnten viele Menschen davor bewahren, wegen der Corona-Pandemie in die Armut abzurutschen, stellt die Caritas fest. Laut Caritas-Direktor Hugo Fasel wären ungefähr 500 Millionen Franken nötig, um denen zu helfen, die bisher durch die Maschen der Corona-Hilfe gefallen sind. (sda)

Zudem wiederholt die Hilfsorganisation bekannte Forderungen wie eine hundertprozentige Kurzarbeitsentschädigung für Menschen mit tiefen Löhnen und deutlich höhere Krankenkassenprämien-Verbilligungen.

Das Sozialsystem habe Lücken, sagt Fasel. Deshalb werde Armut in der Schweiz künftig ein immer wichtigeres Thema.

SRF 4 News, Rendez-vous vom 30.11.2020, 12.30 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Bernhard Zwahlen  (B.Zwahlen)
    Ein Grundeinkommen (mind. für die Coronazeit)
    Dieses würde verhindern dass die ärmsten noch ärmer werden. Die top-Verdiener hätten zwar nicht 80% ihres Lohnes, aber es sollte auch reichen.
    Ausserdem, mehrheitlich wenigverdienende arbeiten in kleinst Unternehmen, diesen will der Nationalrat wiedermal weniger helfen. (Mietunterstützung)
    Bis wieder eine soziale Unzufriedenheit herscht, dann mit einem generalstreik eine sozialreform stattfindet. Alles muss sich wohl wiederholen. Schade.
  • Kommentar von Christian Pfister  (Larry C)
    Die Corona-Massnahmen bringen uns unglaubliches Leid in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und in medizinischer Hinsicht! Niemand fragt sich, ob die Massnahmen wirlich auch verhältnissmässig sind oder ob es nicht einfacher wäre, nur die Risikogruppen zu schützen. Es ist sehr gefährlich, nur noch eine staatliche Meinung zu veröffentlichen. Das Referendum zum Notrecht (Unterschriftensammlung läuft) stoppt diese Fehlentwicklung wie auch den Impfzwang mit langfristig nicht abschätzbaren Folgen!
  • Kommentar von Corinne Ehrler  (Corinne Ehrler)
    Die Massnahmen sind ohne Frage schlimmer als Corona.
    1. Antwort von markus ellenberger  (ELAL)
      Das ist richtig wenn arme noch ärmer werden und der hochgelobte Staat nicht hilft.