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Corona-Krise: Mutiertes Virus breitet sich aus
Aus Tagesschau vom 22.01.2021.
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Virus-Mutation in der Schweiz Stadler: «Britische Mutation macht fünf Prozent der Fälle aus»

Tanja Stadler hat an der ETH Zürich 1000 repräsentative Proben der vergangenen Woche untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die virulentere britische Variante des Coronavirus wie erwartet schnell in der Schweiz verbreitet. Die Professorin erklärt, was dies für den weiteren Verlauf der Pandemie bedeuten könnte.

Tanja Stadler

Tanja Stadler

ETH-Professorin am Departement für Biosysteme

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Die Mathematikerin Tanja Stadler ist Professorin am Departement für Biosystems Science und Engineering an der ETH. Sie entwickelt Methoden, um die Ausbreitung von Virus-Epidemien zu berechnen.

SRF News: Sie haben diese Woche 1000 positive Proben genetisch untersucht. Was haben Sie herausgefunden?

Tanja Stadler: Von den drei neuen Varianten sehen wir hauptsächlich jene, die ursprünglich in Grossbritannien charakterisiert worden ist. Hier gibt es von Woche zu Woche eine stetige Zunahme. In der letzten Kalenderwoche sind etwa fünf Prozent aller bestätigten Fälle auf diese neue Variante zurückzuführen. Dieser Anteil verdoppelt sich rund jede Woche. Das haben wir auch erwartet aufgrund der Daten aus Dänemark und aus Grossbritannien.

Das heisst, in ein paar Wochen wird die britische Mutation dominieren?

Der Anteil wird zunehmen, die neue Variante wird immer mehr dominieren. Aber wenn wir Kontakte reduzieren, dann können wir sowohl die bekannte wie auch die neue Variante in der Ausbreitung bremsen.

Was wissen Sie über den aktuellen R-Wert dieser Variante?

Wir hatten zur Jahreswende für alle bestätigten Fälle einen R-Wert deutlich unter 1. Das ist erst einmal ein positiver Trend. Aber wenn wir uns die Daten der neuen britischen Variante anschauen, sehen wir einen R-Wert deutlich über 1. Zum Jahreswechsel ergaben Hochrechnungen ungefähr 10 neue Fälle pro Tag aufgrund dieser neuen Variante. Letzte Woche schon über 100 Fälle.

Wenn wir uns die Daten für die neue Variante, die in Grossbritannien entdeckt wurde, anschauen, dann sehen wir einen R-Wert deutlich über 1.
Autor: Tanja StadlerETH-Biologin

Heisst das, wenn der Anteil dieser Variante zunimmt, wird die Kurve aller bestätigten Fälle zwangsläufig wieder nach oben steigen?

Zwei Dinge sind wichtig: Die neue Variante hat einen Transmissionsvorteil, denn sie wird nach und nach die bekannten Varianten ersetzen. Wenn wir aber Kontakte reduzieren, wird sich auch die neue Variante nur sehr langsam ausbreiten. Im besten Fall geht sie zahlenmässig zurück. Es liegt also in unseren Händen.

Die einen warnen, die anderen sagen, man solle jetzt nicht dramatisieren. Was finden Sie?

Wir sollten kein Drama machen, sondern die Lage analysieren. Auf welchen Schluss kommen wir da? In Grossbritannien sahen wir eher sinkende Fallzahlen. Darunter breitete sich die neue Variante exponentiell aus, was zu diesem enorm kritischen Zustand im Dezember geführt hat. In Dänemark sehen wir eine ähnliche Dynamik, dort ist man vielleicht zwei Wochen voraus. Wir sehen jede Woche eine Zunahme dieser neuen Variante, wie wir sie auch erwarten. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Wir sollten kein Drama machen, sondern die Lage anschauen und analysieren.
Autor: Tanja StadlerETH-Biologin

Sonst haben wir wieder die Probleme auf den Intensivstationen und extrem viele Todesfälle. Deshalb sollten wir die Kontakte vermeiden, um dieser neuen Variante nicht zu viel Raum zu geben, um sich auszubreiten.

Es gibt also immer noch verschiedene Szenarien, und es ist nicht sicher, dass uns aufgrund der Aggressivität dieser neuen Variante eine dritte Welle quasi sicher bevorsteht?

Genau. Es liegt jetzt wirklich in unserer Hand.

Wird es mit dieser aggressiveren Variante nicht viel schwieriger, den R-Wert unter 1 zu senken, oder sogar auf den Zielwert von 0.8?

In der Tat, das wird deutlich schwieriger, weil die neue Variante ungefähr 50 Prozent Transmissionsvorteil hat. Es braucht also stärkere Massnahmen. Und wenn wir die Fallzahlen weit unten haben, braucht es eine sehr effiziente Kontaktnachverfolgung. So könnten wir statt flächendeckenden, weitreichenden Massnahmen eher wieder spezifisch eingreifen. Parallel dazu ist sicher das Ziel, schnell zu impfen, sodass wir in der Bevölkerung eine Immunität bekommen.

Das Gespräch führte Erwin Schmid.

Tagesschau, 22.01.21, 19:30 Uhr;

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120 Kommentare

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  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Zurück in den Alltag ! Das wäre wichtiger als sich um den wenn und vielleicht Virus Gedanken zu machen. Angst habe ich keine und so etwas lasse ich mir auch nicht einreden.
  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Frau Stalder geht von einer Linearen Verbreitung ohne Nebeneffekte aus. Alleine schon dass der Wildtyp bis in 12 Wochen bei gegen 0 sein soll ist interessant. Denn bei kleinen Inzidenzen von Regional verbreiteten Varianten ist eine Durchmischung und dadurch Verdrängung sekundär. Nur bei extrem hohen Inzidenzen spielt die Verdrängung eine Rolle oder, wenn der Immunisierungs Anteil sehr hoch ist. Dann würde jedoch die in der Grafik angezeigte Exponentielle Wirkung nicht eintreten.
    1. Antwort von Manuel Schütz  (ld238m)
      Falsch. Schauen Sie die Grafik nochmals an. Was ist da linear!?
    2. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      Da haben sie recht Herr Schütz. Ich wusste nicht recht wie ich das schreiben soll.. Also, die Exponentialkurve der Ausbreitung ist Linear. Respektive der R Wert ist als eine Lineare angenommen, die daraus eine exponentialkurve ergibt (eine exponentielle Vergrösserung mit gleichem Faktor). Dabei wurden keine anderen Einflüsse mit eingerechnet, die den (Linearen) R Wert beeinflusst. Z.b die Erhöhung der Immunisierung+Impfung. Laut der Graphik müssten wir in ca. 6 Monaten fast Unendlich viele haben
  • Kommentar von Patrick Schiess  (seloraphim)
    @SRF: sehr spannendes Dokument der WHO, welches die Problematik des PCR Tests aufgreift. Könnt ihr dem nachgehen?

    https://www.who.int/news/item/20-01-2021-who-information-notice-for-ivd-users-2020-05

    Ebenfalls interessiert mich, wie es möglich ist, dass man aus Angst vor dem mutierten Virus einen Lockdown verhängt, wo dieses mutierte Virus bereits im Oktober zum ersten Mal in der CH nachgewiesen wurde und bis heute nur ein paar hundert Fälle nachgewiesen wurden? So ansteckend? Echt jetzt?
    1. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Patrick Schiess

      Guten Tag

      Das einzige, was die Notiz der WHO sagt: Das Laborpersonal solle vorsichtig sein, wenn es Laborresultate mit «schwach-positivem Signal» erhalte. Es solle dann in der Anleitung des verwendeten Tests schauen, ob es allenfalls das von der Test-Software ausgespuckte Verdickt «positiv» manuell nachkorrigieren müsse. Was «schwach-positiv» ist, wird nicht definiert, also kein ct-Wert angegeben.

      In der Notiz ist nirgendwo die Rede von einem konkreten ct-Wert, der zwingend einen negativen Befund anzeigt. In einer Anleitung der britischen Gesundheitsbehörden heisst es ferner, man könne ct-Werte unterschiedlicher kommerzieller Tests (und es gibt einige) nicht untereinander vergleichen.

      Die WHO und die Briten sagen: die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test korrekt positiv ist, steigt mit der Inzidenz, d.h. je höher die Fallzahlen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein positiver Test wirklich positiv ist (und umgekehrt). Momentan haben wir hohe Fallzahlen. Ein ct-Wert kann auch hoch (=eher negativ) sein, wenn z.B. die Probe nicht korrekt genommen wurde. Und er ist tendenziell höher, wenn jemand (noch) keine Symptome hat – ansteckend kann er trotzdem sein.

      Es stimmt, sehr hohe ct-Werte (gegen 40) bedeuten, dass die getestete Person eher nicht angesteckt ist. In der Literatur gelten ct-Werte von 25-35 als «intermediate» - d.h. die Aussage, dass alle Werte über 25 massenhaft falsch positive Resultate geben ist nicht korrekt.

      Liebe Grüsse,
      SRF News.
    2. Antwort von Beno Trütsch  (benotruetsch)
      @Schiess: Exponentielle Entwicklungen sind etwas, das wir mit unserem Verstand sehr schlecht verstehen können, da sie sehr lange sehr flach verlaufen bis die Kurve dann immer steiler nach oben schiesst. Es ist insofern kein Widerspruch wenn es bereits im Oktober erste Fälle gegeben hat und jetzt erst einige 100. Der Blick ins Ausland zeigt, dass man die neue Variante durchaus ernst nehmen sollte. Wir haben in der CH nun aber früh darauf reagiert, was vermuetlich uns noch zugute kommt.
    3. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Herr Schiess:
      1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512 Fälle bemerkt man nicht, 1024, 2048, 4096, 8192 Fälle einige Wochen oder Monate später fallen dann dann schon auf. Man nennt es auch exponentielles Wachstum. (Quelle: Mathematik der Mittelstufe). Wenn wir im Oktober bei 1 gestartet sind und sich die neue Variante alle 7 - 14 Tage verdoppelt, so sind wir jetzt mathematisch wie auch in der Realität bei einigen hundert Fällen und ohne Massnahmen bis im April bei einigen tausend.
    4. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      prof drosten hat gestern an einer PK exakt auf dieses dokument ganz konkret und klar geantwortet. da die WHO für alle länder weltweit zuständig ist und das personal in vielen ländern etwas "weniger gut" ausgebildet ist als in europa beispielsweise sei es wichtig darauf hinzweisen, dass die anleitung zum test ganz genau gelesen werden sollte. also eher eine banalität und nicht so wie es manche jetzt schon wieder "aufbauschen".
    5. Antwort von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
      Entschuldigung SRF, aber diese « Antwort » ist konfus. Sie « antworten » auf Punkte, die gar niemand aufgeworfen hat, man hat Sie nur gebeten, nachzugehen.