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Wenn Covid-19 den Boden unter den Füssen wegzieht: Ein Verein will Betroffene unterstützen
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 10.11.2020.
abspielen. Laufzeit 08:20 Minuten.
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Virus-Spätfolgen «Die Lunge erholt sich wohl nie mehr»: Corona-Erkrankte erzählen

Nach wie vor hat die grosse Mehrheit der Corona-Infizierten nur leichte Symptome. Doch auch ein milder Krankheitsverlauf ohne Spitalaufenthalt kann zu unangenehmen Nachwirkungen führen. Das schilderten sechs Betroffene, die im Frühjahr an Covid-19 erkrankt waren, im Juli 2020 gegenüber SRF News.

Nun – vier Monate später und insgesamt rund acht Monate nach ihrer Infektion – kämpft die Hälfte der sechs Genesenen noch immer mit den Folgen. Sie alle warnen davor, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen und appellieren an die Eigenverantwortung der Bevölkerung.

Eva Schaffner (51): «Die Luft bleibt für mich wohl dünner»

Schaffner lächelt in die Kamera.
Legende: Durch den Sauerstoffmangel ermüdet Eva Schaffner noch immer schnell. ZVG

Viele Leute können es kaum glauben, wenn ich erzähle, dass ich trotz mildem Krankheitsverlauf noch heute mit den Folgen meiner Corona-Infektion kämpfe. Ich habe mich von Spezialisten untersuchen lassen, weil ich auch Monate nach der Erkrankung starken Druck auf der Lunge hatte. Mittlerweile hat man festgestellt, dass mein Zwerchfell auf der rechten Seite gelähmt ist. Dadurch habe ich viel weniger Lungenvolumen und nicht genug Sauerstoffsättigung.

Menschen, die Corona noch immer negieren und Langzeitfolgen als «Fake» bezeichnen, machen mich sprachlos.
Autor: Eva Schaffnerhat noch immer Atemprobleme

Entsprechend bin ich oft müde und mein Schlafbedarf ist hoch. Dank zwei Asthma-Medikamenten komme ich heute besser durch den Tag. Zudem habe ich eine Lungen-Physiotherapie angefangen. Der Arzt sagt, dass sich das Zwerchfell in zwei Dritteln der Fälle nicht mehr erholt. Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen, dass die Luft für mich einfach etwas dünner ist.

Menschen, die Corona noch immer negieren und Langzeitfolgen als «Fake» bezeichnen, machen mich sprachlos.

Jakob Bächtold (44): «Meine Einstellung hat sich verändert»

Bächtold sitzt an einem Tisch und lächelt in die Kamera.
Legende: Jakob Bächtold sagt von sich, er sei seit seiner Infektion viel vorsichtiger geworden. ZVG

Ich erkrankte Mitte März gemeinsam mit meiner Frau und den drei Töchtern an Covid-19. Heute sind wir glücklicherweise alle wieder gesund und schätzen das sehr. Meine Frau verlor den Geruchs- und Geschmackssinn und es dauerte sechs Wochen, bis sie wieder etwas schmecken konnte. Ihr Geruchssinn ist noch nicht ganz zurückgekehrt.

Durch die Infektion hat sich meine Einstellung zu Corona stark verändert. Ich bin viel vorsichtiger geworden und habe grosses Verständnis für alle Einschränkungsmassnahmen. In den vergangenen zwei Wochen habe ich kaum das Haus verlassen, arbeite im Homeoffice und treffe weiterhin fast niemanden. Ich möchte diese unberechenbare Krankheit nicht nochmals durchmachen und wünsche es auch niemand anderem.

Anita Egger (55): «Corona schlägt mir aufs Gemüt»

Egger lächelt in die Kamera.
Legende: Die Coronakrise und die erfolglose Jobsuche empfindet Anita Egger als belastend. ZVG

Körperlich geht es mir heute wieder gut. Die angespannte Situation schlägt mir aber aufs Gemüt, meine Stimmung kippt sehr schnell. Ich habe kurz vor der Coronakrise meinen Job im Aussendienst verloren und noch immer nichts Neues gefunden. Das ist hart und setzt mir zu.

«Leben mit Corona» – der Verein

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Zur Unterstützung von Langzeiterkrankten und ihren Angehörigen wurde im September 2020 der Verein «Leben mit Corona» gegründet. Er will ihnen Informationen und Tipps für den Alltag bieten, sie in kritischen Lebenssituationen begleiten und ein Netzwerk für Betroffene schaffen.

Gegründet hat den Verein die 56-jährige Pflegefachfrau Constanze Jacke, die nach der schweren Covid-19-Erkrankung ihres Mannes Erfahrung und Wissen mit anderen Betroffenen teilen möchte. Der Verein hat bis jetzt 20 Mitglieder, weitere Informationen finden sich hier, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Ich bin vorsichtiger geworden und achte mehr als zuvor auf Handhygiene sowie Abstand halten. Wenn ich beim Einkaufen jemanden sehe, der die Maske falsch trägt, dann weise ich denjenigen darauf hin. Leider gibt es noch immer ein paar Unbelehrbare. Doch im Vergleich zum Frühjahr halten sich die Menschen heute besser an die Massnahmen. Vielleicht auch, weil das Virus näher kommt – im März war ich in meinem Umfeld praktisch die einzige Erkrankte, heute kennt jeder mindestens jemanden.

Lorenz Schmid (55): «Ich bin wieder kerngesund»

Schmid lächelt in die Kamera.
Legende: Lorenz Schmid hat nicht mit Corona-Folgen zu kämpfen und fühlt sich fit. ZVG

Ich merke von meiner Corona-Infektion acht Monate später nichts mehr und fühle mich kerngesund. Während der Infektion hatte ich hohes Fieber und Muskelschmerzen, vier Tage später war ich praktisch wieder symptomfrei. Auch die bleierne Müdigkeit, die mich danach begleitete, ist wieder verschwunden.

Meine Frau, die ehemalige CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer, hat jedoch noch immer zu kämpfen. Sie hatte im März eine Woche lang intensive Atembeschwerden. Heute ist sie gesund, doch ihr Geschmackssinn ist noch nicht wieder vollumfänglich zurückgekehrt.

Christina Krebs (61): «Ich leide unter Schlafapnoe und bleierner Müdigkeit»

Krebs lächelt in die Kamera.
Legende: Sie hat noch immer Schwindelanfälle und nutzt in der Nacht ein Atemgerät: Christina Krebs. ZVG

Ich habe viele Abklärungen bei Spezialisten hinter mir, denn obwohl die Infektion schon lange abgeklungen ist, sind meine Beschwerden geblieben. Bis heute leide ich unter bleierner Müdigkeit und Gleichgewichtsstörungen. Die Abstände zwischen meinen Schwindelanfällen werden grösser, aber es gibt immer noch schlimme Tage.

Welche Langzeitfolgen hat eine Covid-19-Erkrankung?

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Eine verlässliche Studie, die dazu Antworten liefern könnte, liegt noch nicht vor – doch mit den vermehrt auftretenden Fällen gewinnt das Thema an Gewicht. Mitte Oktober veröffentlichte das britische Institut für Gesundheitsforschung einen Standortbericht zum Thema «Long Covid», Link öffnet in einem neuen Fenster. Darin heisst es: «Es wird immer deutlicher, dass eine Covid-19-Infektion für manche Leute kein abschliessendes Ereignis ist, sondern den Beginn anhaltender und beeinträchtigender Symptome markiert.»

Eine der wenigen bereits veröffentlichten Studien zu Langzeitfolgen erfasste anhaltende Symptome von 143 Covid-19-Spitalpatienten in Rom, Italien, Link öffnet in einem neuen Fenster. Zwei Monate nach Krankheitsbeginn waren nur 13 Prozent der Befragten symptomfrei. 32 Prozent wurden von ein bis zwei Beschwerden geplagt, 55 Prozent litten unter mindestens drei Beschwerden: Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, sowie Brust- und Gelenkschmerzen.

Dass virale Erkrankungen Langzeitfolgen haben können, ist bekannt. Wie gross das Problem bei Covid-19 ist, ist Gegenstand laufender Forschung. Entsprechende Studien laufen unter anderem an der Universität Zürich, am CHUV Lausanne, am Unispital Basel und am Inselspital Bern.

Bei mir wurde eine zentrale Schlafapnoe diagnostiziert – das heisst, dass meine Atmung während des Schlafens kurzzeitig aussetzt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat das Coronavirus diese Beschwerden verursacht. Ich nutze zum Schlafen nun ein Atemgerät, das hilft. Ich gehe davon aus, dass es noch lange dauern wird, bis es mir wieder ganz gut geht. Wir wissen noch viel zu wenig über dieses Virus und die Schäden, die es verursachen kann.

Stefan Stäger (28): «Jeder soll sich an die Massnahmen halten»

Stäger lächelt in die Kamera.
Legende: Stefan Stäger nahm seine Corona-Erkrankung als sehr unberechenbar war. ZVG

Ich fühle mich wieder vollständig gesund und habe keine Beschwerden mehr. Dennoch hat mich die Heftigkeit erstaunt, mit der ich an Covid-19 erkrankt war. Eigentlich bin ich nur selten krank, jung und fit. Im April befielen mich Schüttelfrost, Appetitlosigkeit und Fieber, zudem war ich müde und verlor den Geschmackssinn.

Genauso plötzlich, wie es gekommen war, war der Spuk wieder vorbei. Die Symptome hörten auf und der Geschmackssinn kam relativ schnell zurück. Nach drei Wochen ging ich wieder zur Arbeit. Meine Freundin, die gleichzeitig wie ich positiv auf Corona getestet wurde, hatte keinerlei Symptome. Ich finde es enorm wichtig, dass sich weiterhin jeder an die verordneten Massnahmen hält. Eine Ansteckung ist jederzeit möglich.

Tagesschau, 17.11.2020, 19:30 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Sie alle warnen davor, die Krankheit auf die leichte Schulter zu nehmen und appellieren an die Eigenverantwortung der Bevölkerung." Bin nicht überzeugt, dass sich die Corona-Lügner davon beeindrucken lassen. Sie müssen wohl zuerst am eigenen Leib eine negative Erfahrung machen, bevor die Einsicht kommt. Leider.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Meine Frau und ich waren bei den Ersten mit Covid... Sie hatte einen milden Verlauf, hat aber nach 7 Monaten immer noch Geschmackstoerungen.. Ich hatte ebenfals einen relativ milden Verlauf , aber seither hat mein Rheumaschmerz massive zugenommen.. Nun, wenigstens haben wir Antikoerper entwickelt.. das wird uns uU fuer die naechste Zeit schuetzen...
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  • Kommentar von Jens Hafner  (Jens Hafner)
    Man darf die Hoffnung nie aufgeben. Allerdings nötigt das zu einer sehr gesunden Lebesnführung. Es gibt offiziell einen Zusammenhang zwischen Feinstaub in der Lebensumwelt und der Intensität der Corona-Erkrankung. Das wusste man übrigens schon in diesem Frühjahr, da im chinesichen Wuhan, wo der Virus zuerst epidemisch wurde, eine enorme Schadstoffbelastung der Luft vorliegt. Ich bekam mit 35 eine Lungenentzündung nach zuviel Radsport am Zürichsee. Es dauerte zwei Jahre, bis ich wieder fit war
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