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Jura: Das Problem mit den Borkenkäfern hat sich in der Coronakrise vergrössert
Aus HeuteMorgen vom 10.06.2020.
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Wälder im Kanton Jura Corona verschärft das Borkenkäfer-Problem

Borkenkäfer sind im Kanton Jura zunehmend ein Problem. Die Corona-Pandemie hat die Situation nun noch verschlimmert.

Die Situation sei alarmierend, sagen die jurassischen Behörden: Geschätzte rund 50'000 Kubikmeter Nadelwald seien vom Borkenkäfer befallen. Nun müssen die Bäume schnell gefällt und entfernt werden – als einzige hilfreiche Massnahme. Doch das Volumen ist so gross wie noch nie und entspricht der Holzmenge, die sonst in einem ganzen Jahr gefällt wird.

Verantwortlich für den Unterhalt der Wälder sind die Besitzer, meist die Gemeinden. Neu kommt dazu, dass diese ein grosses Geldproblem haben. Denn bisher finanzierten sie Baumrodungen mehrheitlich mit dem Verkauf des Holzes an Sägereien, doch wegen der Corona-Pandemie standen die meisten Sägewerke während zweier Monaten still. Und auch jetzt kommen sie nur langsam auf Touren.

Stapel mit geschlagenen Holzstämmen
Legende: Abnehmer für Holz sind zurzeit schwer zu finden. Keystone

Jura-Landschaften bedroht

Die Waldbesitzer finden deshalb kaum Abnehmer für das Holz. Patrice Eschmann, Verantwortlicher beim jurassischen Amt für Umwelt, spricht im Westschweizer Fernsehen von einer wirtschaftlichen Katastrophe, die die typischen Jura-Landschaften bedrohe.

Der Kanton greife den Gemeinden finanziell zwar unter die Arme, müsse sich aber in erster Linie auf Waldbestände mit Schutzfunktionen konzentrieren, so Eschmann. In ganzen Waldabschnitten sei es unausweichlich, tote und dürre Fichten einfach stehenzulassen, was wiederum die Verbreitung der Borkenkäfer begünstigt.

Nicht erst seit Corona ein Problem

Gekommen sind die Borkenkäfer allerdings nicht erst mit dem Coronavirus. Die letzten heissen und trockenen Sommer sowie Winterstürme sorgten schon vorher dafür, dass sie sich rapide vermehrt hatten.

Borkenkäfer fressen sich ins Holz
Legende: Borkenkäfer bedrohen die jurassischen Wälder. Keystone

Klimatische Veränderungen führten ohnehin dazu, darüber nachzudenken, wie die Wälder in Zukunft aussehen sollen, das ist für Melanie Oriet, Verantwortliche Wald beim jurassischen Amt für Umwelt, klar. Und man werde sich auch im Jura daran gewöhnen müssen, nicht mehr nur reine Nadelwälder, sondern sogenannte Mischwälder zu sehen.

Dieser Prozess werde durch die wirtschaftliche Krise wegen Corona beschleunigt, so Oriet weiter. Doch die jurassischen Behörden versichern: Obwohl es immer weniger Tannen und Fichten gebe, würden sie alles daran setzen, dass die bewaldeten Weiden nicht ganz verschwinden. Schliesslich gehören diese zum typischen Bild des Kantons.

Video
Aus dem Archiv: Borkenkäferholz überschwemmt den Markt
Aus Schweiz aktuell vom 16.07.2019.
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Heute Morgen, 10.6.2020, 6:00 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Thomet  (UTW)
    Das Nadelholz wurde zu einer Zeit angepflanzt, als es einen grossen Inlandbedarf für Bau- und Papierholz gab. Laubholz ist dafür ungeeignet. Der heutige Bedarf beschränkt sich auf Bauholz, das aber durch Billigimporte konkurrenziert, kaum mehr kostendeckend verkauft werden kann.
    Letztes Jahr hat der Preis für Käferholz (Export) die Erntekosten nicht gedeckt. Daran ist nicht Corona Schuld.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Wurden denn die jurasser Fichten gepflanzt? Dachte, das reiche dort vom Buchen-Hallenwald bis hin zu wechselfeuchten Bergahornwäldern und Kiefern auf den Graten. Das Landschaftsbild nähme doch jedenfalls keinen Schaden, wenn sich endlich wieder der natürliche Bewuchs ausbreiten dürfte - wenn möglich extensiv bewirtschaftete Weideflächen inklusiv?
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  • Kommentar von Günter Rieker  (guedi)
    Vor rund 1000 Jahren war unser Mittelland mit Laubbaumwälern bedeckt. Nadelbäume gab es vor allem in höheren Lagen. Dann hat der Mensch angefangen Nadelbäume im Unterland zu pflanzen (schnelleres Wachstum). Das ist jetzt hunderte Jahre gut gegangen. Aber mit der heutigen Bewirtschaftung der Wälder, die keine Rücksicht auf Nützlinge nimmt, gewürzt mit etwas Klimaveränderung ist das Fass übergelaufen.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die Borkenkäfer sind doch schon ewig ein Thema, die Waldbewirtschaftung vermutlich sehr unterschiedlich naturnah, je nach Vorliebe des Försters, grosse Fichten-Monokulturen aber sicher die Ausnahme, falls überhaupt noch angelegt. Kennt sich da jemand aus?
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