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Waffenexporte florieren Schweiz führt doppelt soviel Kriegsmaterial aus

  • Schweizer Unternehmen haben im ersten Halbjahr Kriegsmaterial im Wert von 501 Millionen Franken exportiert – fast doppelt so viel wie in der Vorjahresperiode.
  • Dabei machten Panzer und andere Fahrzeuge den grössten Teil aus.
  • Die grössten Abnehmer waren Indonesien, Dänemark und Botswana.

In der entsprechenden Vorjahresperiode war mit 273 Millionen Franken gerade einmal gut die Hälfte dieses Volumens ausgeliefert worden. Ein solcher Sprung sei nicht aussergewöhnlich, heisst es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Kriegsmaterialexporte seien generell Schwankungen unterworfen: Grosse Geschäfte mit einem hohen finanziellen Umfang könnten einzelne Quartale stark beeinflussen und fehlten dann im nächsten Quartal.

Waffen in 55 Staaten exportiert

Insgesamt sind bisher aktuell 55 Staaten auf der Liste der Exportländer. Aufgeführt sind die Länder, in dem die Waren «verwendet oder vor einer allfälligen Wiederausfuhr verarbeitet, veredelt oder sonst wie verarbeitet wird», wie das Seco festhält.

Soldaten in Panzern bei Waffenparade in Jakarta
Legende: Der grösste Importeur von Schweizer Kriegsmaterial ist dieses Jahr bisher Indonesien. Reuters

Flugabwehrsysteme und Panzer sind dabei die zwei Hauptposten: Der absolut grösste Importeur von Schweizer Kriegsmaterial ist dieses Jahr bisher Indonesien mit gut 110 Millionen Franken (für Flugabwehrsysteme). Aber auch Botswana im südlichen Afrika fällt mit gut 64 Millionen Franken (für gepanzerte Fahrzeuge) auf.

Dänemark importiert für 80 Millionen Franken

Bei den europäischen Abnehmern führt Dänemark die Liste an. Rund 80 Millionen Franken hat der Staat für gepanzerte Fahrzeuge ausgegeben. Auf dem zweiten Platz folgt Rumänien mit einem Exportwert von knapp 58 Millionen Franken. In diesen Staat wurden ebenfalls gepanzerte Fahrzeuge geliefert.

Deutschland importiert für gut 50 Millionen Franken Munition, verschiedene Einzelteile und Baugruppen zu Kanonen und gepanzerten Fahrzeugen sowie Hand- und Faustfeuerwaffen.

Kritik für Exporte in gebeutelte Kriegsländer

Unverständnis kommt von der Gruppe Schweiz ohne Armee (Gsoa) und dem Hilfswerk Terre des hommes. «Die deutliche Zunahme ist nicht nur schockierend in Bezug auf die internationale Rolle der Schweiz, sondern auch in Bezug auf das Verhalten der Rüstungsindustrie», schreibt die Gsoa in einer Mitteilung. Seit Jahren klage die Rüstungsindustrie darüber, wirtschaftlich zu leiden, um eine Lockerung der Exportkriterien zu erreichen. Doch es scheine ihr «blendend» zu gehen.

Wie bereits seit mehreren Jahren versorge die Schweiz die kriegführenden Länder im Jemen-Krieg weiterhin mit Kriegsmaterial. So seien Waffen im Gesamtwert von fast 5 Millionen Franken nach Saudi-Arabien, an die Vereinigten Arabischen Emirate sowie nach Katar und Bahrain exportiert worden.

SRF 4 News; 14.7.20; 19 Uhr;

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97 Kommentare

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  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    "Die Neutralität ist einer der wichtigsten Grundsätze der Aussenpolitik der Schweiz. Sie bedeutet, dass sich die Schweiz nicht an bewaffneten Konflikten zwischen anderen Staaten beteiligt" Quelle Wiki

    Der Begriff Neutralität wurde durch die Schweiz dank der Bürgerlichen in letzten Jahrzehnten bis zur Unkenntlichkeit missbraucht, . Heute ist die CH an einem Punkt an dem praktisch kein Unterschied zu einem anderen kleineren westlichen Land besteht, außer das man nicht Mitglied der NATO ist.
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  • Kommentar von Emil Brand  ((Inkognito))
    Hier noch die Exporte in globaler Sicht.

    In den Jahren von 2015 bis 2019 war der Waffenexport SIPRI zufolge aufgeteilt auf folgende Staaten: USA (36 %), Russland (21 %), Frankreich (7,9 %), Deutschland (5,8 %) und China (5,5 %), Vereinigtes Königreich (3,7 %), Spanien (3,1 %), Israel (3 %), Italien (2,1 %), Südkorea (2,1 %); Sonstige Länder: (9,6 %)

    Quelle Wikipedia.
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    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      Ja, das habe ich auch nachgelesen. Allerdings was wollen Sie uns sagen? Sprich: wenn ein Land mehr Waffen exportiert und damit Menschen getötet werden können, dann ist es schlimmer, als ein Opfer, dass durch eine Waffe stirbt, dass von einem Land mit weniger "Exportleistung" verkauft wurde? Sorry für den langen Satz...
      ;-)
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  • Kommentar von Andreas-David Balzer  (Davidshalom)
    Die Schweiz geht mit Ihrer angeblichen Neutralität über Menschenleben!
    Herzlichen Glückwunsch, liebe Schweizer und Schweizerinnen, zu dieser perfekt inszenierten Doppelmoral! Und danke an all die Schweizer und Schweizerinnen die genauso entsetzt über diese Waffengeschäfte sind, die von einem neutralen Boden aus dann doch in den Empfängerländern zu Tod und Elend führen. Es ist ein KREUZ mit der Schweiz!
    Was würde wohl der zu den Geschäften sagen, der an dieses Kreuz genagelt wurde?!
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andreas-David Balzer: Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz bedeutet Neutralität "Nichtbeteiligung eines Staats an einem Krieg anderer Staaten". Die Schweiz hat die Neutralität nicht erfunden. Vom Wiener Kongress wurde die immerwährende Neutralität der Schweiz 1815 völkerrechtlich anerkannt. Aber ein Verteidigungskrieg ist auch einem neutralen Land erlaubt, in gewissen Fällen ist es sogar dazu verpflichtet. Wo leiten Sie aus dieser Definition einen Zusammenhang zum Waffenexport ab?
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    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      A-D Balzer was meinen Sie zu der Entwicklungshilfe, wo die Schweiz nun wirklich nicht kleinlich ist? Wo ja auch Christliche Organisationen mithelfen. Sind Sie der Meinung, wenn man der Schweiz die Waffentransporte verbietet, dass es nirgendwo mehr Waffenhersteller gibt? Mich würde eher der hauptsächliche Grund, zur Aufrüstung der Militärischen Ausrüstungen Weltweit interessieren. Wer sind die Kriegstreiber? Kann man dazu wirklich die Schweiz sicher auch, aber nicht nur verantwortlich machen?
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    3. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      Hr. Leu: wenn jemand eine Waffe exportiert, mit denen in einem Konflikt Menschen getötet werden, dann beeinflusst man den Verlauf eines möglichen Konfliktes und ist indirekt am Tod eines Menschen beteiligt. So sehe ich das! Damit habe ich indirekt Partei ergriffen. So what?!
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    4. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      Frau Artho: korrekt: nicht direkt verantwortlich, durchaus beteiligt. Exportierte Waffen können auch Kriegstreibern helfen. Heute mag ein Land friedlich sich zeigen; aber ist es morgen noch so? Wir sind weltweit wieder am Aufrüsten; zwischen China & den USA zeichnet sich ein neuer, zukünftiger Kalter Krieg ab. Wollen wir uns alle daran beteiligen? Eines hat z. B. die letztbesagte Eskalation für sich: Europa+Schweiz müssen sich früher oder später entscheiden. Besser wäre: je früher, je besser...
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    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andre Mahr: Das ist Ihre subjektive Meinung. Aber man kann das nicht mit der Neutralität verknüpfen, sonst kann man am Ende nichts mehr tun, denn man verärgert immer jemanden mit jedem Vertrag, auch wirtschaftliche Verträge, den man abschliesst. Also ab ins Schneckenhaus.
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