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SVP fordert Massnahmen gegen «links-grünen Schmarotzer-Städte»
Aus Tagesschau vom 09.09.2021.
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Wahlkampfstrategie Links-grüne Städte: Das neue SVP-Feindbild könnte ziehen

In den letzten Wahlkampf zog die wählerstärkste Partei der Schweiz mit Würmern. Doch die grosse Aufmerksamkeit blieb aus. Das Sujet mit dem zerfressenen Apfel bewegte die Gemüter wenig.

Dieses Mal ist es anders: Mehr als zwei Jahre vor den nächsten nationalen Wahlen entdeckte die Volkspartei in diesem Sommer ein neues Feindbild: das der links-grünen Städter, die angeblich das Land «bevormunden» wollten.

Die Faktenlage ist zweitrangig

Keine grosse Zeitung, die nicht über Marco Chiesas Brandrede gegen die Städte am 1. August schrieb. Die Rechnung des neuen Parteipräsidenten ging auf. Der Stadt-Land-Graben ist in aller Munde, der Wahlkampf voll lanciert.

Es spielt dabei gar keine grosse Rolle, ob die Faktenlage stimmt oder nicht. Der Stadt-Land-Graben lässt sich emotional bewirtschaften, nur das zählt. Das Städte-Bashing scheint einen Nerv zu treffen.

Heute legte die SVP nach und versuchte mit eigenen Berechnungen zu «beweisen», dass es eine heimliche Umverteilung von der «fleissigen» Agglo- und Landbevölkerung an die «verschwenderischen» Städter gebe.

Städte zahlen viel Steuern

Wobei einiges gegen diese These spricht: Laut Bundesamt für Statistik zahlen die Städte 77 Prozent der Bundessteuern. Und gemäss einer Ecoplan-Studie bleibt den Städten von einem bezahlten Steuerfranken nur ein Drittel. Zwei Drittel gehen über Transferzahlungen an Bund und Kantone.

Mit dem einflussreichen Ständerat und dem Ständemehr sitzt die ländliche Bevölkerung auch politisch oft am längeren Hebel. Am letzten Abstimmungssonntag hat sich das Land gleich dreimal durchgesetzt, mit dem Nein zum CO2-Gesetz und den beiden Agrarinitiativen.

Das Feindbild des Stadtmenschen sieht Politgeograf Michael Hermann eher als Symbol für eine politische Ausrichtung, die der SVP nicht passt. Die Klischee-Städterin ist gesellschaftlich progressiv, kämpft gegen Autos und für mehr Platz für Velos, spricht eine gendergerechte Sprache und ist womöglich sogar noch für den EU-Beitritt.

SVP trifft einen Nerv

Auf dem Land könnte die SVP mit ihrem neuen Feindbild durchaus punkten. Dort versteht man die Politik von Teilen der Stadtbevölkerung möglicherweise tatsächlich immer weniger. Bei den letzten Volksabstimmungen wurde der Graben zwischen Stadt und Land etwas tiefer. Die Hoffnung der SVP: Die Landbevölkerung auch an den nationalen Wahlen so stark mobilisieren zu können wie am letzten Abstimmungssonntag.

Das Feindbild des linken Stadtmenschen hat aber auch seine Grenzen. So fremd sind sich Stadt und Land dann doch nicht. Die Lebens- und Arbeitsräume in der Stadt und auf dem Land verschmelzen immer stärker. Auch auf dem Land ticken viele politisch Interessierte «urban». Und in den Städten gibt es nicht wenige Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die ländlich-konservativ denken. Der Graben ist nicht so tief, wie das die SVP darstellt.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

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162 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    und es soll so weiter gehen. Mit Stimmrechtsalter 16, Stimm-/Wahlrecht für Nicht-Eingebürgerte ... diese Tun ist entschlossen Einhalt zu gebieten
    1. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      ... was mit den Kantonen Uri und Solothurn jetzt aber gerade ländliche Kantone anstreben ;-)
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Ihre Polemik gegen Rot-Grün zeugt davon, dass Sie menschliche Werte wie etwas mehr soziale Gerechtigkeit, Bewahrung „Schwächerer“ in der Gesellschaft und Sorge tragen zur Natur nicht hochhalten. Ihre obersten „Werte“ scheinen Geld und Rendite zu sein, auch wenn neben Ihnen viel Lebendiges darunter leidet.
    3. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Entschuldigung, Herr Flueckiger, hier kommt ein von mir falsch platzierter Kommentar.
    4. Antwort von Corinne Berthier  (Berthier)
      "Ihre Polemik gegen Rot-Grün zeugt davon, dass Sie menschliche Werte wie etwas mehr soziale Gerechtigkeit, Bewahrung „Schwächerer“" Und Ihre dauernde Polemik gegen die SVP und Bürgerlich zeigt, dass Sie nicht für menschliche Werte wie der Respekt gegenüber Andersdenkende einstehen
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Ich sehe durchaus Wahrheit in diesem Thema, das die SVP hier aufgreift:
    Der Links-Grüne Wahn zur Wertegemeinschaft ihrer alleinigen Vorstellung und universellen Wahrheit kennt keine Grenzen. - Den Rest versucht man weg zu canceln oder hält sich dafür darüber zu stehen.
    Ich kann mit nur die Augen reiben, ob der aggressiven politischen Agenda der Links-Grünen Städte, die dann jedoch für ALLE gelten soll.
    1. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      Die politische Mehrheit bestimmt immer den Weg für alle. Und das passt den Bewohner:innen der Städte auch und sie wählen diese Regierungen in den Städten. Dies weil sie Grünflächen, Alleen, Pärke, Begegnungszonen mit Restaurants und lokalen Geschäften, Märkten und ÖV, Fuss- und Veloverkehr fördern. Dies attraktive Quartiergestaltung steigert die Lebensqualität in den Städten für Einwohner:innen und für Gäste und Pendler. Zudem schaffen sie damit u.a. auch Grundlagen für eine CO2-Reduktion.
    2. Antwort von Stefan Stöckli  (irgendeiner)
      Ich teile ihre Meinung ebenso wenig.
    3. Antwort von Lutz Bernhardt  (lb)
      @Sancho Brochella. Es sieht so aus als hätten Sie echte Demokratie nicht verstanden. Dabei werden immer die Rechte von Minderheiten respektiert. Oder sollten wir alle Ausländer aus der Schweiz hinauswerfen, weil mehr als 50% dies wollen? Oder wieder alle alle Homosexuellen einsperren, aus dem gleichen Grund?
    4. Antwort von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
      trefflich gesagt, genau so ist es
    5. Antwort von Sancho Brochella  (warum?)
      @lb: Ich denke, Sie wissen, dass es nicht so gemeint ist. Jedenfalls gefällt der Mehrheit, der in der Stadt lebenden Bevölkerung, die städtische Politik mit oben ausgeführten ökologischen und sozialen Aufwertungen. Deshalb wählen sie mehrheitlich entsprechend. Zudem sehe ich nicht, wo das der ländlichen Bevölkerung zum Nachteil gereichen sollte. Auch Pendler:innen und Stadtausflügler:innen profitieren von schönen und fussgängerfreundlichen Städten mit guter ÖV-Anbindung und Park&Ride-Angeboten.
  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    Ich empfinde dies als billigsten Populismus seitens der SVP. Ich reibe mir verwundert die Augen und frage mich, ob diese Partei intellektuell mit tatsächlichen Problemen, von denen es in der Schweiz genug gibt, überfordert ist, da sie ein solches Ausweichmanöver einschlägt?
    1. Antwort von Matt Frei  (sense against mainstream)
      @Hoss
      Ich teile Ihre Einschätzung nicht: Ich reibe mir viel eher die Augen, ob der extremen Umgestaltung der Gesellschaft durch SP und Grüne ausgehend vom Biotop der Städte.
    2. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr Frei , die Gesellschaft wurde schon immer umgestaltet. Vor 100 Jahren war es legitim mal einen Krieg zu führen. Vor 80 Jahren gab es noch keine Rente. Vor 50 Jahren war es noch verboten, das Mann und Frau unverheiratet zusammen wohnten. Homosexualität galt als Krankheit und die Frauen hatten noch kein Stimmrecht. Der Umweltschutz war noch gar kein Thema. Die Veränderungen kamen immer von links Darum ist dieses Biotop auch gar nicht so schlecht
    3. Antwort von Ernst Siegenthaler  (Sigi1)
      Absolut ihrer Meinung. Populismus ist seit Blocher die Partei übernommen hat immer die Strategie - Lösungsansätze nie. Ich komme aus dem ländlichen Thurgau (SVP-Kanton), aber mein Voten zu den Sachgeschäften basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und widersprechen der SVP meistens. So werde ich es auch in Zukunft halten. SVP wählen geht so für mich natürlich auch nicht.
    4. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Hoss, Herr Frei betreibt genau das, was Sie zurecht an der SVP bemängeln….
    5. Antwort von Corinne Berthier  (Berthier)
      Nein. Sie von Känel betreiben genau das, was Sie dauernd der SVP vorwerfen