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Wahlparolen am Kirchenturm Wie politisch sollen Kirchen im Abstimmungskampf sein?

Nicht nur das Bundesgericht, auch Kleriker treibt die Frage um: Wie stark sollten Kirchen in Zukunft Position beziehen?

Katholische und reformierte Kirchgemeinden legten sich im vergangenen Herbst für die Konzernverantwortungs-Initiative (KVI) ins Zeug. Das hat nicht allen gefallen. Die Kritik: Landeskirchen, die mit Steuergeldern finanziert seien, hätten sich politisch zurückzuhalten.

Das Bundesgericht hat sich unterdessen mit der Frage beschäftigt, ob Kirchen politisieren dürfen oder nicht – dies aber offen gelassen. Entsprechende Stimmrechtsbeschwerden der Jungliberalen wurden abgeschrieben, weil die Initative abgelehnt worden ist.

Wie weit sich Kirchen für ein politisches Thema engagieren dürfen oder sollen bleibt ein umstrittenes Thema – auch hinsichtlich künftiger Abstimmungsvorlagen.

Positionieren, aber ohne Parolen

So vehement wie für die KVI hatten sich die Kirchen kaum je engagiert. Vielerorts sah man Werbebanner an Kirchtürmen. Nach dem Entscheid des Bundesgerichts bleiben so deutliche Positionsbezüge auch künftig möglich.

Zum Glück, findet man bei der katholischen Landeskirche des Kantons Thurgau. Doch Generalsekretär Urs Brosi plädiert für mehr Zurückhaltung.

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Urs Brosi: «Die Eigendynamik ist zu stark geworden»
Aus News-Clip vom 11.04.2021.
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«Das heisst, das wir Güter und Übel abwägen und versuchen, klar zu machen wie wir zu unseren Positionen kommen.» Wichtig sei ihm, dass sie nicht zu stark in Schlagworte und Parolen abdriften. «Ich glaube, das Engagement bei der Konzerverantwortungsinitiaive hat eine Eigendynamik bekommen, die etwas zu stark geworden ist.»

Pfarrer: «Nochmals alles gleich machen»

Auch der Turm der reformierten Pauluskirche in der Stadt Bern war zu einem Symbolbild des kirchlichen Abstimmungskampfes geworden. Pfarrer Uli Geisler findet auch im Rückblick, dass alles richtig war.

Das Thema hat bei uns eine jahrzehntelange Geschichte.
Autor: Uli GeislerPfarrer

«Ich würde es genau gleich machen, und zwar auch auf dem Hintergrund, dass das Thema bei uns eine jahrzehntelange Geschichte hat.»

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Uli Geisler: «Ich würde es genau so nochmals machen»
Aus News-Clip vom 11.04.2021.
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In der Kirchgemeinde und im Team sei man sich völlig einer Meinung gewesen. «Das ist für mich eigentlich die Voraussetzung, dass man sowas machen kann. Wenn das wieder gegeben ist, würde ich es genau so nochmals machen.»

Andersdenkende im Abseits

«Natürlich sollte die Kirche allen Menschen eine Heimat bieten», findet Pfarrer Geisler, «auch in Bezug auf ihr Seelenheil und ihren Fragen nach dem alltäglichen Leben.» Gleichzeitig müsse die Kirche den Leuten aber auch klar sagen, wo sie in bestimmten gesellschaftspolitischen Fragen stünden.

Kirchturm mit Regenbogen im Hintergrund
Legende: Auch im Hinblick künftiger Abstimmungen – wie der Ehe für alle – stellt sich die Frage nach Haltung und politischem Engagement der Kirchen. Keystone

Doch läuft eine Kirche mit so klaren politische Positionen nicht Gefahr, dass sich Andersdenkende von ihr abwenden? Ein Thema wie die Ehe für homosexuelle Paare zum Beispiel, die schon bald vors Volk kommen könnte, polarisiert.

Dies ist gerade für die katholische Kirche ein eher schwieriges Thema. «Hier ist die Bischofskonferenz aufgrund ihrer lehramtlichen Bindung klar in einer Abwehrposition», sagt Urs Brosi. Während der Grossteil der kirchlichen Basis - auch in der katholischen Kirche - dies heutzutage unterstütze. «Das wird dazu führen, dass wir uns eher zurückhalten werden.

Ob sich Kirchen vor Abstimmungen engagieren dürfen - das Bundesgericht will erst darüber urteilen, falls ein entsprechendes Engagement einmal den Ausgang eine Abstimmung beeinflusst hat.

Tagesschau; 11.4.2021; 19:30 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Die Kirchen sollten sich aus der Politik raushalten. Die Gründe für die vielen Kirchenaustritte ist Hausgemacht.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Wir haben hier in der Schweiz die freie Meinungsäusserung, warum darf dies nicht auch für Kirchenleute gelten?
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Kirchen sollen durchaus ihre Meinung äussern. Allerdings halte ich es für heikel, wenn sie gleich ganze Kampagnen mitführen und mitfinanzieren. Bei der KVI gingen sie weit über das hinaus. Insbesondere die Finanzierung einer solchen Kampagne und von Kampagnenarbeitern, die selber antikirchlich eingestellt sind, ist zu hinterfragen. Wer von Moral und Ethik spricht, kann nicht gleichzeitig den Zweck die Mittel heiligen lassen.
  • Kommentar von Urs Heinimann  (uh4000)
    Parteiparolen sind für mich nicht entscheidend, um meine Meinung zu bilden. Ich analysiere die Fakten und entscheide mich, manchmal rechts, manchmal links für die in meinen Augen bessere Alternative. Dass die Kirche mir nun eine politische Meinung vorschreiben will, finde ich voll daneben und bin konsequenterweise aus der Kirche ausgetreten.