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Radikaler Umbau zugunsten des Klimas
Aus Rendez-vous vom 25.05.2020.
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Zweifel an der Umsetzbarkeit Flugverbote und Solarpflicht: Das sind die Pläne der Klimajugend

Seit Corona ist es still geworden um die Klimajugend. Nun meldet sie sich zurück. Mit radikalen Forderungen. Selbst Politiker mit Verständnis für Umweltanliegen sind wenig begeistert.

Mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft und dem Ausstieg aus dem Shutdown nach der Corona-Pandemie würden jetzt politische Entscheide gefällt, die auch für das Klima von grösster Wichtigkeit seien, sagt Aktivist Jonas Kampus. «Wir fordern, dass die beiden Krisen gemeinsam angegangen werden. Wir haben nicht die Ressourcen, sie getrennt zu behandeln.»

Kampus (Mitte)
Legende: Jonas Kampus sagt, die Bewältigung der Corona- und der Klimakrise müsse man zusammen angehen. Keystone

Das Ziel: Den CO2-Ausstoss der Schweiz bis 2030 auf netto Null zu senken – das ist 20 Jahre früher, als es der Bund vorsieht. Die jungen Klimaaktivistinnen und -aktivisten schlagen dazu 17 Massnahmen, Link öffnet in einem neuen Fenster vor.

Ansetzen wollen sie etwa beim Verkehr: So fordern sie ein Verbot von Passagier- und Transportflügen innerhalb Europas, Emissionsobergrenzen für die Luftfahrt und autofreie Städte. Weitere Forderungen sind etwa eine Solarpflicht oder die Einführung der 32-Stundenwoche bei gleichem Lohn.

Wissenschaft versus Machbarkeit

Finanzieren könnte man das laut Kampus zum Beispiel mit der Besteuerung fossiler Energien. Ein radikaler Wirtschafts- und Gesellschaftsumbau zugunsten des Klimas – ein utopischer Wunschkatalog oder umsetzbar?

Die Aktivistinnen und Aktivisten würden die Finger auf die wunden Punkte legen, sagt Klimaforscher Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Denn die Schweiz sei nicht auf Kurs, was die Senkung des CO2-Ausstosses betreffe, auch nicht mit der aktuellen Revision des CO2-Gesetzes. «Es ist berechtigt, dass der Aktionsplan mehr fordert. Denn die CO2-Emissionen müssen deutlich schneller runter, als sie es jetzt tun», so Knutti.

Knutti
Legende: Reto Knutti von der ETH attestiert dem Aktionsplan eine Dringlichkeit, doch ist er umsetzbar? Keystone

«Der Plan zeigt auch die richtigen Punkte auf, etwa beim Strassenverkehr und bei den Flugreisen. Aber auch die Frage, wie wir die Konjunkturprogramme nach Corona ausgestalten, ist entscheidend», so der Professor weiter. Bloss: Die wissenschaftliche Evidenz und die politische Machbarkeit seien zwei verschiedene Dinge: «Natürlich werden die Massnahmen in dieser direkten Form, in der sie gefordert werden, schwer umsetzbar sein.»

Gegenwind aus dem Parlament

Ähnlich klingt es in der Politik. Zum Beispiel bei Jürg Grossen, Parteipräsident der Grünliberalen und Nationalrat. Er hat viel Verständnis für die Anliegen der Klimajugend. Doch: «Die ganze Sache sollte nicht gegen die Wirtschaft, sondern mit der Wirtschaft umgesetzt werden, sonst scheitern wir auf jeden Fall», warnt er. Ihm persönlich geht das Flugreiseverbot in Europa zu weit.

Realpolitisch sehe ich für das Papier null Chancen.
Autor: Damian MüllerFDP-Ständerat

FDP-Ständerat Damian Müller kann die Grundanliegen der Klimajugend ebenfalls nachvollziehen. Aber die vorgeschlagene Art der Umsetzung lehnt er ab: «Realpolitisch sehe ich für das Papier null Chancen.»

Vielmehr müsse das CO2-Gesetz im Sommer verabschiedet und dann umgesetzt werden, so Müller. Denn nur so liessen sich Bevölkerung und Wirtschaft beim Klimaschutz einbinden – ohne Verbotskultur.

Die Realpolitik lässt die Klimajugend also abblitzen. Doch die Aktivistinnen und Aktivisten wollen weitermachen. Vorerst im Netz und so bald wie möglich auch wieder auf der Strasse.

Rendez-vous, 25.05.2020, 12:30 Uhr

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102 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Was mich wundert ist dass man nirgends erwähnt dass pro Jahr 14 x die Fläche Deutschlands an Wald verschwindet (weltweit). Immer mehr Zuwanderung braucht Infrastruktur und dazu gehören nicht nur Häuser. Die Versieglung von Flächen ist der Haupttreiber von globaler Erwärmung, das passt aber auch dem Professor nicht ins Bild.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Klaus KREUTER: Der Professor weiss das! Aber was soll er jetzt sagen? Reduziert die Weltbevölkerung, damit wir keine Flächen mehr verbauen müssen. Wie wollen Sie so eine Forderung konkret umsetzen? Machen Sie Vorschläge.
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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Greta Thunberg sagte einmal sinngemäß, es könne nicht Aufgabe der Jugend sein, Lösungen zu finden. Sie selbst hat sich darauf beschränkt, meiner Generation die Leviten zu lesen ("how dare you!"): Dafür bin ich ihr sehr dankbar!

    Das Erarbeiten von Lösungen ist die Aufgabe der Fachleute im Alter von 25 bis 70 Jahren. Ich kenne genug Kolleginnen und Kollegen, die ihr ganzes Berufsleben dieser Aufgabe gewidmet haben – sprecht mit diesen! Von mir werdet ihr im Laufe des Sommers hören, versprochen.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Max Blatter: Die Lösungen sind längst erarbeitet. Dazu braucht es wirklich keine Klimajugend. Aber es braucht die Klimajugend um den Politikern ein wenig Feuer unter dem H. zu machen, damit sie vorwärts machen. Es geht alles zu langsam in Anbetracht der jährlich ansteigenden Durchschnittstemperaturen mit all den Folgen, wie Nahrungsmittelprobleme etc.
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Besteuerung von Europaflügen warum nicht. Es wäre angenehmer wenn weniger Billigflieger, die Flugzeuge und Flughäfen verstopfen würden. Mehr Solarpanels, warum nicht, wenn es sich wirtschaftlich lohnt und die Energieeffizienz gegeben ist - was heute in den meisten Fällen nur über Subventionen aus dem Steuergeld möglich ist - so also eher nicht. 32 Stunden arbeiten bei gleichem Lohn, gehört wohl eher in die Fünfer und Wegglimentalität fauler Millenials. Finanzieren lassen wird sich sowas nicht!
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