Zum Inhalt springen

Header

Audio
EasyJet: An Geld verdienen ist derzeit nicht zu denken
Aus Echo der Zeit vom 21.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
Inhalt

Coronakrise Es sind düstere Zeiten – auch für Easyjet

Weniger Flüge und weniger Stellen: Ein Gespräch mit Easyjet-Europachef Thomas Haagensen über die aktuelle Situation.

Die Flugzeuge von Easyjet standen während fast drei Monaten am Boden. Mitte Juni ging der Flugbetrieb zwar wieder los, er sei aber bis heute nicht richtig in Schwung gekommen, sagt Thomas Haagensen, der Chef von Easyjet Schweiz: «Es gibt den Willen, wieder zu reisen. Unsere Kunden buchen auch schon für nächsten Sommer. Aber kurzfristig ist die Nachfrage – besonders für Länder, die auf der Quarantäneliste sind – nicht sehr gross.»

Und nun kommen Herbst und Winter, das sind grundsätzlich harte Monate. Auch zu normalen Zeiten wird dann wenig geflogen. Wegen der Einreisebestimmungen dürften dieses Jahr nun selbst die Städtereisen ins Wasser fallen: «Wir müssen sehr konservativ sein. Wir können es uns einfach nicht leisten, Flüge zu haben, wo wir noch mehr Geld verlieren», so Haagensen.

Easyjet-Flugzeug
Legende: Easyjet ist die zweitgrösste Fluggesellschaft der Schweiz. Sie besitzt Insgesamt 330 Flugzeuge, 29 davon sind in Genf und Basel stationiert. Keystone

Noch im August ging Easyjet davon aus, den Flugverkehr schrittweise wieder hochfahren zu können. Bis Ende September sollten es rund 40 Prozent der Flüge sein, verglichen mit dem Vorjahr. Doch diese Prognose ist bereits überholt: Easyjet reduziert sein Angebot wieder. Gleiches haben auch andere Fluggesellschaften angekündigt – zuletzt auch die Swiss.

Swiss beschränkt Angebot für den Winter wieder stärker

Die Swiss rechnet aufgrund der Reiserestriktionen damit, im Winterflugplan etwa 30 bis maximal 40 Prozent der Kapazitäten des Vorjahres anzubieten. Eigentlich hatte die Swiss das Ziel verfolgt, bis Dezember etwa die Hälfte des geplanten Flugplans wieder anbieten zu können. (sda)

Die Verluste so klein wie möglich zu halten, ist das Credo aller Fluggesellschaften. Einer der grossen Kostenblöcke ist das Personal. Viele der rund 1000 Easyjet-Angestellten in der Schweiz haben immer noch Kurzarbeit. Aber auch ein Stellenabbau sei nicht ausgeschlossen, je nach dem, wie lange die Krise noch dauere, so der Easyjet-Chef: «Wir müssen die Flotten anpassen und natürlich auch die Besatzungen. In der Schweiz sind wir noch im Prozess.»

Grösse des Stellenabbaus noch unklar

Easyjet hat bereits im Frühsommer angekündigt, im Personalbereich 30 Prozent zu sparen. Werden demzufolge auch in der Schweiz 30 Prozent der Stellen gestrichen? Das wären gut 300 Angestellte. «Wir haben gesagt, dass es in Europa bis zu 30 Prozent sein könnten. Wir müssen uns alle Märkte individuell anschauen und die Pläne noch entwickeln. Das machen wir im Moment in der Schweiz», antwortet Haagensen.

Die Gewerkschaft VPOD vertritt das Kabinenpersonal von Easyjet und bestätigt, dass Verhandlungen über einen Sozialplan im Gang seien. Wann die Angestellten mehr Klarheit haben, wie es weiter geht, wollen – oder können – beide Parteien derzeit nicht bekannt geben.

Keine staatliche Unterstützung für Easyjet

Eine aktuelle Analyse des internationalen Luftfahrtverbandes zeigt, dass rund der Hälfte der Fluggesellschaften spätestens in sechs Monaten das Geld ausgeht. Die Easyjet-Gruppe gehört zur anderen Hälfte: Das Unternehmen hat sich schon im Frühling neues Kapital besorgt. Die Tochtergesellschaft Easyjet Schweiz hätte gerne ein staatliches Hilfspaket der Eidgenossenschaft beansprucht, so wie das der Swiss gewährt wurde. Sie ging jedoch leer aus.

Thomas HAagensen
Legende: Thomas Haagensen ärgert sich über die Ungleichbehandlung von Swiss und Easyjet: «Wenn es eine Unterstützung für die Industrie gibt, sollte es für die ganze Industrie sein und nicht nur für ein paar Firmen.» Keystone/Archiv

Auch ein Covid-Kredit wurde nicht gewährt. Das Finanzdepartement schreibt auf Anfrage von SRF, dass das finanzielle Polster der britischen Muttergesellschaft ausreichen sollte, um auch Easyjet Schweiz versorgen zu können. Trotzdem ärgert sich Haagensen über diese Ungleichbehandlung. Er befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung.

In der Tat sind die staatlichen Hilfsmassnahmen zugunsten der taumelnden Fluggesellschaften beträchtlich: Bislang wurden über 160 Milliarden Dollar seitens der Staaten zugesichert. Und der grösste Teil davon kommt den traditionellen Fluggesellschaften zugute.

Echo der Zeit vom 21.9.2020, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Die Luftfahrt ist ein Hauptverursacher der Corona Pandemie. Statt Subventionen zu erhalten, sollte sie zur Kasse geboten werden. Gemäss dem Verursacherprinzip.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Trösch  (Puma08)
    Easy Jet ist ein veraltetes Format, wie zB auch Messen; nur aus anderem Grund. Ich wäre dafür, dass jeder Flug, ganz egal wohin, einen nachhaltigen Preis verlangt. Es braucht nicht Hinz&Kunz um die Welt zu bereisen, nur so zum Spass, Entertainment. Wie übrigens auch die so beliebten Kaffeefahrten mit dem Auto. Ich bin kein Grüner, aber wir haben bereits im September (!) die für das ganze Jahr 2020 zur Verfügung stehenden Ressourcen verbraucht. THX Mr. President...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bibi Vava  (Bibi)
    @ Manuela Fitzi
    Ich finde es höchst alarmierend, dass so viele Menschen abhängig sind vom internationalen Massen-Tourismus. Unser ganzer Lebensstil wird dank Corona hinterfragt und es ist gut so. Leben im Hier und Jetzt ist die Antwort, nicht auf Pump, billigen Massenprodukten und auf Kosten von anderen. Die Gewinner sind die Kulturen, die sich dieses Gut bewahren konnten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Grundsätzlich gefällt mir Ihr letzter Satz. In der Realität jedoch kann die westliche Gesellschaft diese Haltung nicht durchsetzen. Kaum auf sich besonnen, kommt immer jemand, die Presse, SP oder ein NGO, die in uns ein schlechtes Gewissen erwecken wollen, weil wir "Gewinner" sind. Schauen Sie auf den Lockdown zurück: nach zwei Wo. schon wurde von hungernden Bangladeshi Näherinnen und südafrikanischen Hausangestellten berichtet-alles unsere Schuld. Langsam müssten wir uns entscheiden...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      2) Aber zu diesem Gedankengang gehört auch, dass wir aufstrebenden Gesellschaften das Erstärken gewähren und diese nicht unterdrücken. Denn sie wollen wirklich stärker werden und wollen als Resultat davon mehr individuelle Konsumfähigkeit sehen. Hierzu gehört Fliegen, Ferienmachen und sonstiges Luxuskonsum. Es geht nicht an, dass wir auf die Idee kommen, nicht mehr fliegen zu wollen und es anderen auch verbieten wollen. Da bin ich schlicht dagegen. Ich war 20+ beim 1. Flug und kenne das Gefühl.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen