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CS: Eine Milliarde Franken Rückstellung für künftige Verluste
Aus Rendez-vous vom 23.04.2020.
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Credit Suisse in Corona-Zeiten Können Sie Entlassungen ausschliessen, Herr Gottstein?

Wie geschäftet eine Bank in der Coronakrise? Bei der Credit Suisse sieht es auf den ersten Blick nach Wachstum aus. Sie hat im ersten Quartal sowohl Erträge und Gewinne gesteigert. Corona hinterlässt jedoch auch bei der CS tiefe Spuren. Der neue Chef der Thomas Gottstein spricht über Hilfskredite für KMU und die Folgen einer Rezession für seine Bank.

Thomas Gottstein

Thomas Gottstein

CEO der Credit Suisse

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Gottstein ist seit dem 14. Februar 2020 der neue Chef der Credit Suisse. 1999 stieg er bei der Bank ins Investmentbanking ein. Ab 2016 war er Chef der neu geschaffenen Division CS Schweiz.

SRF News: Thomas Gottstein, Sie sind seit wenigen Wochen Chef der Credit Suisse. Hatten Sie Zeit, sich einzuarbeiten?

Thomas Gottstein: Ich hatte etwa drei Wochen, bevor die Covid-19-Pandemie in Westeuropa und der Schweiz Realität wurde. Dann haben wir uns auf diese neue Krise konzentriert und die Gesundheit unserer Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt.

Ihre Bank spielt eine wichtige Rolle beim Hilfsprogramm des Bundes. Die Credit Suisse hat bisher über 14'000 Hilfskredite an KMU vergeben in der Gesamtsumme von 2.4 Milliarden. Für welchen Teilbetrag steht die Credit Suisse effektiv im Risiko?

Das ist zurzeit noch der substanziell kleinere Betrag. Wir sind bei den KMU-Krediten, die 500'000 Franken übersteigen, nur mit 15 Prozent im Risiko, also etwa mit 400 Millionen. Wir glauben aber, dass diese Tranche in den nächsten Wochen zumindest volumenmässig stärker wachsen wird als die erste Tranche (unter 500'000 Fr., Anm. d. Red.), bei denen der Bund das Ausfallrisiko zu hundert Prozent übernimmt.

Erstes Quartal: CS steigert Reingewinn um 75 Prozent

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Die Credit Suisse hat ihren Reingewinn im Startquartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 1.31 Milliarden Franken gesteigert, wie die Grossbank mitteilt. Wegen Corona wurden Rückstellungen für Kreditrisiken in der Höhe von 568 Millionen gebildet. Das Ausmass der Corona-Auswirkungen sei nach wie vor schwierig zu beurteilen, hiess es. In den kommenden Quartalen könnte es nötig sein, weitere Reserven zu bilden und Wertberichtigungen vorzunehmen. (sda)

Das heisst, zuerst bekamen die kleinen Unternehmen Kredite und jetzt kommen die grösseren Unternehmen, die auch grössere Kredite brauchen?

Richtig. Dort dauert es ein bisschen länger, weil man Abklärungen bei der Bilanz- und Erfolgsrechnung machen muss.

Man hört, dass viele KMU sich den Kredit sichern, aber das Geld noch gar nicht abgerufen haben. Ist das so?

Ja. Es ist eigentlich auch die Idee, dass die Unternehmen ein Liquiditätspolster haben. Am Anfang bleibt das Geld auf dem Konto und mit der Zeit wird es dann gebraucht. Aber wir gehen auch davon aus, dass die Leute das Geld relativ schnell wieder zurückzahlen wollen, weil man keine Dividenden und grössere Investitionen machen darf, solange man diesen Kredit auf der Bilanz hat.

Die Weltwirtschaft rutscht in Richtung Rezession. Firmenkonkurse im In- und Ausland sind unvermeidlich. Sie haben insgesamt eine Milliarde Franken auf die Seite gelegt für Ausfälle, Abschreibungen usw. Wie lange wird das Geld ausreichen, um die Verluste decken zu können?

Wir sind relativ vorsichtig. Aber wenn es sich schlechter entwickelt, muss man zusätzliche allgemeine Wertberichtigungen machen. Wenn es sich besser entwickelt, wird man diese Rückstellungen wieder auflösen können.

Krisen zwingen Unternehmen zum Sparen. Bei Banken heisst das oft Stellenabbau. Können Sie Entlassungen ausschliessen?

Wir haben zurzeit die Politik, keine Leute zu entlassen – in der Schweiz und weltweit – solange diese Pandemie besteht. Unter dieser Politik werden wir für die nächsten Wochen und Monate weiterfahren, aber mittel- bis langfristige Versprechungen in diese Richtung kann ich keine machen.

Wir haben zurzeit die Politik, keine Leute zu entlassen, solange diese Pandemie besteht.

Ich gehe jedoch mittelfristig davon aus, dass die Digitalisierung einen neuen Beschleunigungsschub erhält – und dass wir hier bezüglich der Anzahl Filialen in der Schweiz unsere Lehren ziehen.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.

Rendez-vous vom 23.4.2020;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Und uns wird doch immer wieder gebetsmühlenartig verkauft und eingetrichter, Digitalisierung schaffe neue Arbeitsplätze! Schon, aber in der Summe weniger und keine anspruchsvollen, sondern stumpfsinnige Kontroll- und Überwachungsaufgaben.
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    "Ich gehe jedoch mittelfristig davon aus, dass die Digitalisierung einen neuen Beschleunigungsschub erhält – und dass wir hier bezüglich der Anzahl Filialen in der Schweiz unsere Lehren ziehen." Soll heissen: Die Digitalisierung führt ohnehin zu Filialschliessungen und Entlassungen. Gut, dass man es Corona in die Schuhe schieben kann.
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    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Ich denke Herr Gottstein ist der Ansicht, dass Digitalisierung helfen wird den Schaden des Viruses ihm Rahmen zu halten, Frau Werle; und nicht ausführlich wegen des Viruses eingesetzt wuerde.
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    2. Antwort von Eva Werle  (Eva Werle)
      Digitalisierung, Schliessung von Filialen und Stellenabbau kommen - auch ganz ohne Corona. Man muss jetzt nicht alles Corona zuschieben. Dieser Prozess hat lange vor der Krise begonnen.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Natürlich gibt es früher oder später Entlassungen. Was jetzt läuft übersteigt ja auch alle Dimensionen. Alleine die Bilanzsumme der FED hat sich seit Mitte Februar um 50 Prozent erhöht um 6 Billionen Dollar und es fehlen Weltweit nochmals 14 Billionen Dollar zum flicken. Die nächsten 3 Jahre werden jetzt einfach eine Bereinigungfase werden die keiner antizipieren kann.
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