Zum Inhalt springen

Header

Audio
Erdöl: Kein Ende des Preiszerfalls in Sicht
Aus Echo der Zeit vom 20.04.2020.
abspielen. Laufzeit 07:33 Minuten.
Inhalt

Der Erdölpreis zerfällt «Die USA halten einen Preiskrieg am längsten aus»

Erdöl ist zurzeit so billig wie selten. Um dem entgegenzuwirken, haben die Ölförderstaaten und das Ölkartell Opec beschlossen, so wenig Öl aus dem Boden zu holen wie noch nie. Das Ziel: den Preis nach oben zu treiben. Doch der Nachfragerückgang wegen der Corona-Krise scheint stärker zu sein. Energieexperte Christof Rühl prognostiziert Russland und Saudi-Arabien enorme Probleme – gute Karten haben die USA.

Christof Rühl

Christof Rühl

Energieexperte und Ökonom

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Ökonom hat früher für den Erdölkonzern BP gearbeitet. Heute berät Rühl Unternehmen und lehrt unter anderem am «Center for Global Energy Policy» der Columbia Universität in New York.

SRF News: Ist das Angebot immer noch zu gross? , Link öffnet in einem neuen Fenster

Christof Rühl: Die Preise sind tief und sie fallen weiter. Denn inzwischen ist die Einsicht eingekehrt, dass es über den kurzfristigen Lockdown hinaus zu einer langsameren Anpassung kommen wird, als wir anfangs dachten. Viele Volkswirte gehen nun davon aus, dass es bis 2021 oder sogar 2022 dauern könnte. Das würde bedeuten, dass auch die Öl-Nachfrage viel langsamer wieder in die Gänge kommt. Die Befürchtung ist, dass die im Moment ausgehandelten Kürzungen nicht ausreichen.

Noch vor zehn, fünfzehn Jahren hat jeder gesagt, dass das Öl ausgeht. Ausser ganz wenigen Experten, die ausgelacht wurden.

Ich persönlich verstehe nicht so ganz, warum die ganze Welt nun denkt, dass niedrige Ölpreise ein Problem wären. Aus Konsumentensicht war das ja immer eine gute Sache. Wenn wirtschaftliche Probleme anstehen, wird das Geschrei losgehen, dass die Ölpreise doch lieber wieder niedriger sein sollen.

Sie sagen, die Erdölpreise sollten nicht politisch festgelegt werden, sondern über den Markt – damit auch die Länder profitieren, die kein Erdöl haben. Wie kann man verhindern, dass die Preise politisch von den Erdöl-Staaten festgelegt werden?

Denken Sie über die neuen Technologien nach, die Dekarbonisierung, die Energiewende: all das kann nicht unter staatlicher Leitung vonstattengehen. Dafür braucht man Innovation, Wettbewerb – und, wenn es so weit kommt, das Absterben der fossilen Energieträger. Was wir durch die Corona-Krise erleben, öffnet ein Fenster in die Zukunft.

Noch vor zehn, fünfzehn Jahren hat jeder gesagt, dass das Öl ausgeht. Ausser ganz wenigen Experten, die ausgelacht wurden. Jetzt hat man zu viel Öl, unter anderem wegen all der Innovationen, die stattfinden. Dieses Problem sollte man nicht dadurch lösen, dass man das jetzt versucht zu strecken, politisch zu verteidigen und zu rechtfertigen.

Die Auswirkungen werden spürbar sein, wenn die Preise so tief sind. Vor allem bei den erdölfördernden Ländern. Wie sieht die Öl-Ordnung der Zukunft aus?

Im Moment ist ganz klar, dass die Amerikaner die Nase vorne haben. Saudi-Arabien ist viel zu stark vom Erdöl abhängig, um solch niedrige Preise lange durchhalten zu können. Das Land wird meines Erachtens grosse ökonomische und soziale Probleme kriegen – in sehr kurzer Zeit.

Langfristig sind die Amerikaner sicher am stärksten, wenn es darum geht, einen Preiskrieg oder Preisverfall auszuhalten.

Auch Russland hat ein Problem. Sie sind auch nicht unbedingt Freunde niedriger Preise, die lange anhalten. Und: Fährt man die Produktion auf russischen Feldern zu schnell und unter Druck runter, kriegen einige der Felder zu viel Wasser ab oder frieren im Winter zu. Man kann sie dann nicht mehr ohne Weiteres reaktivieren. Es besteht die Gefahr, dass grössere Produktionsbeschränkungen unorganisierter Art zu technischen Schäden an den Feldern führen.

Die Amerikaner kennen nichts von all dem. Präsident Donald Trump sorgt sich abwechselnd um die Wähler, die wenig Einkommen und grosse Autos haben und um diejenigen, die in der Ölindustrie arbeiten und die mit den Preisen mal hoch und mal runter wollen. Langfristig sind die Amerikaner sicher am stärksten, wenn es darum geht, einen Preiskrieg oder Preisverfall auszuhalten.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

Video
Aus dem Archiv: Der Ölpreis im Sinkflug
Aus Tagesschau vom 24.03.2020.
abspielen

Echo der Zeit vom 20.04.2020, 18 Uhr;

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Die USA würden eine solche Krise
    am besten "meistern" ?
    Ja wie denn ?
    Ein Land , durch dessen Industrie
    Erdöl in jeder Form ( ich meine :
    verarbeiteten ) wie das Blut durch den Körper fließt ,soll am
    ehesten geeignet sein . eine Krise zu "meistern" , deren Ursache eben dieser Rohstoff ist?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    "Wähler die wenig Einkommen und große Autos haben". Erklärt auch, warum die so einen wählen.;))
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kim Hansson  (Freddy Tobler)
    Ich weiss dieser Stacheldraht sitzt in vielen Köpfen fest, es wird auch gebetsmühlenartig widerholt, aber deswegen ist es nicht richtig: für inovation brauche es eine freie Wirtschaft. Die inovativsten Errungenschaften der Neuzeit wurden meist an STAATLICHEN Universitäten entwickelt, die freie Wirtschaft kauft sich nur die Monopolstellung ein was die inovation erst einmal wider hemmt. Grundlagenforschung für Medikamente, Sprachsteuerung am Handy, uvm. verdanken wir Freidenkern, nicht dem Kapital
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Edwin Schaltegger  (Edwin Schaltegger)
      ...und WER finanziert die staatlichen Grundlagenforschungen?? Es sind die Steuerzahler der juristischen und privaten Personen und des Konsums. WER generiert die Wertschöpfung damit die Steuern bezahlt werden können? Das ist primär unsere Privatwirtschaft. Die meisten Innovationen an staatlichen Instituten entstehen (entstanden) in einer engen Verflechtung mit unserer Privat-Industrie. Jegliches staatswirtschaftliche System ist bisher kläglich gescheitert!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Kim Hansson  (Freddy Tobler)
      @ES: Zitat von Satiriker V.Pispers: "Sozialismus ist im Westen niemandem zu Vermitteln. Wer kann die Bilder vergessen als die Mauer fiel? Menschen die in langen schlangen vor den Suppenküchen anstehen für eine warme Mahlzeit am Tag. Zeltstädte so weit das Auge reicht. Menschen ohne zähne. Ahhh, tschuldigung, das sind Bilder aus der USA! Kann es sein das für 50%der US Bürger der Lebens Standard der DDR Bürger vor 50 Jahren das Paradies auf Erden wär?" - Auch der Kapitalismus ist gescheitert...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen