Zum Inhalt springen

Header

Audio
Ein Konjunkturprogramm für die Schweiz?
Aus Rendez-vous vom 18.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Inhalt

Der Staat als Konjunkturmotor Kann der Staat in einer Wirtschaftskrise Konjunkturmotor sein?

Die Idee ist simpel: Wenn die Wirtschaft in einer Krise steckt, springt der Staat ein und kurbelt sie an. Wie geht das?

Die EU tut es und die USA tun es: Sie schnüren derzeit milliardenschwere Konjunkturprogramme, um die eigene Wirtschaft möglichst rasch wieder aus der Krise zu holen.

Die Idee ist einfach: Wenn die «normale» Nachfrage nach Gütern ausfällt, weil beispielsweise Konsumentinnen und Konsumenten sowie Unternehmen vorsichtshalber lieber sparen, als Geld auszugeben, springt vorübergehend der Staat ein.

Die Theorie ist das eine...

Die Theorie tönt einleuchtend: Staatliche Impulse sollen «antizyklisch» erfolgen, also dann, wenn die Wirtschaft in der Krise steckt und Hilfe braucht. Der Staat kann Güter selbst nachfragen, indem er beispielsweise den Bau von Brücken und Schulhäusern in Auftrag gibt. Er kann auch privaten Haushalten ein grösseres Budget verschaffen – zum Beispiel die Sozialleistungen erhöhen –, damit sie wieder mehr konsumieren können.

Verschiedene Schweizer Banknoten liegen übereinander.
Legende: Idee hinter dem Konjunkturprogramm: Wenn die «normale» Nachfrage nach Gütern ausfällt, springt vorübergehend der Staat ein. Keystone

Oder der Staat kann finanzielle Anreize setzen: Er kann Steuerabzüge auf Investitionen gewähren oder Investitionszulagen überweisen. Das Ziel ist stets klar: Wenn mehr Güter nachgefragt werden, mehr konsumiert und investiert wird, können Unternehmen wieder mehr produzieren. Die Wirtschaft kommt wieder in Gang. Das schafft Arbeitsplätze, sichert Löhne und stützt damit den Konsum.

...die Praxis ist oft komplex

Solche Konjunkturprogramme erfolgreich in die Praxis umzusetzen, ist allerdings anspruchsvoll: Die Krux ist oft, dass staatliche Impulse zu spät Wirkung zeigen. Sie sollten noch während der Rezession die Konjunktur anschieben. Oft greifen die Impulse aber erst, wenn ohnehin schon wieder der Aufschwung einsetzt. Wenn das passiert, droht eine Überhitzung der Wirtschaft: Die Unternehmen kommen mit der Produktion der Güter nicht mehr nach, sie erhöhen die Preise, was wiederum zu Inflation führt.

Konjunkturprogramme müssen zudem gezielt erfolgen: Wenn beispielsweise der Bausektor bereits brummt, ergibt es wenig Sinn, noch zusätzliche öffentliche Bauaufträge zu erteilen. Staatliche Massnahmen müssen zudem zeitlich begrenzt sein, schliesslich werden sie mit Steuergeldern finanziert. Diese sollen möglichst sorgsam und effizient eingesetzt werden.

Letztlich ist es nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine politische Frage, ob eine Regierung ein Konjunkturprogramm lanciert, in welchem Umfang sie das tut und mit welchen Massnahmen.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

26 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Hat die Wirtschaft jemals ein Merci zu kennen gegeben wenn der Steuerzahler mal wieder zum Notarzt wurde und wiederbelebt hat?
    Krise vorbei und schon ist die Arroganz wieder da.
    Geht es gut, verschwindet der Gewinn in Steuerparadiese, kommt es zur Krise, wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten.
    Die Bürger der Schweiz sind kein Versicherungsunternehmen für Wirtschaftsbosse und ihren Lebensstil.
    Es ist nicht Aufgabe des Normalbürger um
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      wer ist denn "die" wirtschaft? ich dachte die wirtschaft sind wir alle.
  • Kommentar von Aurel Specker  (Auspec)
    Reine Impulsprogramme nützen nichts und kosten viel, das ist in sehr vielen Studien gezeigt worden. Es kann sogar schaden, da die wichtige Strukturbereinigung gebremst wird.

    Bei sowieso sinnvollen Programmen, kann sehr wohl eine Intensivierung stattfinden. Entwicklungsprogramme, Investitionsprogramme usw welche direkt in die Zukunft investieren können vorgezogen werden. Dies hat dann auch langfristig positive Effekte.
    Aber kein "Impulsprogram" für aktuelle sondern "zukünftige" Firmen.
  • Kommentar von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
    in guten zeiten die privatwirtschaft - in schlechten greift man auf den staat zurück.
    das ist der klassische neo-liberalismus.
    danke - nein.