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Wie das Fördermodell für Erneuerbare gestaltet werden?
Aus Echo der Zeit vom 08.06.2020.
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Erneuerbare Energien Die Energiebranche streitet um ein Fördermodell

Will die Schweiz von AKW auf erneuerbare Energien umsatteln, braucht es Anreize für Investitionen. Bloss welche?

Der Energiekonzern Axpo hat auch im letzten Halbjahr seine Kapazitäten im Bereich erneuerbare Energieproduktion ausgebaut. Das zeigen die heute veröffentlichten Geschäftszahlen. Die allermeisten neuen Photovoltaikanlagen und Windräder hat Axpo im Ausland gebaut.

Denn solche Investitionen sind dort attraktiver als hierzulande. So wie Axpo machen das auch viele andere Stromfirmen. Wie liessen sich die Anreize ändern, dass künftig mehr in der Schweiz investiert wird? Die Branche ist sich uneins.

Modell mit «gleitender Marktprämie»

Axpo-Mediensprecherin Monika Müller macht ein Bild: «Stellen Sie sich vor, Sie pflanzen einen Baum und bewässern ihn nur mit zusätzlichem Wasser, wenn der Niederschlag ausbleibt. Aber wenn genug Niederschlag da ist, braucht es keine zusätzliche Bewässerung. Ähnlich funktioniert es mit der Marktprämie.»

Axpo, Alpiq und andere Schweizer Stromversorger fordern «gleitende Marktprämien» vom Bundesrat. Wie ein Baum, dem Wasser zugeführt werden muss, wenn es lange trocken ist, würde der Stromproduzent dann einen Zuschlag erhalten vom Staat, wenn der Marktpreis für Strom unter ein bestimmtes Niveau fällt. Dieses Preisniveau würde in einem Wettbewerb bestimmt.

In diesem Wettbewerb künden Stromproduzenten an, zu welchem Preis sie mit einer künftigen Anlage Strom produzieren können. Der Produzent, der den tiefsten Preis pro Kilowattstunde bietet, erhält den Zuschlag. Bietet der Produzent zum Beispiel fünf Rappen pro Kilowattstunde, dann erhält er die Differenz, wenn der Marktpreis auf drei Rappen fällt, pro Kilowattstunde zwei Rappen.

Liegt der Marktpreis bei fünf Rappen oder höher, erhält der Produzent keine Unterstützung. «Der Vorteil der Marktprämie ist, dass sie sich sehr stark an der Marktrealität ausrichtet. Damit verhindern wir eine Überförderung», sagt Axpo-Mediensprecherin Müller. Weil der Staat eben nur dann bezahlt, wenn der Marktpreis tief ist.

BKW setzt auf anderes Modell

Als einziger grosser Energiekonzern in der Schweiz setzt die BKW auf ein anderes Instrument, nämlich auf einmalige Investitionsbeiträge. Dabei würde der Bund ebenfalls einen Wettbewerb veranstalten – dem Gewinner, also dem günstigsten Anbieter, dann aber einen einmaligen Beitrag an die Investitionskosten ausrichten.

Das sei näher am Markt, glaubt der Leiter Marktanalyse und Regulierung bei der BKW, Urs Meister: «Das Modell garantiert weder eine feste Abnahme des Stroms noch einen fixierten Abnahmepreis.» Die Produzenten hätten dann starke Anreize, ihre Anlagen an die Bedürfnisse des Marktes auszurichten, ist Meister überzeugt.

«Vor allem bleiben die wirtschaftlichen Risiken der Emissionsbeiträge bei den Investoren selber. Sie sind und bleiben also Unternehmer.» Bei Einspeisevergütungen übernehme dagegen der Staat und letztlich der Steuerzahler die Risiken.

Ausbau der Energieproduktion eilt

Ob mit gleitenden Marktprämien oder einmaligen Investitionsbeiträgen – Branche und Nichtregierungsorganisationen sind sich einig, dass der Ausbau der Energieproduktion stark beschleunigt werden muss, wenn die Schweiz dereinst die AKWs auf umweltfreundliche Art ersetzen will. Die Vernehmlassung dauert noch bis zum 12. Juli. Dann wird die Diskussion um das richtige Fördermodel aus der Branche in die Politik wechseln.

Damit unterstützt BKW, was der Bundesrat in der laufenden Vernehmlassung zur Revision des Energiegesetzes vorschlägt. Die andern Stromkonzerne verweisen allerdings darauf, dass die Schweiz das einzige Land wäre, das weiterhin Investitionsbeiträge bezahlen würde. Die meisten europäischen Länder vergäben Marktprämien und täten dies mit Erfolg glaubt im übrigen auch die Schweizerische Energiestiftung, die sich für eine umweltgerechte Energiepolitik einsetzt.

Echo der Zeit vom 08.06.2020, 18 Uhr

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75 Kommentare

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  • Kommentar von Noah Schmid  (Schmid)
    Die Schweiz exportiert seit Jahrzehnten 30% bis 40% seines Strombedarfes nach Italien (und importiert etwa die gleiche Menge aus A, D und F). Im Winter wird immer mehr Winterstrom produziert. Wenn die Schweiz aus Protestgründen keine Windkraft im Land bauen möchte, dann sollte sie wenigstens in Windkraft in Italien investieren und den Strom direkt verkaufen. Alternativ kann sie zu viel Solarenergie installieren und/oder explizit Einspeisevergütungen für erneuerbaren Winterstrom schaffen.
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    "Als naheliegender Ausweg aus dem Winterstrom-Dilemma bleibt eines. Wir müssen den Konsum der wertvollen aber heute sehr billigen Elektrizität reduzieren. Als Mittel dazu dienen Lenkungsabgaben, die den Strom verteuern, aber auch Gesetze, die unnötige Stromanwendungen einschränken. In Zeiten, wo die Schweiz im Elektrizitätsüberfluss schwimmt, haben solche Forderungen politisch allerdings einen schweren Stand.“ (Hanspeter Guggenbühl in Infosperber vom 5. Juni 2020)
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    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Also kein Umstieg auf Elektroautos oder auf Heizung mit Wärmepumpen? Was wollen Sie eigentlich sagen? Im Moment sind wir doch auf Umstieg von Öl auf Strom getrimmt, der Stromverbrauch wird damit zunehmen.
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    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Da Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt und der Transport zur Reduktion der CO2-Emissionen elektrifiziert werden muss, wird der Stromverbrauch auch bei allen Effizienbemühungen zu nehmen. Das heisst das bewusste Festhalten an langen Wartelisten für PV-Anlagen (welche die Wasserreserven in unseren Stauseen schonen würden) ist leider alles andere zielführend.
      Der Bund sollte sich vermehrt um die Sicherung der Stromversorgung, als um die Sicherung von Kampfjets kümmern.
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  • Kommentar von ueli hofer  (refoh,parteifrei)
    Sonne und Wind reichen nicht aus. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe werden jährlich 34 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. (BP statisical review of world energy 2019). "Nur" etwa die Hälfte davon bleibt in der Luft. Aber keine Angst, durch das Auftauen der Permafrostgebiete kommt genügend Methan frei - auch aus den Meeren. Fazit: Nur ein modernes AKW kann uns aus dem Dilemma befreien.
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    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Wenn pro Einwohner pro Jahr nur ein Solarmodul a 330 W installiert wird, sind das bereits über 2500 GW weltweit. In diesem Jahr wurde weltweit noch kein einziges neues AKW in Betrieb genommen aber -2 GW AKW-Leistung vom Netz genommen (IAEA). Der Siliziumgehalt in der Erdkruste beträgt 28% und der Urangehalt in der Erdkruste beträgt nur 0.0003%. Kein Wunder sind die Europäischen Uranminen längst versiegt, obwohl Atomenergie kaum 2% des weltweiten Energiebedarf deckt (Tendenz sinkend).
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    2. Antwort von ueli hofer  (refoh,parteifrei)
      @Schmid. Ob noch kein AKW in diesem Jahr ans Netz gegange ist, weiss ich nicht. Aber bei Wikipedia können Sie sehen, wieviele AKWs im Bau und in der Planung sind. Besonders in China, Russland und Indien. Uran reicht bis in alle Ewigkeit. Alte Brennstäbe können wieder benutzt werden. Aber schauen Sie doch bitte diese Webseite an: https://www.electricitymap.org/map
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    3. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      @Hofer. Es gibt viele AKW, welche schon seit Jahrzehnten im Bau sind und trotzdem noch keinen Strom produzieren. Am neuen AKW in Finnland wird schon seit 2005 gebaut und das produziert nach wie vor keinen Strom. Das ist auch ein Grund weshalb neue AKW keine Option sind. Sie sind nicht nur viel zu teuer, sondern die Bauzeit ist auch zu lange und Uran ist begrenzt. In Indien sind in den letzten 10 Jahren gerade mal 3 AKW ans Netz. Das reicht gerade mal noch knapp für ihre Atombombenproduktion.
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