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Legende: Audio Amazonas, der grosse Verlierer abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
03:31 min, aus Rendez-vous vom 10.05.2019.
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Folgen des Handelskonflikts Für den Amazonas ist Chinas Hunger verheerend

Brasilien nutzt die Gunst der Stunde und liefert Soja nach China. Doch dafür wird der Regenwald abgeholzt.

Soja wird von Menschen gegessen und zu Biotreibstoffen verarbeitet. Vor allem aber wird Soja an Rinder und Schweine verfüttert. Soja kommt zu einem grossen Teil aus Brasilien. Mit einer Produktionsmenge von rund 100 Millionen Tonnen pro Jahr ist das südamerikanische Land der zweitgrösste Produzent von Sojabohnen weltweit, nach den USA. Grosses Interesse daran, Soja zu kaufen, hat China. Dessen wachsende Bevölkerung isst immer mehr Fleisch von Rindern und Schweinen.

China bezieht sein Soja woanders

Auf Grund des Handelsstreits fallen die USA für China als Sojalieferant derzeit aus. Nachdem die USA chinesische Waren mit Zöllen belegt haben, hat China als Vergeltung unter anderem die Zölle auf US-amerikanisches Soja um 25 Prozent erhöht. Und es sucht neue Lieferanten.

Grosse Auswahl habe China dabei nicht, stellt Richard Fuchs fest. Er untersucht am Karlsruher Institut für Technologie Agrar-Handelsströme. «Es gibt wenig Produzenten, die Handelsbeziehungen zu China führen, die im grossen Stil exportieren können. Da lag es nahe, dass Brasilien – gerade mit dem neuen Präsidenten Jair Bolsonaro – kurzfristig einspringen könnte, um diesen Bedarf zu decken.»

Freie Flächen sind nicht frei

Decken kann Brasilien diesen Bedarf, weil es freie Flächen hat für die landwirtschaftliche Produktion, wobei frei «im Amazonas-Regenwald» heisst.

Der brasiliansche Präsident Jair Bolsonaro will den Regenwald wirtschaftlich nutzen.
Legende: Der brasiliansche Präsident Jair Bolsonaro will den Regenwald wirtschaftlich nutzen. Keystone

Bolsonaro hat mehrfach klar gemacht, dass er die Interessen der Agrarindustrie höher stellt als den Schutz des Regenwaldes. Insgesamt könnte die Fläche, auf der in Brasilien Soja angebaut wird, in den nächsten Monaten um 39 Prozent zunehmen, der Regenwald aber so stark in Mitleidenschaft gezogen werden wie noch nie, warnt Richard Fuchs.

Erste Anzeichen dafür gebe es bereits: «Wir haben gesehen, dass in China mit dem Fortschreiten des Handelskrieges Ausfälle aus den USA fast zu 100 Prozent aus Brasilien gedeckt werden.»

USA nicht mehr verlässlicher Partner

Die Hoffnung, dass die bedrohten Amazonasflächen noch gerettet werden können, sind dabei äusserst gering. Auch wenn – was zurzeit wenig wahrscheinlich scheint – der US-chinesische Handelsstreit demnächst beigelegt würde, werde China weiter auf Brasilien setzen: «Die Chinesen sind mit dem Start des Handelskrieges auch stark vor den Kopf gestossen worden. Handel basiert weitestgehend auf Vertrauen. Das wurde hier untergraben.»

Aus chinesischer Sicht könne man sich längerfristig nicht mehr auf die USA verlassen. «In den USA zählen innenpolitische Themen mehr als die Handelsbeziehungen zu China», so Fuchs.

Diese Fläche wurde für den Sojaanbau gerodet.
Legende: Diese Fläche wurde für den Sojaanbau gerodet. Reuters

Der Amazonas-Regenwald ist aufgrund seiner einzigartigen Artenvielfalt und seiner riesigen Kapazität, klimaschädliches CO2 aufzunehmen, von grosser Bedeutung für die Region und die ganze Welt. Fuchs und seine Co-Autoren fordern von China, den USA, Brasilien und der gesamten internationalen Gemeinschaft dringend strengere Kontrollmechanismen zum Schutz des Regenwaldes.

Aber auch die Konsumenten in Europa, dem zweitgrössten Abnehmer von brasilianischem Soja müssten sich bewusst werden, welche Folgen ihr Fleischkonsum habe, sagt Fuchs.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Was da in Brasilien unternommen wird ist genau das was die Erderwärmung weiter anheizt. Der Urwald ist der beste Klima Regulator . Ohne die Regenwälder wird die Erde zur Wüste . da könnten wir weltweit zu Fuss gehen und würde die Erderwärmung nicht stoppen . Man kann beobachten , dass die kurzfristigen Stürme überall dort auftreten wo Monokulturen den Baumbestand vernichtet haben .
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  • Kommentar von Bruno Schelker (4435Lord)
    Gewalt erzeugt Gegengewalt. Die Menschen müssen die freien Flächen umweltgerecht nutzen. Dann werden keine Menschen hungern.
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    1. Antwort von Haller Hans (H.Haller)
      Herr Bruno Schelker nichts auf dieser begrenzten Welt kann unbegrenzt wachsen, rein gar nichts. Das können Sie drehen und wenden wie Sie wollen, es geht einfach ganz sicher nicht. Damit müssen wir lernen zu leben. Daher glaube ich auch eher, dass wir eher düsteren Zeiten, sicherlich nicht friedlicheren Zeiten entgegen laufen. - Übrigens, das ist vielen, weil auch sehr unangenehm, nicht klar zu machen.
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    2. Antwort von Haller Hans (H.Haller)
      Wie definieren Sie eigentlich "freie Flächen" genau? Und warum glauben Sie, das "sog. umweltgerechte Nutzungen" dazu führen soll, dass keine Menschen hungern müssen? Ich glaube fast, dass Sie es etwas zu einfach sehen, bzw. einfach zu einfach sehen wollen. - Korrekt ist, dass zB. gerade der Einsatz von Erdöl in allen Varianten erst ermöglichte, dass mehr Menschen ernährt werden können. Leider eben nicht alle, aber eben doch mehr als ohne Erdöl usw.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Bin gerade auf dem Mond gelandet und habe dabei die Erde lächeln sehen. Es sah mitleidig aus: Sie wird sich die für ihre Hygiene notwendige Reinheit wieder zurückholen: Die Qualität des Wassers, der Luft, des Boden, die Grösse des Urwaldes, der notwendigen Grünflächen usw. - Und, Mutter Erde hat Zeit, Millionen von Jahren? Haben wir (die Zweibeiner) diese Zeit auch Herr Bolsorano??
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    1. Antwort von Arthur Meili (Arthur Meili)
      Jeder kennt den Spruch: Es gibt kein gratis Essen. Wenn Europa den Urwald schuetzen will, muss Europa halt eine Partnerschaft eingehen mit Brasilien, das kostet halt Milliarden. Wenn man das nicht machen will, gilt der Jassspruch: Nichtspieler Maul halten resp. Nichtbewohner. PS. Wo sind eigentlich die Waelder geblieben, die es vor 1000 Jahren in Europa gab.
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