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SNB kaufte 2020 Fremdwährungen wie noch nie zuvor
Aus HeuteMorgen vom 22.03.2021.
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Geschäftsbericht SNB erwirbt 2020 Devisen im Gegenwert von 110 Milliarden Franken

  • Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im vergangenen Jahr im grossen Stil an den Devisenmärkten interveniert.
  • Insgesamt hat sie Fremdwährungen in der Höhe von 110 Milliarden Franken erworben. Das ist dem Geschäftsbericht 2020 zu entnehmen.
  • Im Jahr davor hatte das Volumen nur 13.2 Milliarden betragen.

Die Zahl ist trotz ihrer Grösse keine Überraschung, weil die Interventions-Volumina der ersten drei Quartale schon bekannt waren. Daraus ergibt sich, dass die SNB im Schlussquartal mit 9 Milliarden intervenierte.

Somit haben sich Interventionen weiter abgeschwächt. Zum Vergleich: Im dritten Quartal betrugen die Volumina 11 Milliarden. Davor hatten sich die Notenbanker während der Coronakrise mit vielen Milliarden gegen die Frankenstärke gestemmt, im zweiten Quartal mit 51.5 Milliarden, im ersten mit 38.5 Milliarden.

SNB-Direktoriumsmitglieder erhielten 2020 etwas mehr Lohn

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Die drei Direktoriumsmitglieder der SNB haben 2020 leicht mehr verdient. Konkret erhielten die obersten Schweizer Währungshüter je 945'000 Franken, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist.

Im Jahr davor hatten die Gesamtvergütungen von Thomas Jordan, Fritz Zurbrügg und Andréa Maechler bei je 933'300 Franken gelegen. Inklusive Arbeitgeberbeiträge, Pensionspläne und AHV sind die letztjährigen Bezüge leicht unterschiedlich. Jordan und Zurbrügg erhielten je 1.25 Millionen Franken, Maechler 1.21 Millionen.

Über den Werten von 2015 bis 2017

Insgesamt ist das Jahr 2020 nun klarer Spitzenreiter in Sachen Interventionen. Davor hatte die SNB vor allem in den Jahren 2015 bis 2017 beziehungsweise nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses (15.1.2015) in hohem Mass intervenieren müssen, um den Franken zu schwächen bzw. die Exportwirtschaft vor einem allzu hohen Franken zu schützen.

So hatte die SNB 2015 für 86.1 Milliarden, 2016 für 67.1 Milliarden und 2017 für 48.2 Milliarden Franken Devisen gekauft. Aber auch schon 2014, also im Jahr vor der Aufhebung des Mindestkurses, hatte sie Devisen in Höhe von 25.8 Milliarden erworben. 2018 war dann für die SNB ein in dieser Beziehung relativ ruhiges Jahr mit Devisenkäufen im Gegenwert von lediglich 2.3 Milliarden.

Interventionen am Devisenmarkt sind auch nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses vor bald sechs Jahren eines der wichtigsten Instrumente der SNB, um eine unerwünschte Aufwertung des Frankens zu vermeiden. Seit Ausbruch der Coronakrise betont die Notenbank, dass sie bei Bedarf auch «verstärkt» am Devisenmarkt eingreife. Der Franken sei nämlich nach wie vor «hoch bewertet».

SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim schätzt die Situation ein

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Die Schweizerische Nationalbank SNB hat im vergangenen Jahr Fremdwährungen in Rekordhöhe von 110 Milliarden Franken gekauft, um den Schweizer Franken zu schwächen. Damit hat sie dieses Instrument so intensiv genutzt wie nie zuvor seit der Einführung vor 10 Jahren. Mit den umfangreichen Interventionen hat auch der Devisenberg bei der SNB neue Rekordhöhen erreicht: Die Fremdwährungen summieren sich inzwischen auf 910 Milliarden Franken.

Damit zeigt sich, dass dieses Instrument faktisch noch das einzige Mittel ist, das die SNB aktuell einsetzen kann, um einem allzu starken Franken entgegenzuwirken. Der Spielraum bei ihrem zweiten Instrument, den Negativzinsen, hat sie weitgehend ausgereizt.

Die SNB will auch weiterhin – falls nötig – den Franken gezielt mit Fremdwährungsankäufen schwächen. Angesichts des Devisenberges stellt sich trotzdem die Frage, wie die Nationalbank mittel- und langfristig mit diesem Instrument verfahren will. Eine Abkehr des eingeschlagenen Weges ist schwierig. Einzig eine Erstarkung des Euros und des Dollars wäre ein eleganter Ausweg für die SNB. Aber diese Entwicklung herbeizuführen liegt jenseits ihrer Handlungsmöglichkeiten.

Harsche US-Kritik

Die Interventionen am Devisenmarkt haben der SNB jedoch harsche Kritik vonseiten der USA eingebracht. Mitte Dezember hatte das US-Schatzamt bekannt gegeben, dass es die Schweiz als Währungsmanipulator einstuft. Die SNB hatte die US-Vorwürfe umgehend zurückgewiesen und sich gegen den Vorwurf verwahrt.

Im aktuellen Geschäftsbericht wird dies wiederholt: «Die Devisenmarktinterventionen der SNB sind notwendig, um angemessene monetäre Bedingungen und dadurch Preisstabilität zu gewährleisten», heisst es.

SNB-Präsident Thomas Jordan hatte im Dezember jedoch betont, man werde auf den Dialog mit den US-Behörden setzen. «Wir werden den USA erklären, dass sich die Schweiz mit dem permanent starken Franken in einer speziellen Ausgangslage befinde und die Devisenmarktinterventionen nicht das Ziel verfolgen, uns einen Wettbewerbs-Vorteil zu verschaffen.»

Schweizer Leistungsbilanz mit Defizit im vierten Quartal

Die Schweizer Volkswirtschaft hat im vierten Quartal 2020 in ihrer Leistungsbilanz nicht wie üblich einen Überschuss erzielt, sondern ein Minus. Rückgänge bei den Primär- und Sekundäreinkommen waren massgeblich für das Defizit verantwortlich.

In den Monaten Oktober bis Dezember hat die Schweiz 2.9 Mrd. Franken weniger eingenommen als sie ausgegeben hat, wie die SNB mitteilt. Im dritten Quartal hatte sich noch ein Überschuss von 11.5 Milliarden und im Vorjahresquartal ein solcher von sehr hohen 16.3 Mrd. Franken errechnet. Die Werte aus der Leistungsbilanz werden dabei laufend teilweise stark angepasst.

SRF 4 News, 22.03.2021, 10 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Bald CHF 1'000'000'000'000 an Fremdwährungen im Portfolio der National Bank und die ausländischen Devisen wollen im Vergleich zum Schweizer Franken einfach nicht steigen – und dies seit Jahren! Ein wenig hilflos was die SNB da versucht.
    Die USA haben recht, die SNB ist ein Währungsmanipulator – wenn auch erfolglos...
  • Kommentar von Johann Meier  (H.J. Meier)
    Der Leitzins, das sonst hauptsächliche geldpolitische Instrument, ist seit der Subprime Krise 2008 (danke USA) im Keller. Seither wird die Wirtschaft künstlich von den Notenbanken beatmet. Es muss eine reale Erholung stattfinden, damit der Leitzins wieder in normale Bereiche steigen kann. Ich frage mich bei diesem globalen Schuldenberg aber, ob da überhaupt noch etwas normal sein kann, und ob nicht letztendlich alles auf Inflation (Schuldenentwertung) hinausläuft...
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Kann mir jemand erklären, weshalb die Arbeitslosenquote für die oberste Maxime der Preisstabilität relevant ist? Ersteres wurde und wird durch die Pandemie ja stark beeinflusst und war sicherlich auch Thema der SNB.
    1. Antwort von Johann Meier  (H.J. Meier)
      Man kann argumentieren, dass kurzfristig mit expansiver Geldpolitik die Wirtschaft in rezessiven Phasen angekurbelt werden kann, was Arbeitslosigkeit entgegenwirkt. Die Beziehung zwischen Preisniveau und Arbeitslosigkeit ist aber seit Phillips Veröffentlichungen eine viel diskutierte und erforschte, siehe z.B. Wikipediabeitrag zur Phillipskurve.