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Mehr Inflation, bitte!
Aus Rendez-vous vom 17.02.2021.
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Weitere Zinssenkung unmöglich Ökonomen fordern Strategiewechsel von der Nationalbank

Weil die Zinsen nicht mehr gesenkt werden können, soll die SNB über den Wechselkurs eine höhere Inflation anstreben.

Lahmt die Wirtschaft, dann senkt die Nationalbank die Zinsen, so steht es im Lehrbuch. Der Effekt: Bald investieren die Firmen wieder, die Menschen konsumieren mehr und die Wirtschaft kommt in Schwung.

Doch das Lehrbuch hilft nicht weiter in der aktuellen Corona-Rezession: Denn seit Jahren sind die Zinsen negativ; die Nationalbank hat bereits so fest an der Zinsschraube gedreht, dass eine weitere Senkung fast unmöglich ist.

Der Zinssatz sei als Werkzeug nicht mehr zu gebrauchen, sagt Yvan Lengwiler, Wirtschaftsprofessor an der Universität Basel. Gar nicht gut sei das – für die Nationalbank: «Sie steht mit dem Rücken zur Wand. Sie hat mit ihrer jetzigen offiziellen Strategie eigentlich kaum mehr Handlungsoptionen.»

Nationalbank soll Strategie ändern

In der Not kauft die Nationalbank für hunderte von Milliarden Franken Fremdwährungen, vor allem Euro, um so den Frankenkurs zu schwächen. Auch dies hilft zwar der Wirtschaft, weil es zum Beispiel den Export erleichtert. Doch blähen die Devisenkäufe die Bilanz der Nationalbank ungesund stark auf, um nur eine unerwünschte Nebenwirkung dieser Politik zu nennen.

Geht es nach Ökonom Yvan Lengwiler, soll die Nationalbank darum ihre Strategie ändern: Sie soll offen zu ihrer – inoffiziell bereits praktizierten – Wechselkurspolitik stehen. Und sie soll zugeben, dass die Zinspolitik, wie sie im Lehrbuch steht, ausgedient hat.

Yvan Lengwiler hat zusammen mit zwei Fachkollegen einen Aufsatz dazu geschrieben und ihn heute online veröffentlicht, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Ökonomen entwerfen darin Alternativen.

Konkret solle die Nationalbank sagen, dass sie beispielsweise den Franken zum Euro in den nächsten zwölf Monaten um ein Prozent schwächen wolle. Wegen ihrer geballten Macht am Devisenmarkt, könnte sie diesen Kurs durchsetzen, sind die Autoren des Aufsatzes überzeugt. Das würde bedeuten: Statt der Zinsen wäre nun der Wechselkurs das Instrument der Geldpolitik.

Höhere Inflation erwünscht

Ausserdem solle die Nationalbank lockerer mit der Inflation umgehen, fordern Lengwiler und seine Kollegen, die sich im sogenannten SNB-Observatorium , Link öffnet in einem neuen Fensterzusammengeschlossen haben. Ein vernünftiges Ziel sei zwei Prozent Inflation im Durchschnitt – ähnlich, wie es die Notenbank der USA ansteuert. Heute liegt das Zielband der Nationalbank für die Inflation lediglich bei null bis zwei Prozent, also einiges tiefer.

Im Kern gehe es darum, dass die Inflation zurückkehre auf ein gesundes Niveau, sagt Yvan Lengwiler. Das sei gut für die Schweizer Wirtschaft und auch gut für die SNB, die dann wieder eine funktionierende Strategie hätte.

Die SNB selber sieht aktuell keinen Anpassungsbedarf, wie sie auf Anfrage bekräftigt. Aber, fügt sie an: Sie verfolge die Diskussionen in der Öffentlichkeit und bei anderen Notenbanken mit Interesse.

Rendez-vous, 17.02.2021, 12.30 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Nicola Roos  (Roos)
    Von Herr Lengwiler der in einem exportorientierten Kanton Wirtschaft lehrt, Vizepräsident eines Anlagefonds und selber Geschäftsführer eines von Export abhängigen Engineurbüros ist, kann ich natürlich verstehen, dass er höhere Zinsen und einen noch schwächeren Franken proklamiert. Fakt ist aber, dass die Zinsen durchaus noch weiter gesenkt werden könnten (was spricht dagegen) und die künstliche Inflation und Schwächung des CHF auf Kosten der Realvermögen der “normalen” Bürger gestoppt werden.
  • Kommentar von Nenek Laviatur  (Nene)
    Eine Inflation von 2% kann man nicht 'herbeiführen', ohne dass man das Risiko eingeht, dass die Sache aus dem Ruder läuft, bis hin zur Hyperinflation mit der Gefahr der Verarmung großer Kreise. Solche Vorschläge können nur von Leuten gemacht werden, die nicht mehr aus eigener Erfahrung wissen, was Inflation ist...
  • Kommentar von Andreas Meier  (Andreas Meier)
    Die ganzen Überlegungen mit der Nationalen Währungen werden Mittel- bis Langfristig obsolet. Längst wird sich die Blockchain durchsetzen mit Cryptowährungen dabei muss es nicht mal Bitcoin sein, es kann auch Etherum sein oder eine der anderen mittlerweilen über 1000 verschiedenen Cryptowährungen. Die gesteigerte Rechenleistung machts möglich.