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Schweizer Wirtschaft von April bis Juni deutlich geschrumpft
Aus HeuteMorgen vom 27.08.2020.
abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
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Historischer Einbruch Der Blick aufs BIP allein verzerrt das Gesamtbild

Konjunkturexperten sind sich an Quartals-Verschiebungen bei den Wachstumszahlen im tiefen Null-Komma-Etwas-Bereich gewohnt. Gehts einmal gegen ein ganzes Prozent, herrscht zu normalen Zeiten schon mittlere Aufregung. Nun ist die Schweizer Wirtschaft um historisch einmalige 8.2 Prozent geschrumpft. Und die Reaktionen der Ökonomen sind: verhalten positiv.

«Etwas weniger dramatisch als ursprünglich befürchtet», ist gleich mehrfach zu hören. Und der Einbruch sei «im internationalen Vergleich gering». Angesichts des Lockdowns sind die pessimistischsten Prognostiker nämlich von einem Minus im zweistelligen Bereich ausgegangen.

Pharmabranche legte zu, Gastronomie schrumpft

Allerdings widerspiegelt der zusammenfassende Blick des Bruttoinlandprodukts die Situation in einzelnen Branchen nur ungenügend. Die Pharmabranche, als Extrembeispiel, legte beim Umsatz sogar zu. Vom Gesundheitssektor – Spitäler, Ärzte, Therapeuten – müsste man eigentlich annehmen, dass er von einer Gesundheitskrise profitieren kann. Stattdessen ist er wegen des Lockdowns überdurchschnittlich geschrumpft.

Auch die Betrachtung von Quartal zu Quartal kann zu zweifelhaften Schlüssen verleiten. So ist das Gastgewerbe von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal um absolut dramatische 54 Prozent geschrumpft. Im dritten Quartal – dafür benötigt man keine Kristallkugel – dürfte dafür ein rekordhohes, zweistelliges Wachstum folgen.

Vergleicht man dann die enorm tiefen Gastro-Umsätze zu Zeiten des reinen Takeaway-Betriebs während des Lockdowns mit dem Sommergeschäft von Juli bis September, wird sich ein fast schon märchenhaftes prozentuales Wachstum ergeben.

Allerdings erkennt die wahre Lage im Gastgewerbe erst, wer auf die absoluten Zahlen blickt: Von 100 Franken Umsatz vor Corona sind per Mitte 2020 noch 37 Franken übriggeblieben. Ob sich in Schweizer Restaurants, Hotels und Bars die Umsätze je aufs Vor-Corona-Niveau erholen werden, ist deshalb fraglich.

In Zeiten riesiger Schwankungen von Quartal zu Quartal empfehlen Experten deshalb, den Blick auf das absolute Niveau der Wirtschaftsleistung richten. Und dieses lag für die gesamte Wirtschaft im zweiten Quartal im Durchschnitt bei nicht ganz 90 Prozent des Volumens vor Corona-Zeiten. Auch die gesamte Schweizer Wirtschaft wird viel Zeit brauchen, um sich wieder auf 100 Prozent zu erholen.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

SRF 4 News, 27.08.2020, 8:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
    @jazz. Sie haben nicht mal den geposteten Link angeschaut, sonst haetten Sie naemlich gesehen, dass die Zahlen spezifisch mit oder ohne Coronafaelle dargestellt werden koennen. Es muss Sie ja nicht interessieren, aber dann fordern Sie doch nicht, noch mehr Informationen gefuettert zu bekommen, die Sie sowieso nicht anschauen.
  • Kommentar von Urs Graf  (U.G)
    schon interessant wie so ein riesen Einbruch der Wirtschaft und der damit verbundene enorme Arbeitsplatzverlust versucht wird zu relativieren. Dabei kommt die wirkliche Welle mit vermutlich 100'000den zusätzlichen Arbeitslosen erst noch. Aber es steht ja die MAI an und da muss natürlich der Ausblick über das ganze Ausmass unter dem Deckel gehalten werden. Ist ja alles gar nicht so schlimm..
  • Kommentar von Ulrike Schneider  (Uli)
    Vielleicht sollte man sich daran gewöhnen. Wenn man so weiterhin dem Normalbürger seine Existenz weg nimmt, mit immer weniger bekommen und stets immer mehr bezahlen. Dann wird es dauerhaft so weiter schrumpfen.
    1. Antwort von Max Roost  (MaxRoost)
      Recht haste ! Wenn nur die Oberen das auch begreifen würden
    2. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Das Problem, Herr Roost, ist ja, dass es zu viele der Unteren auch nicht begreifen und immer und immer wieder gegen ihre eigenen Interessen abstimmen.