Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Corona-Geschäftsideen der Hotellerie
Aus Rendez-vous vom 02.04.2020.
abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
Inhalt

Hotellerie reagiert auf Corona Ab in die Luxus-Isolation

Das Coronavirus macht erfinderisch. Teure Hotels und Residenzen offerieren nun spezielle Quarantäne-Angebote.

Die Sonne scheint direkt ins Zimmer 516 und der Zürichsee glänzt weit unten als Daniel Kost, Direktor des Hotels Belvoir in Rüschlikon (ZH), die Tür aufschliesst. «Das ist eines der Zimmer, das wir für Homeoffice vorbereitet haben.»

120 Franken pro Tag kostet das Homeoffice-Package im Belvoir. Schnelles Internet, Parkplatz vor dem Hotel, Tee, Kaffee, Mineralwasser sind inklusive. Das Mittagessen liefert die Hotelküche direkt aufs Zimmer, damit die Gäste keinen Kontakt zueinander haben.

Manche brauchen einen Rückzugsort

Das Angebot richtet sich an alle, die wegen Corona nun gezwungen sind, im Homeoffice zu arbeiten. «Es gibt Leute, die nicht die Möglichkeit haben, sich zu Hause zurückzuziehen. Sie brauchen einen Ort, wo sie konzentriert arbeiten können.»

Seit letzter Woche sei eine Handvoll Zimmer an Homeoffice-Nomaden vermietet worden. Ausserdem habe ein Gast ein paar Tage in Selbstquarantäne in einem der Hotelzimmer verbracht, sagt Hoteldirektor Daniel Kost.

Video
Homeoffice im Hotel
Aus SRF News vom 26.03.2020.
abspielen

Isolation im Luxussegment

Mit Corona-Quarantäne mit Hotel-Service wirbt derzeit auch Le Bijou, eine Anbieterin von Luxuswohnungen. In den Apartments an exklusiven Lagen in Zürich und anderen Städten verbringen normalerweise reiche Touristen ihre Schweiz-Ferien.

Weil diese nun ausbleiben, bietet Le Bijou seine Wohnungen für 14-tägige Quarantäne-Aufenthalte an – ab gut 500 Franken pro Nacht. Gegen Aufpreis werden Mahlzeiten geliefert und ein Privatkoch sowie ein Wäscheservice sind dazu buchbar.

Falls gewünscht, machen Spezialisten einer Privatklinik in der Wohnung Hausbesuche, wie Le Bijou-Mitinhaber Alexander Hübner sagt: «Man kann einen Check-up eines Arztes oder einer Pflegefachperson bestellen und man kann auch einen Corona-Test machen, sofern akute Symptome vorhanden sind.»

Natürlich würden dabei sämtliche Hygiene-Anforderungen des Bundes eingehalten, so Hübner. Derzeit sei ein halbes Dutzend der Quarantäne-Wohnungen besetzt.

Isolation statt Entzug

Auch die Zürcher Calda Clinic wirbt derzeit mit «Luxus-Quarantäne» für Privilegierte. Normalerweise behandelt die Privatklinik in ihren zwei grosszügigen Wohnungen mit Terrasse, Pool und Ausblick auf den Zürichsee reiche Klientinnen und Klienten aus dem Ausland wegen Depression oder Drogensucht.

Nun sollen die Wohnungen, wenn es die Gesundheitsdirektion zulässt, für Corona-Erkrankte zur Verfügung stehen, ebenfalls mit Arztbesuchen und speziellen Services. Laut Clinic-Chefin Claudia Elsig ist dies nur etwas für Leute mit dickem Portemonnaie: «Die kleinere Residenz kostet 3000 Franken pro Nacht, die grössere 3500 Franken pro Nacht. Und wenn Sie einen Koch und Butler mit personal-analysierter Ernährung möchten, wäre der 1'800 Franken pro Tag.»

Wegen der hohen Fixkosten sei die Luxus-Quarantäne aber kein grosses Geschäft, so Elsig. Auch bei den anderen Anbietern heisst es, die Corona-Packages seien vor allem Übergangslösungen, um in der jetzigen Flaute wenigstens einen minimalen Betrieb aufrecht zu halten. Wirklich entspannen werde sich die Situation in der Hotellerie aber erst wieder, wenn der Bund die Corona-Massnahmen lockere.

SRF 4 News, Rendez-vous, 02.04.2020

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marco Lee  (Marco Lee)
    Wie kann so etwas überhaupt legal sein? Wenn ich meine Wohnung untervermieten will, darf ich höchstens um 20% erhöhen. Aber mal so locker 500/Nacht verlangen... kein Problem.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Henri Jendly  (Henri Jendly)
      @Lee: im Normalfall kostet eine Übernachtung über 1'000 Franken pro Nacht. Le Bijou scheint die Appartements an Touristen zu vermieten (also eher ein Hotel als ein Wohnhaus). Ergo bieten sie einen stark reduzierten Kostensatz während der Coronakrise an. Was ist nun genau das Problem? Warum sollte das nicht legal sein? Ihre Kritik ist meines erachtens unbegründet. Wer es sich leisten kann, soll das doch tun dürfen. Man nennt das freies Unternehmertum.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nadine Müller  (Nadine Müller)
    Jemand der sich diese Preise leisten kann, hat doch wahrscheinlich auch genügend Wohnraum zur Verfügung? Sei's wie's will! Ärgerlich finde ich jedoch, dass man sich eine Firstclass medizinische Versorgung kaufen kann. In der aktuellen Situation sollte die medizinische Versorgung nicht einkommensabhängig sein und prioritär den schwersterkrankten zur Verfügung stehen. Man sollte sich auch keine Tests kaufen können
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Henri Jendly  (Henri Jendly)
      @Müller: letztlich ist immer das Geld das in einem kapitalistischen System regiert! Als kleiner Selbstständiger mit wenig Geld auf der hohen Kante erlebe ich das auch häufig mit den Behörden. Eine Steuerrevisorin erklärte es mir einst so: «Sie haben nicht genügend Kapital, um sich die Anwälte leisten zu können, die Sie bräuchten, um gegen uns anzukommen!». Noch Fragen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alfons Bauer  (frustriert)
    Wie schön, dass sich Butler und andere Angestellte in Lebensgefahr begeben und Corona-Infizierte bedienen müssen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Markus Schedler  (schedi)
      Herr Bauer, man begibt sich nicht in Lebensgefahr, wenn man sich mit dem Corona-Virus infiziert, zumindest nicht wenn man nicht alt und krank ist. Bitte nicht solche Panik-Aussagen verbreiten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Nadine Müller  (Nadine Müller)
      Sehr geehrter Herr Schedler, die Todesfälle in den umliegenden Ländern zeigen anderes auf. Es ist zwar seltener, aber es sterben auch junge und gesunde Menschen. In UK gab es nun schon mehrere Fälle von verstorbenen Kindern und Jugendlichen ohne Vorerkrankung. Er erste Patient in Italien ist Ende 30 und litt an keinen Vorerkrankungen. Er ist fast gestorben. Man darf keine Panik haben, aber Ihre pauschale Verniedlichung der Krankheit ist ebenso falsch.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Es ist ohne weiteres möglich, Essen an‘s Zimmer zu bringen und dieses hin und wieder zu reinigen, ohne sich anzustecken. Und eine Ansteckung ist für junge, gesunde Menschen äussert selten tödlich. Von „Lebensgefahr“ kann keine Rede sein. Tatsächlich bewegen sich ja immer noch Hunderttausende via ÖV an ihren Arbeitsplatz. Die Kassiererin im Supermarkt ist deutlich exponierter, als der Zimmerservice im Hotel. Und etliche Sportarten kosten mehr jungen Menschen das Leben als dieses Virus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen