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Thomas Jordan: «Direkte Zweckbindung des Nationalbankgewinns wäre problematisch»
Aus News-Clip vom 18.06.2020.
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Kampf gegen Coronakrise Die SNB macht auf unauffällig

Im Kampf gegen die Krise haben zahlreiche Notenbanken milliardenschwere Hilfsprogramme lanciert. Nicht so die Schweizerische Nationalbank SNB.

Einige Notenbanken haben schon fast hyperaktiv auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert, die die Weltwirtschaft abrupt aus dem Tritt gerissen hat. In den USA, in Europa oder auch in Asien haben Währungshüter reihum milliardenschwere Hilfspakete geschnürt und legen laufend nach: Sie senken ihre Zinsen, pumpen Liquidität in die Finanzmärkte, versorgen Banken mit Geld, kaufen Staats- und Firmenanleihen, gewähren Notkredite. Alles mit dem Ziel, der eigenen Volkswirtschaft unter die Arme zu greifen.

Und die Schweizerische Nationalbank SNB? Sie agiert vergleichsweise unauffällig. Sie stellt im Hintergrund, fernab der medialen Aufmerksamkeit, sicher, dass die hiesigen Banken genügend flüssige Mittel haben. Die brauchen sie, um notleidende Unternehmen mit Corona-Hilfskrediten zu versorgen. Das Risiko trägt aber nicht die Nationalbank, sondern der Bund.

Frankenstärke – schon lange ein Problem

Darüber hinaus tut die SNB das, was sie schon lange tut: Sie macht den Schweizer Franken für Anlegerinnen und Anleger möglichst unattraktiv. Dazu belässt sie beispielsweise den Negativzins unverändert bei -0,75 Prozent. Und sie interveniert weiterhin am Devisenmarkt: Sobald der Franken zu stark wird, kauft sie Fremdwährungen auf, um so den Franken künstlich zu schwächen.

Die Rechnung der SNB geht auf: Der starke Franken ist derzeit einigermassen unter Kontrolle, die Zusammenarbeit mit Bund und Banken funktioniert, die Hilfsmassnahmen greifen. Und die SNB hegt gar die Hoffnung, die Schweiz könnte das Schlimmste bereits hinter sich haben.

Spielraum begrenzt

Der Grund: Sie SNB mag zwar nur zurückhaltend mit Hilfsmassnahmen auf die Pandemie reagiert haben. Sie hat aber schon zuvor während Jahren enorm viel getan, um die Schweizer Wirtschaft zu stützen.

Sie kämpft eisern gegen einen allzu starken Franken: Dazu hat sie rekordtiefe Negativzinsen verhängt, und sie hat einen gigantischen Devisenberg angehäuft von mittlerweile über 800 Milliarden Franken – beides ist, gemessen an der Landesgrösse, in diesem Ausmass weltweit einzigartig. Aber eben: Das war schon vor der Pandemie so.

Was ist, wenn…?

Deshalb stellt sich nicht nur bei ausländischen Notenbanken, sondern auch bei der SNB die Frage: Was ist, wenn sich die Coronakrise noch einmal verschärft?

Dann könnte sichtbar werden, dass der Spielraum der SNB für weitere massive Hilfen begrenzt ist. Nicht wegen neu lancierter Corona-Hilfen, sondern wegen den schon seit Jahren laufenden Stützungsmassnahmen.

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

Heute Morgen vom 18.06.2020, 6.00 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Gemäss Herr Jordan hat die SNB unbeschränkte Mittel zur Verfügung und eine Depression wie 1929 werde es nie mehr geben. Mit den Geldfluten der FED, EZB und SNB werden wir eine Japanifizierung in Europa entwickeln. Freie Märkte gibt es nicht mehr indem die Notenbanken nun alles steuern. Anleihenmarkt ist tod, den wer will Anleihen kaufen die mehr kosten als man zurückerhält und das bei Null Zins. Da Notenbanken sämtliche Schulden aufkaufen, bleibt Investoren noch der Aktienmarkt und Immobilien.
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Bitte Herr Jordan keine Gelder von
    Der Nationalbank
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  • Kommentar von Oliver Gawlowski  (Oliver Gawlowski)
    sie kauft eben nicht nur devisen sondern auch immer vermehrt aktien ausl. unternehmen und das bedeutet sie wird eigentuemerin; das sind schon drastische eingriffe in den markt und treibt die kurse an. man muss sich fragen was das mit geldstabilitaet zu tun hat! hoffe sie hat die wirecard nicht im portfolio!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Woher haben Sie Ihre Info? Die Quelle dieser Aussage ist in diesem Fall sehr wichtig. Kann die Aussage aufgrund der Zuverlässigkeit der Quelle als wahrscheinlich eingestuft werden, dann verlässt m.E. die Nationalbank mit dieser Tätigkeit ihren Grundauftrag. Das zu korrigieren müsste im Interesse verschiedener Wirtschaftsverbände und Parteien liegen. Von Anstrengungen in diese Richtung habe ich bislang nirgends etwas gehört oder gelesen. Haben diese andere Quellen als Sie, Herr Gawlowski?
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