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Postauto: Wegen Reserven keine Coronahilfen vom Bund
Aus HeuteMorgen vom 22.01.2021.
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Keine Staatshilfe nötig Postauto fuhr mit vollem Reservetank in die Krise

Die ÖV-Unternehmen leiden unter der Coronakrise und brauchen Hilfe vom Staat. Postauto allerdings kann die Verluste für 2020 aus eigener Kraft stemmen – dank rekordhohen Reserven.

Trotz einbrechender Passagierzahlen müssen Verbindungen via öffentlichen Verkehr bis in den hintersten Winkel des Landes sichergestellt werden. Das macht Postauto zu schaffen. Neu kommen auch noch die Auswirkungen der Pandemie hinzu.

Urs Bloch, der Mediensprecher von Postauto, schildert gegenüber Radio SRF erstmals eine Grössenordnung: «Wir gehen im Moment davon aus, dass wir einen Ertragsausfall von etwa 50 Millionen Franken im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie haben.»

Wegen Reserven keine Staatshilfe für Postauto

Eigentlich hat das Parlament zur Unterstützung des öffentlichen Verkehrs in der Coronakrise ein Hilfspaket geschnürt. Doch Postauto werde für 2020 vermutlich gar nicht auf diese Staatshilfe angewiesen sein, so Sprecher Bloch.

Der Grund: Postauto fuhr gewissermassen mit vollem Reservetank in die Krise. «Unsere Reserven sind gross genug, dass wir diesen Verlust aus diesen Reserven decken müssen», sagt Bloch weiter. 50 Millionen Franken habe Postauto in den letzten 20 Jahren zurückgelegt – gerade etwa so viel, wie der coronabedingte Ertragsausfall im 2020 betrage.

Die grosse Reserve könnte nach der Postauto-Affäre durchaus Misstrauen wecken, doch der Betrag sei dem Bund bekannt und in Ordnung, erklärt das Bundesamt für Verkehr auf Anfrage.

Nun muss Postauto den Notgroschen zum Abbau des Coronadefizits verwenden. So schreibt es das ÖV-Hilfspaket des Bundes vor. Danach ist der Postautoreservetank leer. Für 2021 werde Postauto daher wohl auf das staatliche ÖV-Hilfspaket angewiesen sein, so der Postauto-Sprecher.

Rückstellungen bei den Bundesbahnen im Minus

Anders präsentiert sich die Lage bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB): Ihre Reserven lagen per Ende 2019 im Minus, wie die aktuellsten verfügbaren Geschäftszahlen zeigen.

Zudem habe Corona letztes Jahr einen Umsatzeinbruch von anderthalb Milliarden Franken verursacht, teilten die SBB mit. Detaillierte Angaben zu den finanziellen Auswirkungen der Coronakrise wollen die SBB an ihrer Bilanzmedienkonferenz im März präsentieren.

Fehlende Rücklagen auch bei einigen Regionalbahnen

Auch bei der BLS beispielsweise seien die Reserven unter null, schreibt das Berner Verkehrsunternehmen auf Anfrage. Entsprechend wird nun im aktuellen Teil-Shutdown von Linksparteien der Ruf nach einer Aufstockung der ÖV-Hilfe laut.

Die Verkehrskommission des Nationalrates gab den Anschub fürs erste Hilfspaket. Michael Töngi (Nationalrat Grüne) ist ihr Präsident. Er persönlich sagt: «Wir haben wieder einen starken Rückgang der Pendlerinnen und Pendler und allgemein weniger Passagiere im öffentlichen Verkehr. Ich denke daher, dass es für 2021 ein zweites Paket brauchen wird.»

Etwas detaillierter lässt sich die Lage in ein paar Wochen einschätzen, wenn die Transportunternehmen ihre Jahreszahlen veröffentlichen.

Das ÖV-Coronahilfspaket im Detail

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Zur Unterstützung des öffentlichen Verkehrs in der Coronakrise hat das Parlament im Herbst ein Hilfspaket von rund 900 Millionen Franken geschnürt. Etwa ein Drittel davon ist für den regionalen Personenverkehr bestimmt.

Der Rest geht an den Bahngüterverkehr, Bahninfrastruktur, Ortsverkehr und touristischen Verkehr. Darüber hinaus forderte die Ratslinke im Herbst auch Coronafinanzhilfen für den Fernverkehr, unterlag damit aber. Offenbar hatten nicht einmal die SBB selber Coronaabgeltungen für den Fernverkehr verlangt – gemäss den Angaben eines Kommissionssprechers im Parlament.

Nun aber bringt der Verkehrspolitiker Michael Töngi (Grüne) und Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission diese Forderung vom Herbst erneut auf den Tisch: Allenfalls brauche es jetzt, angesichts der Dauer der Krise, auch eine Unterstützung des Fernverkehrs. Die SBB selber wollen sich zu dieser Frage an ihrer Bilanzmedienkonferenz im März äussern, wie sie auf Anfrage erklärt.

HeuteMorgen, 22.01.2021, 6.00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Und plötzlich sind wir alle wieder froh, dass Postauto Gewinne gemacht hat und dadurch Reserven bilden konnte. Wie hiess es noch vor 2 Jahren im sogenannten "Postauto-Skandal". Öffentliche Betriebe dürfen keine Gewinne machen, heulten viele Schweizer auf. Keine Gewinne heisst dann aber auch keine Reserven. Man fährt also permanent mit dem Reservetank herum und wenn der leer ist, macht man die hohle Hand. Ein Staatsbetrieb kann ja schliesslich nicht bankrott gehen. Der Staat soll zahlen.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Ich möchte in Erinnerung rufen, dass es sich beim Postautoskandal um einen Subventionsbetrug handelte.
  • Kommentar von Marcel Hauser  (Nyota)
    50 Millionen kann in den heutigen Grössenordnungen mit der Trinkgeldtasche bezahlt werden. Wenn Postauto nächstes Jahr auch einen Verlust macht, dann sollte und wird der Staat das übernehmen. Wenn so die Grundversorgung des öffentlichen Verkehrst aufrecht erhalten bleibt, dann lohnt sich das. Das Geld wird anderswo auf jeden Fall unnützer ausgegeben.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die anhaltende Pandemie, zeigt - auch der Schweizer Bevölkerung, dem gesamten Verwaltungsapparat, Wirtschaft- Weltwirtschaft, Gewerbe - einmal mehr sehr deutlich auf, wie immens wichtig "finanzielle Rückstellungen, Ersparnisse" sind! "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not"!
    1. Antwort von Katica Öri  (Katiöri)
      Nicht jeder kann genug sparen für die Krise einige können leben mit dem Einkommen bzw. Gewinn jedoch für sparen nicht genug. Wenn diese Gruppen Konkurs gehen kostet den Allgemeinheit viel mehr als wenn wir sie unterstützen. Rückstellungen ist nicht = flüssiges Geld!