Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der deutsche Strommix ist deutlich grüner als sein Ruf. Was bedeutet das für die Debatte in der Schweiz?
Aus HeuteMorgen vom 12.02.2021.
abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Inhalt

Kritik am Strommix Strom aus Deutschland ist sauberer als sein Ruf

Die Umweltschutzorganisation WWF sagt, der deutsche Strom sei gar nicht so unsauber. Kann die Schweiz davon profitieren?

Besonders folgendes Argument über das vermeintlich negative Image des Strommixes in Deutschland kursierte bislang: Wärmepumpen oder Elektroautos seien nicht so umweltfreundlich, wie sie scheinen, denn an kalten Wintertagen seien auch sie auf fossilen Dreckstrom angewiesen.

Ein Blick auf die deutsche Emissionsbilanz von Treibhausgasen pro Kilowattstunde Strom zeigt, dass die Kurve steil nach unten gehe, sagt der WWF. Die Werte haben sich in den letzten neun Jahren nämlich fast halbiert: von knapp 600 Gramm auf noch gut 300 Gramm.

Enorme Investments für grüneren Strom

Was es mit der Halbierung auf sich hat, weiss Elmar Grosse Ruse. Er ist Energie- und Klima-Experte bei WWF Schweiz und erklärt, dass Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten massiv in erneuerbare Energien investiert habe.

WWF-Klimaexperte Elmar Grosse Ruse vor einem Energiewerk
Legende: Der WWF-Klimaexperte Elmar Grosse Ruse erklärt den zunehmend sauberer werdenden Strom aus Deutschland mit den Investitionen der vergangenen 20 Jahre, die das Land in erneuerbare Energien getätigt habe. SRF/Archiv

In unserem Nachbarland sind unzählige neue Solaranlagen und Windräder gebaut worden. Zugleich werden dort immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet. Zusammen führt das dazu, dass der Strommix immer sauberer wird.»

Erstaunlich ist, dass der deutsche Strommix dank der vielen neuen Windräder seit kurzem im Winter gar sauberer ist als im Sommer. Der Grund dafür ist der zusätzliche Strom, den Windräder dank Winterstürme liefern.

Profitiert die Schweiz vom deutschen Strommix?

Auch Ueli Bamert von der Vereinigung der Schweizer Brennstoffhändler Swissoil räumt stellenweise ein, dass das Argument über eigentlich klimaunfreundliche Elektroautos und Wärmepumpenverliert an Kraft verliere.

Der Swissoil-Geschäftführer sagt zwar, dass es immer noch und teilweise seine Gültigkeit habe, dass der Strom nicht ganz dreckfrei sei. Er ergänzt: «Noch ist dieser Strom nicht frei von CO2. Der Schweizer Strom, der wäre frei von CO2. Aber er wird knapper. Insofern sind wir zukünftig immer mehr auf Importe angewiesen.»

Ueli Bamert, SVP-Wahlkampfleiter und Chef von Swissoil, spricht anlaesslich der Pressekonferenz der CVP, FDP und SVP ihrer "Top5-Kandidaten" zur aktuellen links-gruenen Stadtpolitik, aufgenommen am Dienstag, 13. Februar 2018 in Zuerich.
Legende: Der Geschäftsführer und SVP-Mitglied Ueli Bamert gesteht ein, dass der Strom aus Deutschland doch nicht so dreckig sei. Aber befreit von CO2 wie der Schweizer Strom sei er ja auch nicht. Keystone/Archiv

Tatsächlich ist deutscher Strom im Durchschnitt nach wie vor rund zehnmal klimaschädlicher als der schweizerische. Und ob deutscher Strom auch künftig immer in genügendem Umfang zur Verfügung steht, ist offen. Besonders, wenn in der Schweiz und in Deutschland immer mehr Elektroautos fahren, Wärmepumpen laufen und gleichzeitig die Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Unterschiedliche Lösungsansätze für die Schweiz

Swissoil plädiert für Strom aus Wasserstoff, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Der WWF hingegen ist überzeugt, dass die Schweiz weniger Strom verschwenden und gleichzeitig selber mehr erneuerbare Elektrizität in Form von Sonnenstrom produzieren sollte.

HeuteMorgen, 12.02.2021, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es gibt keinen Strom aus Wasserstoff. Das sollte ein Hr. Bamert eigentlich wissen. Wasserstoff ist selber ein Stromverbraucher. Also je weniger Wasserstoffanwendungen desto weniger Stromvergeudung.
    Aber klar, irgendwie muss Hr. Bamert ja versuchen sein Business zu schützen.
    Und ein paar fallen imer auf die Masche herein.
    Übrigens: Es dürfte ja klar sein, dass auch der CH-Strommix nicht CO2-frei ist! Wie sollte er?
  • Kommentar von Marco Knubel  (DrGalaxy)
    Logisch will Swissoil lieber Wasserstoff, denn der lässt sich auch aus Erdgas herstellen.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Auch bei der Herstellung aus Erdgas wird vermutlich noch zusätzlich elektrische Energie in den Prozess reingesteckt!
  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Eine erstaunliche Aussage, dazu schauen Sie auf der HP von Agorameter Stromerzeugung und Stromverbrauch. Da kann man exakt sehen, wieviel Strom benötigt und wie produziert wird. Solar und Windkraft ist heute geradezu minim im Gesamtverbrauch.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      In der Schweiz ja. Aber in D ist der Anteil inzwischen beträchtlich. Aber in der CH haben wir viel Wasserkraft, und diese wird auch als Erneuerbar gezählt, was ja auch total Sinn macht.
      Und in D läuft die Verbesserung des Mix natürlich nicht bloss über die Steigerung von Wind und Solar, sondern auch über die Substitution von Kohle durch Gas. Wurde bloss im Artikel nicht so prominent dargestellt.