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SNB lässt Leitzins unverändert
Aus Rendez-vous vom 19.09.2019.
abspielen. Laufzeit 05:37 Minuten.
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Leitzins-Entscheid Die Nationalbank behält ruhig Blut

Am Konjunkturhimmel sind dunkle Wolken aufgezogen. Die europäische und die amerikanische Notenbank haben als Reaktion darauf ihre Zinsen in den letzten Tagen gesenkt. Nicht so die Schweizerische Nationalbank (SNB). Sie zieht nicht nach. Im Gegenteil: Sie lockert gar den Anwendungsbereich ihrer Negativzinsen.

Damit kommt sie – gewollt oder ungewollt – den Banken entgegen: Die hatten in letzter Zeit öffentlich und laut über die Last der Negativzinsen geklagt. Die jährlichen Kosten von zwei Milliarden Franken fallen denn auch durchaus ins Gewicht. Sie zehren noch zusätzlich an den ohnehin schon geschrumpften Bankmargen.

Die Banken freut es

Die Nationalbank will ihr Handeln aber keineswegs als Entgegenkommen für die Banken interpretiert wissen. Und tatsächlich dürfte das öffentliche Wehklagen der Schweizer Banken nur einer von mehreren Gründen gewesen sein, welche die Währungshüter rund um Präsident Thomas Jordan zu ihrem Schritt bewogen haben.

Schon seit mehreren Monaten läuft unter Ökonomen eine Debatte über Kosten und Nutzen dieses unkonventionellen Instruments der Geldpolitik: Helfen Negativzinsen wirklich, Anleger aus Franken-Anlagen zu vertreiben, motivieren sie Unternehmen tatsächlich zu investieren und kurbeln sie effektiv die Wirtschaft an? Oder überwiegen nicht die volkswirtschaftlichen Kosten der Negativzinsen, etwa weil die Vorsorgeinstitutionen unter den gedrückten Anlagerenditen ächzen?

Nützt es oder schadet es mehr?

Es scheint, als habe auch die SNB ihre Kosten-Nutzen-Berechnung rund um die Negativzinsen erneuert. So betont SNB-Präsident Thomas Jordan sehr deutlich, dass er mit seiner jüngsten Massnahme ganz bewusst die Kosten der Negativzinsen auf ein Minimum beschränken will.

Und Jordan kombiniert das mit der ungemütlichen Warnung, dass die Negativzinsen noch sehr lange fortbestehen werden. Diese Erkenntnis ist zwar weder neu noch überraschend. Aber es ist eine schlechte Nachricht für alle Sparerinnen und Sparer sowie für die Vorsorgewerke.

Pulver nicht voreilig verschiessen

Während die europäische und die amerikanische Notenbank ihre Krisenmassnahmen jüngst also ausgeweitet haben, hält die Schweizerische Nationalbank still. Sie wartet ab, behält die noch verbliebenen Kriseninstrumente in der Hinterhand. So will sie gewappnet sein, falls die Schweizer Wirtschaft wider Erwarten doch noch in eine Rezession rutschen sollte.

Eveline Kobler

Eveline Kobler

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Eveline Kobler ist seit 2007 bei Radio SRF und leitet seit Dezember 2016 die Wirtschaftsredaktion von Radio SRF.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Wenn man eine Grube gebraben hat und die Gefahr besteht hineinzufallen ist doch die Loesung nicht die Grube groesser zu machen. Jedes weitergraben vergroessert die unausweichliche Finanz- und Wirtschaftskatastrophe. Das System muss so oder so gesaeubert werden. Also je früher je besser.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Gestern hat die amerikanische FED ploetzlich zwischen 55 und 85 Milliarden Dollar in den Markt geschleust um ein Liquiditaetsproblem kurzfristig zu beheben, das das gesamte Finanzsystem in Gefahr haette bringen koennen. Geld wurde natürlich aus heisser Luft geschaffen. Nachdem die EZB die Zinsen weiter senkt und mit Geld aus heisser Luft monatlich für20 Milliarden Euro Anleihen kaufen will ist wohl klar dass die SNB in diesem Konzert keine grosse Geige spielt. Wir sind Untertanen dieser Maechte.
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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Im letzten Satz steht geschrieben, die SNB hat (noch) nicht alles Pulver verschossen und will diesbezüglich gegen allfällige Rezessionen gewappnet sein. Ich sehe das kritisch an, denn wenn es eine Rezession gibt, dann bleibt nur der Weg noch tiefer in die Minuszinsen zu gehen. Wenn es eine Finanzkrise gibt, dann bleibt auch nur der Weg noch tiefer in die Minuszinsen zu gehen. Ich verstehe nicht ganz, was das mit "gewappnet sein" zu tun hat, zumal der Zins ja auch nicht wieder zu steigen scheint?
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