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Iwan Lieberherr: «SNB hat keinen akuten Handlungsbedarf»
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.09.2019.
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SNB Zinsentscheid Nationalbank belässt Leitzins auf minus 0.75 Prozent

  • Die Schweizerische Nationalbank SNB hat entschieden, den Leitzins auf minus 0.75 Prozent zu belassen.
  • Sie gewährt den Banken aber höhere Freibeträge, was zu Mindereinnahmen bei der SNB führen wird.
  • Die SNB reagiert damit auf den Entscheid der US-Notenbank Fed vom Mittwoch, den Zins um einen Viertel Prozentpunkt zu senken.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erneuert ihre expansive Geldpolitik. Der Zinssatz für Giroguthaben bleibt bei minus 0.75 Prozent, während der im Juni letzten Jahres eingeführte Leitzins auf dem gleichen Niveau gehalten wird. Der Franken bleibe aber «hoch bewertet», teilte die SNB mit.

In ihrer Pressemitteilung bekräftigte die Nationalbank ihre Bereitschaft, gegebenenfalls am Devisenmarkt zu intervenieren, um der Situation für alle Währungen Rechnung zu tragen. Nach Angaben der SNB bleibt die Situation auf dem Devisenmarkt fragil und der Franken hat sich aufgewertet.

Aktuell kostet ein Euro 1.0973 Franken. Die Notwendigkeit einer expansiven Geldpolitik bleibt aufgrund der jüngsten internationalen Entwicklungen und der Inflationsaussichten in der Schweiz bestehen, wie die SNB mitteilt.

Japans Zentralbank hält an Geldpolitik fest

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Die japanische Zentralbank hält an ihrer extrem lockeren Geldpolitik fest. Weder änderte sie etwas an ihrer Zinskurvenkontrolle, mit der sie sowohl die kurz- als auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen steuern will. Noch wurden die Mengen an Wertpapieren, die sie regelmässig von den Banken kauft, geändert. Das teilte die Bank of Japan nach ihrer zweitägigen Sitzung mit.

Eine Änderung nimmt die Nationalbank an ihrer Politik trotzdem vor. Sie ändert die Berechnungsgrundlage für den Negativzins. Diese Anpassung führe dazu, dass der Freibetrag für das Bankensystem steige und die Negativzinseinnahmen der SNB sinken würden, schreibt sie. Die neue Freibetragsberechnung tritt demnach per 1. November 2019 in Kraft.

Inflations-Prognosen angepasst

Abgesehen davon hat die SNB ihre Wachstumsprognose gesenkt. Sie geht für 2019 neu von einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von «0.5 bis 1.0 Prozent» aus. Im Juni war noch von «rund 1.5 Prozent» die Rede.

Die kurzfristigen (bedingten) Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Juni deutlich nach unten angepasst. Für 2019 geht die SNB neu von einer Inflation von +0.4 Prozent aus (alt: +0.6%). Für 2020 werden nun +0.2 Prozent (alt: +0.7%) und für 2021 +0.6 Prozent (alt: +1.1%) prognostiziert.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr

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Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Iwan Lieberherr

Das Abwarten der Nationalbank ist verständlich. Erstens wächst die Schweizer Wirtschaft nach wie vor, wenn auch nicht mehr ganz so dynamisch wie auch schon. Sie ist aber nicht im Notfallmodus. So drängt sich keine weitere Lockerung der Geldpolitik auf, um die Wirtschaft anzuschieben. Zweitens: Mit Blick auf die Frankenstärke gibt es auch keinen akuten Handlungsbedarf. Der Franken ist zwar stark. Die Entscheide der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank EZB könnten ihn für Investoren sogar noch attraktiver machen, weil es im Dollar- und Euroraum weniger Zins gibt. Es ist aber umstritten, wie weit die bereits bestehenden Negativzinsen überhaupt noch helfen können, eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern, und ob ein weiterer kleiner Schritt tiefer ins Minus überhaupt noch wirksam wäre. Die Negativzinsen haben zudem Nebenwirkungen. Nicht zuletzt leiden die Pensionskassen darunter, weil ihr die Zinseinnahmen fehlen. Und auch den Geschäftsbanken macht das Negativzinsumfeld das Leben schwer.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Waldeck  (kdwbz)
    Anstatt den Banken generell höhere Freibeträge zu gewähren wäre es für unsere Sozialsysteme sicherlich erheblich besser deren Geldreserven vom Negativzins zu befreien , oder eben die Banken verpflichten diese Freibeträge für die Geldanlagen unserer Solzialsysteme zu verwenden .
    Ich frage mich wieso sich bis jetzt KEIN Politiker in Bern dafür stark gemacht hat.
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  • Kommentar von rene merlo  (1802)
    @flower Lena, ihre Ansicht gefällt und beruhigt zugleich. Und gut möglich, haben Sie dazu auch noch recht. Nicht viele dünkt es, dass wir uns in eine Witschaftsblase begeben, vielmehr aber, dass diese riesig ist und demnächst platzen könnte. Ihre Formulierung trifft den Nagel auf den Kopf, denn... Nobody has the slightest idea of ​​the future! Und gerade dieser Aspekt zwingt eben jeden einzelnen Bürger, seine vergrauten Hirnzellen mal wieder so richtig in Schwung zu bringen, um Weise vorzusorgen
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Der Derivatemarkt ist so gross wie der Pazifik und für alle anderen Geschäfte bleibt eine Geldsumme so gross wie das Mittelmeer. Ist das nicht Pervers? Die ganze Welt muss mit dem Mittelmehr auskommen wobei den Reichen der Pazifik gehört. Für wen ist eigentlich das Geld da. Oder das Wasser, nicht für uns alle?
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