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Nach ungewisser Zukunft US-Geschäft von Tiktok unter Dach und Fach

  • Monatelang drohte dem US-Geschäft der Social-Media-Plattform Tiktok das Aus.
  • Jetzt ist es offiziell in eine neue Firma überführt worden.

Der bisherige Eigentümer Bytedance behält einen Anteil von knapp 20 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen Tiktok USDS. Damit scheint die Zukunft von Tiktok in den USA gesichert.

Laut Financial Times soll Bytedance auch weiterhin die Kontrolle über die Werbeeinnahmen und über das Online-Handelsgeschäft von Tiktok in den USA behalten. Der Softwarekonzern Oracle sowie die Finanzfirmen Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu Dhabi halten jeweils 15 Prozent.

Unter den weiteren Investoren sind der Computer-Unternehmer Michael Dell sowie der französische Unternehmer Xavier Niel. Chef des neuen Gemeinschaftsunternehmens wird Adam Presser, der bereits zuvor bei Tiktok aktiv war. Tiktok-Chef Shou Zi Chew hält einen der sieben Sitze im Verwaltungsrat. Anders als von Trump einst angedeutet ist Medienmogul Rupert Murdoch nicht dabei.

Keine Änderungen für Userinnen und User

Auf den Betrieb der Plattform ausserhalb der USA soll das Geschäft keine Auswirkungen haben. Offiziell geht es «nur» um die rund 170 Millionen Tiktok-Nutzerinnen und -Nutzer in den USA. Im Hintergrund gibt es jedoch Sorgen, dass der Algorithmus angepasst werden könnte, etwa um den kommerziellen oder politischen Interessen der neuen Eigentümer zu dienen.

Nahaufnahme eines Fingers, der auf das TikTok-Symbol auf einem Bildschirm zeigt.
Legende: 170 Millionen Tiktok-Nutzerinnen und -Nutzer: Fast jede zweite Person in den Vereinigten Staaten nutzt die Plattform. Reuters/Dado Ruvic

Auch die Frage, ob weiterhin Daten nach China abfliessen oder umgekehrt chinesische Propaganda in den USA verbreitet werden könnte, bleibt offen. Unklar ist zudem, welche Folgen es für Nutzerinnen ausserhalb der USA, also auch in der Schweiz hätte, wenn der Algorithmus geändert würde.

Sorge vor chinesischer Spionage

Vor rund einem Jahr trat in den USA ein Gesetz in Kraft, das verlangte, dass sich Bytedance von der Kontrolle über das US-Geschäft trennen musste, damit die Plattform weiterhin in den USA aktiv sein darf. Grund waren Sorgen der US-Behörden über den Einfluss Chinas – denn: Bytedance hat seine Zentrale in Peking. Unter anderem wurde befürchtet, dass chinesische Behörden sich Zugang zu Daten von US-Amerikanerinnen und -Amerikanern verschaffen oder die öffentliche Meinung in den USA manipulieren könnten.

Das Gesetz geht noch auf Joe Biden zurück. US-Präsident Donald Trump setzte gleich zu Beginn seines Amtsantritts im Januar die Umsetzung des Gesetzes aus und verlängerte die Fristen für die Transaktion immer wieder.

Tiktok als Teil des geopolitischen Tauziehens

Warum sich der Verkauf des US-Geschäfts so lange hinzog, hat laut Wirtschafts­redaktor Klaus Bonanomi vor allem politische Gründe. Das Verhältnis zwischen den USA und China ist kompliziert. Wirtschaftlich oder juristisch hätte man sich rascher einigen können, sagt Bonanomi. In Washington galt die Plattform offenbar auch als Verhandlungsmasse gegenüber Peking.

Hinzu kommt die innenpolitische Dimension: US-Präsident Donald Trump rühmte sich öffentlich, zur Lösung beigetragen zu haben: Mit Larry Ellison, dem Oracle-Gründer und engen Trump-Unterstützer, kam ein zentraler Akteur an Bord.

«All diese politischen Einflüsse dürften eine Rolle gespielt haben, dass das nicht einfach so über die Bühne gegangen ist. In den USA wurde auch schon die Befürchtung geäussert, dass Tiktok künftig statt chinesischer Regierungspropaganda einfach US-amerikanische verbreiten könnte», sagt Klaus Bonanomi.

SRF 4 News, 23.01.2026, 03:00 Uhr ; 

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