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Boeing soll schon vor den Unfällen von den Problemen gewusst haben
Aus SRF News vom 29.10.2019.
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Nach zwei 737-Max-Abstürzen Boeing hofft weiter auf Wiederzulassung vor Jahresende

Die US-Luftfahrtbehörde lässt den Zeitpunkt für den Neustart völlig offen. Für den Konzern wachsen die Kosten täglich.

Vor einem Jahr stürzte ein Flugzeug des Typs Boeing 737-MAX in Indonesien ab. Ein halbes Jahr darauf traf es das gleiche Flugzeugmodell in Äthiopien. Es gab insgesamt 356 Tote.

Probleme mit Sensoren und Software bestätigt

Der Abschlussbericht zum Lion-Air-Absturz wurde am letzten Freitag in Jakarta veröffentlicht. Im Zentrum geht es um Sensoren und um Software, die nicht richtig funktionierten und den Piloten falsche Angaben ins Cockpit lieferten. Die Piloten reagierten in der Folge falsch, worauf die Maschinen abstürzten.

Lion-Air-Flug 610: Nurcahyo Utomo präsentierte in Jakarta den Abschlussbericht zum Absturz der Boeing 737 Max.
Legende: Lion-Air-Flug 610: Nurcahyo Utomo von der indonesischen Luftfahrtbehörde präsentierte kürzlich in Jakarta den Abschlussbericht zum Absturz. Keystone/Archiv

Der Boeing-Konzern rechnet bereits jetzt mit Kosten von mindestens acht Milliarden Dollar für Reparaturkosten, Ersatzzahlungen und Entschädigungen, wie SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim sagt. Die Kosten wurden in den letzten Quartalsberichten laufend nach oben angepasst.

Tausende offene Bestellungen

Jeder zusätzliche Tag des Groundings der bereits ausgelieferten 371 Maschinen kostet weiteres Geld. Nicht zuletzt wegen möglicher Schadenersatzzahlungen an die Fluggesellschaften, die ihre Boeing 737 Max nicht einsetzen können. Für einige Airlines sind die Einbussen erheblich, etwa für die US-Gesellschaft South West Airlines oder die Norwegian, deren Flotten zu einem wesentlichen Teil aus Boeing 737 Max bestehen.

Dutzende 737-Max-Maschinen der Southwest Airlines sind in Victorville in Südkalifornien parkiert.
Legende: Dutzende 737-Max-Maschinen der Southwest Airlines sind in Victorville in Südkalifornien parkiert. Keystone/Archiv

Es geht aber auch um über 4000 Bestellungen dieses Flugzeugtyps, die noch offen sind. Sie machen rund 80 Prozent sämtlicher Aufträge aus. Die 737 Max sollte zum Verkaufsschlager von Boeing werden.

Boeing möchte vor Jahresende wieder starten

Die Reparaturen dauern länger als ursprünglich angenommen. Seit sich die Hinweise verdichtet haben, dass in beiden Fällen dieselben Absturzursachen vorliegen könnten, war relativ schnell klar, dass nicht individuelle Pilotenfehler vorliegen, sondern etwas Grundsätzliches am Flugzeug nicht stimmt.

Jetzt muss Boeing den Beweis erbringen, dass dieses System einwandfrei funktioniert. Boeing geht immer noch davon aus, die Zulassung vor Jahresende wiederzuerhalten und starten zu können. Allerdings sagte die US-Luftfahrtbehörde (FAA) ganz klar, dass die Maschine erst wieder abhebt, wenn sie sicher ist, und lässt den Zeitpunkt noch völlig offen.

Auch Zulassungsbehörde ist unter Druck

Die Zulassungsbehörden wollen ganz sicher sein, dass das System einwandfrei funktioniert. Denn mit den beiden Abstürzen ist auch die Behörde selbst in die Kritik geraten, die bisher bei der Zulassung von neuen Flugzeugen als sehr gewissenhaft und sehr streng galt.

Den bei den Untersuchungen hat sich auch gezeigt, dass Federal Aviation Administration (FAA) 40 Prozent und mehr der ganzen Zulassungsverfahren an Boeing delegiert hatte. Boeing hat damit einen erheblichen Teil seines Flugzeugs gleich selber zertifiziert. «Es ist also davon auszugehen, dass Boeing seine Flugzeuge künftig nicht mehr selber lizenziert und die Experten strenger hinschauen», sagt Heim.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Lesek Hottowy  (Lhot)
    Es ist 356 - facher Mord und darauf stehen entsprechende Strafen. Wann werden die Boeing Verantwortlichen angeklagt und verurteilt?
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    1. Antwort von Samuel Müller  (Samuel Müller)
      Zum Glück haben wir seit einiger Zeit die Lynchjustiz abgeschafft.
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  • Kommentar von P Gasser  (pasgas)
    Die 737 Max liegt nicht stabil in der Luft. Es bräuchte eine Anpassung am Rumpf, denn durch die grossen Triebwerke ist der Schwerpunkt ungünstig verschoben. Boeing wollte die Kosten einer Neuentwicklung und Zertifizierung einsparen und versuchte mittels Software das Flugzeug stabil in der Luft zu halten. Die Behörde sollte für diesen Typ die Zulassung für immer verweigern.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Am 29. Oktober 2018, wurden die Piloten von Lion-Air-Flug 610 kurz nach dem Start voneinem ungewöhnlichen Verhalten ihrer 737 Max überrascht: Ohne ihr Zutun senkt sich die Nase der Maschine immer wieder ab und leitet so selbstständig einen Sinkflug ein.Dreizehn Minuten nach dem Start stürzt die Maschine ins Meer. Was die Piloten damals nicht wussten: Es ist das MCAS-System, das gegen sie arbeitet.Ein Sensor misst während des Starts den Anstellwinkel. Ist er zu steil, droht ein Strömungsabriss.
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