Zum Inhalt springen

Header

Audio
Helfen Pandemie-Bonds?
Aus Echo der Zeit vom 20.04.2020.
abspielen. Laufzeit 02:47 Minuten.
Inhalt

Pandemie-Bonds der Weltbank Gut gemeint, aber mit beschränkter Wirkung

MIt viel Tamtam angekündigt, macht sich Ernüchterung breit: Private Investoren profitieren – ärmere Länder wohl kaum.

Die Pandemie-Bonds der Weltbank sind eine Art Versicherung. Sie wird ausgezahlt, wenn der Versicherungsfall eintritt – also die Pandemie ausbricht. Könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht. Tatsächlich sind die Hürden für die Auszahlung dieser speziellen Versicherung, in der privates Geld steckt, extrem hoch.

Erst jetzt, viele Wochen nach Ausbruch der Corona-Krise, sind die vielen Bedingungen erfüllt. Demnach musste es unter anderem mindestens 2500 Tote geben, mehr als 20 davon ausserhalb des Ursprungslandes der Pandemie. Und nun dauert es noch einmal vier Wochen, bis das Geld an die Länder verteilt wird.

Fürstliche Risikoaufschläge

Dabei hatte die Weltbank versprochen, mithilfe der Pandemie-Bonds schnelle Krisenhilfe für Länder bereitzustellen, die es dringend nötig haben – als Lehre aus der Ebola-Epidemie.

Weil es damals derart mühsam war, genügend öffentliches Geld zu mobilisieren, holte die Weltbank erstmals auch private Investoren mit ins Boot. Als Dank für ihre Bereitschaft, sich auf das Experiment einzulassen, erhielten sie fürstliche Risikoaufschläge von teilweise mehr als 11 Prozent.

Ebola-Ausbruch im Kongo
Legende: Vor drei Jahren hat die Weltbank eine neuartige Anleihe aufgelegt, als Reaktion auf die Ebola-Krise in Afrika: Die Pandemie-Bonds. Durch diese sollen ärmere Länder beim Ausbruch einer Pandemie schnell mit Geld versorgt werden, damit sie die Seuche gezielt bekämpfen können. Keystone

Finanziert wurden diese von einzelnen Weltbank-Mitgliedsländern wie Deutschland, Japan und Australien – beziehungsweise von deren Steuerzahlern. Drei Jahre nach der Ausgabe der Pandemie-Bonds haben die Investoren damit rund 100 Millionen Dollar verdient. Für sie hat sich die Risikofreude also gelohnt. Auch wenn ihre Versicherungseinlagen jetzt kassiert werden.

Kaum ein Modell für die Zukunft

Ob sich die Versicherung auch für die Länder lohnt, für die sie eigentlich geschaffen wurde, ist eine andere Frage. Denn die Pandemie-Bonds werden dem Vernehmen nach nur knapp 133 Millionen Dollar an die ärmsten Länder auszahlen, denen das Coronavirus besonders hart zusetzt. Dabei ist noch offen, auf wie viele Länder der ohnehin nicht üppige Betrag verteilt wird.

Die Weltbank selbst hat derweil 14 Milliarden Dollar an öffentlichen Geldern zugesagt, um Länder bei der Corona-Abwehr zu unterstützen. Im Verhältnis dazu wirken die 133 Millionen, die der mit viel Tamtam angekündigte Pandemie-Fonds an privaten Mitteln einschiesst, wie Spielgeld. Als Modell für künftige Entwicklungspartnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Sektor dürfte das neue Finanzinstrument kaum taugen.

Echo der Zeit vom 20.04.2020, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Aurel Specker  (Auspec)
    Also, tut mir Leid, aber die Zahlen sprechen eine GANZ ANDERE Sprache als: "Es hat sich für die Investoren gelohnt!"

    100 Millionen wurden als Rendite ausbezahlt, 133 Millionen Kapital wird an die Länder nun verteilt. Meiner Rechnung nach, sind das 33 Millionen VERLUSTE!

    Desweiteren IST eine Ausbezahlung innert 6 Monaten relativ schnell. Man muss es halt einfach mit den Alternativen vergleichen und nicht die absoluten Zahlen nehmen.
  • Kommentar von Preben Zwei  (PrebenZwei)
    Ja liebes @srf. Ich meinte aber nicht Corona sondern Ebola.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Guten Morgen, vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Freundliche Grüsse, SRF News.
  • Kommentar von Fabio Skalpell  (Fabio Skalpell)
    "Private Investoren profitieren – ärmere Länder wohl kaum."
    Klingt so, als funktioniere es genau wie geplant
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Und stimmt sowas von nicht.. SRF scheint nicht rechnen zu können.
      100 Millionen Gewinn und 133 Millionen Verlust ergibt keinen Gewinn...

      Ich weiss nicht wie SRF genau auf die Idee kommt, dass es sich gelohnt hat für die Investoren...
    2. Antwort von Maren Peters editor
      Sehr geehrter Herr Specker, ich habe in dem Beitrag nie behauptet, dass die Investoren unter dem Strich Gewinn gemacht haben. Ich habe lediglich gesagt, dass sie (auch) 100 Millionen Dollar mit Zinsen verdient, also eingenommen haben. Dass ein Teil der Investoren, die in Tranche B investiert haben, ihren Einsatz verliert, ist unbestritten. Das gilt im Übrigen aber nicht für die Investoren, die 225 Mio. in Tranche A eingezahlt haben und die nur 16.7 Cent ihres Investments verlieren. Beste Grüsse, Maren Peters