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Kleine Reisebüros hoffen auf Hilfsprogramm des Bundes
Aus Rendez-vous vom 21.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
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Reisebranche in der Krise Herbstferien werden noch gebucht – danach sind die Bücher leer

Die Coronakrise bekommen auch die Reisebüros mit voller Wucht zu spüren. Können die Kleinen überleben? Das Beispiel GeoTours in Thun.

Aktuell würde sein Team vor allem umbuchen und stornieren, sagt Paul Gosteli, Geschäftsinhaber von GeoTours.

Denn neue Buchungen gibt es kaum: «International ist alles weggebrochen, zu 100 Prozent. Die Dossiers Amerika, Kanada und Australien haben sich aufgelöst. Wir schauen jetzt noch auf die Herbstferien, aber ab Ende Oktober, Anfangs November haben wir praktisch keine Buchungen in den Büchern.»

Allerdings ist auch das Herbstgeschäft mehr als ungewiss. «Im Moment sind die griechischen Inseln noch nicht betroffen von den Massnahmen. Dort haben wir Buchungen. Aber man weiss nicht, was noch passiert.» Die Situation kann sich fast stündlich ändern: Erst am Donnerstag hat Griechenland die Maskenpflicht ausgeweitet. Und diese Woche hat die Schweiz entschieden, dass Mallorca-Rückkehrer in Quarantäne müssen.

Auf Buchung folgt Stornierung

Kurzfristig mussten Rückkehr-Möglichkeiten organisiert werden. «So kann es nicht weitergehen mit dieser Stop-and-go-Taktik», sagt Gosteli. «Wir buchen, dann kommt eine Quarantäne, und wir können wieder alles stornieren. Das ist sehr schwierig im Moment. Ich verstehe die Leute, sie haben ja auch keine Planungssicherheit. Darum buchen sie auch keine Ferien fürs nächste Jahr.»

Paul Gosteli
Legende: Mit 38 will er das Reisebürogeschäft noch nicht aufgeben. Gosteli setzt auf Hilfe des Bundes. SRF

Deshalb steht sein Team nun erneut mit Kunden in telefonischem Kontakt. Viel Aufwand also für sein zwölfköpfiges Team. Was bleibt da in der Kasse? Gosteli holt Luft: «Wir verdienen im Moment gar kein Geld.» Und so geht es aktuell der ganzen Branche: 1300 Reisebüros gibt es in der Schweiz.

Über 80 Prozent sind kleinere Reisebüros wie GeoTours. Keine Einnahmen, viel Aufwand: Hat sein Reisebüro überhaupt noch eine Zukunft? «Einerseits hatten wir in letzter Zeit gute Jahre, ich habe versucht, Reserven zu bilden. Davon leben wir im Moment. Und wir haben natürlich die Kurzarbeit.»

Kredit noch nicht verwendet

Gosteli hat auch einen Kredit des Bundes aufgenommen: «Den habe ich im März beantragt und erhalten und bis jetzt nicht gebraucht. Er ist einfach zur Sicherheit. Für mich ist es keine Option, mit 38 Jahren aufzuhören. Darum schrecke ich auch nicht davor zurück, einen Kredit zurückzuzahlen.»

Stellenabbau, Filialschliessungen und Konkurse von Schweizer Anbietern

UnternehmenBekanntgabe Stellenabbau
Anzahl betroffene Stellen
Mitarbeiter total (aktuell)
Anzahl angekündigte Filialschliessungen
Anzahl Filialen (aktuell)
STA-Travel Holding AG
20. August (Konkurs)
keine Angabekeine Angabekeine Angabe13
DER Touristik Schweiz (Kuoni, Helvetic Tours)
18. August140
810
keine Angabe
rund 80
TUI Suisse
08. Juli70
468
8
62
Knecht Reisen Gruppe
30. Junirund 40
200
4
25
Globetrotter
26. Juni
keine Angabe
240
4
20
Hotelplan Suisse (Globus, Migros, Travelhouse)
25. Juni
160
827
12
98

Gosteli gibt sich optimistisch, obwohl es länger dauern dürfte, bis sich das Reisegeschäft wieder erholt. Deshalb wünschen sich die Reisebüros sehnlichst ein Hilfsprogramm des Bundes. «Ich hoffe, dass der Bundesrat nächste Woche zugunsten der Reisebranche entscheidet und sich für etwas Ähnliches wie in Österreich ausspricht. Es geht um die Strukturkosten, Mieten und Versicherungen. So ein Paket wäre für unsere Branche extrem wichtig.»

Nur noch halbtags geöffnet

Sonst gingen sehr viele Arbeitsplätze verloren, so Gosteli. Ohne staatliche Hilfe müssten 25 bis 50 Prozent aller Reisebüros schliessen, befürchtet der Schweizer Reiseverband. Auf dem Spiel stünden 2000 bis 4000 Stellen.

Dass diese Befürchtung nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigt die Tatsache, dass grosse Reiseanbieter wie Hotelplan, Tui oder Kuoni schon Filialen schliessen und Stellen streichen. Soweit ist Gosteli mit seinen Filialen in Bern, Spiez und Interlaken noch nicht. Doch auch er hat nur noch halbtags geöffnet – und kümmert sich dann vor allem um Ferien, die nicht stattfinden.

Rendez-vous, 21.08.20, 12:30 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Raphael  (Roland Raphael)
    Die gegenwärtigen globalen Massnahmen entsprechen einer Medien-und Politpandemie, aber nicht mehr der Realität. Was sich in der Reisebranche abspielt ist zudem nur der Anfang der Wirtschaftskatastrophe die uns erwartet.
  • Kommentar von Hans-Peter Grüter  (HP Grueter)
    Zur Zeit fahr ich nur noch mit dem eigenen Fahrzeug in die Ferien.
    Maske im öV, Flugzeug und so, nee danke. Aktuell mit den Quarantäne Massnahmen überdenk ich alle Reisen.
    War ja auch das Ziel eurer Massnahmen. IMPFSTOFF, jajajajaja!
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Wir (der Zweibeiner) haben den Bogen überspannt. Das ungebremste Herumtoben über die ganze Kugel gehört der Vergangenheit an. Das heisst nicht, dass niemand mehr reisen darf. Jedoch: Gut geplante und massvoll durchgeführte Reisen national, international und sogar interkontinental werden weiterhin möglich sein. Und - genau hier werden seriöse Reisebüros ihre Chance erhalten: Qualität steht vor Quantität. Der Verbrauch von Ressourcen muss wieder seinen Preis haben.