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Viel Arbeit in den Reisebüros
Aus Rendez-vous vom 27.03.2020.
abspielen. Laufzeit 04:17 Minuten.
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Reisebüros in der Corona-Krise Viel Arbeit, keine Einkünfte

Die Hotels geschlossen, die Flugzeuge am Boden: Trotz des Stillstands wird in den Reisebüros auf Hochtouren gearbeitet.

Keine vierwöchige Trekking-Reise nach Nepal, keine Carfahrt in die Steiermark: Die Reisebranche stecke in einer nie dagewesenen Krise, sagt André Lüthi, Chef des Reisekonzerns Globetrotter. «Für uns ist seit drei Wochen Ausnahmezustand. Das eine ist die Ungewissheit, wie lange das andauert.»

Aber auch die Tausenden Kunden, die in den nächsten Monaten abfliegen wollten oder sich noch im Ausland befänden, gäben zu tun, so Lüthi. Die Schweizer Touristen im Ausland werden nun – auch in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten – zurückgeholt.

Wir haben seit drei Wochen keinen Umsatz mehr und viel Arbeit. Am Ende bleibt alles an uns hängen.
Autor: René LüthiGlobetrotter

Deshalb seien seine über 400 Angestellten nun grösstenteils mit dem Umbuchen von Reisen, Verschieben und Annullieren beschäftigt, so Lüthi. Verdienen tue er damit allerdings nichts: «Das ist unser Problem. Wir haben seit drei Wochen keinen Umsatz mehr und viel Arbeit. Aber am Ende bleibt alles an uns hängen.»

Ähnlich tönt es beim Reise- und Busunternehmen Zerzuben aus dem Kanton Wallis mit 80 Angestellten. Marco Zerzuben führt die Firma in dritter Generation. «Unsere Busflotte mit 20 Reisebussen steht seit ungefähr zwei Wochen still. Wir haben auch keine Arbeit in Aussicht, sicher nicht bis Ende April, aber wir rechnen damit, dass es eventuell noch länger dauern wird.»

Und normalerweise kämen jetzt die einträglichen Monate für sein Unternehmen. Doch daraus werde vorerst nichts, so Zerzuben: «Im Frühling beginnen die intensiven Marketingmassnahmen. Das Geld ist rausgeschossen, die Buchungen kamen rein, wurden aber dann abrupt gestoppt. Jetzt müssen wir alle Buchungen wieder stornieren. So fehlt dann auch die Liquidität.»

Flugzeuge
Legende: Auch die Lufthansa kommt in einen Liquiditätsengpass: Sie hat die Rückzahlungen an die Reisegruppen eingestellt. Keystone

Damit zumindest die Löhne gesichert sind, haben Zerzuben und Globetrotter, wie viele Reiseunternehmen, Kurzarbeit angemeldet. Trotzdem ist der Geldabfluss bei den Reisebüros weiterhin gross, weil sie im Sandwich sind: Auf der einen Seite sind die Kunden, die allfällige Anzahlungen für gebuchte Reisen zurückfordern können.

Auf der anderen Seite sind die Fluggesellschaften oder Hotels, die diese Anzahlungen erhalten haben. Geld, das die Reisebüros nun mühsam zurückfordern müssten, so Lüthi: «Bis letzten Freitag kam das Geld zu 95 Prozent zurück: von Hotels, Mietwagen und Flügen, die wir bezahlt haben. Aber jetzt spürt man, dass die ganze Kette in einen Liquiditätsengpass kommt.»

Es gibt riesige Probleme, das Geld wieder zurückzukriegen.
Autor: Walter KunzSchweizer Reiseverband

Jedes Unternehmen versucht so viele flüssige Mittel in der Kasse zu halten wie möglich, insbesondere die Fluggesellschaften. Deshalb sei es dort besonders schwierig, die Anzahlungen zurückzuerhalten, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbandes: «Es gibt riesige Probleme, das Geld wieder zurückzukriegen. Bestes Beispiel ist die Lufthansa: Sie hat die Zahlungen an die Reisegruppe eingestellt.»

Normalerweise werden die Anzahlungen über ein automatisiertes System zurückbezahlt, nicht so jetzt. Die Swiss als Teil der Lufthansa-Gruppe schreibt auf Anfrage: «Die Umstellung im System erfolgt aufgrund des derzeitig aussergewöhnlich hohen Anfragevolumens, aufgrund dessen die Erstattungsprozesse temporär angepasst wurden. Wie lange dies so sein wird, lässt sich momentan nicht sagen.»

Der Geldfluss ist in der gesamten Reisebranche also ins Stocken geraten. Statt Geld stellen deshalb viele Unternehmen Gutschriften oder Gutscheine aus. Und die würden, so die Rückmeldung aus der Branche, in der Regel von den Kunden akzeptiert, notgedrungen.

Rendez-vous vom 27.3.2020

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    Bevor wir reisen können, müssen wir zuerst gesund sein/werden? - Die Corona-Krise korrigiert hoffentlich auch das globalisierte System...
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  • Kommentar von Christian Fuhrer  (C.F.)
    Selbstverständlich gehört dem Pflegepersonal grösste Hochachtung. Der Lohn sollte nach geleisteter Arbeit bemessen werden. Das heisst, dass auch geleistete Überstunden im Gesundheitswesen korrekt abgegolten werden müssen. Es ist aber im Moment nicht angebracht nach grossen Lohnerhöhungen zu rufen wenn gleichzeitig viele Menschen ihre Löhne verspätet oder gar nicht erhalten und evt. sogar arbeitslos werden.
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  • Kommentar von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
    Das Pflegepersonal ist am schuften, mit einer enormen Verantwortung und Risikobereitschaft, der Lohn einfach so, derselbe!!! - Ein bescheidenes Dankeschön von den Volksvertretern/Behörden, AMEN!
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    1. Antwort von Lilian Albis  (...)
      Das stimmt. Aber was möchten Sie uns damit sagen? Dass die Reisebüroangestellten nicht klönen sollen? Oder versteh ich Sie komplett falsch?
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    2. Antwort von Wilfred Scheidegger  (Ville Frayde)
      Lilian Albis, HIER GEHT ES UM vor allem um betagte MENSCHENLEBEN! Seit der Corona-Krise, ist es "Hochachtung". Für diese als jetzt direkt arbeitende Risikogruppe (das Pflegepersonal zB. in Alters-und Pflegeheimen) sind wahrhaftig schon vor der Krise im extremen Sparmodus tätig und man findet fast nur noch billigeres, ausländisches "Fach-Personal"...dieses sogar 120% arbeitet, um auch am Limit auf den nötigen Batzen zu kommen! - Ein offensichtliches Sparsystem, das unsere Eltern voll trifft...
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