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Andi Lüscher, Wirtschaftsredaktor SRF, was wurde ihm zum Verhängnis?
Aus Tagesschau vom 17.01.2022.
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Rücktritt von Horta-Osório Wenn das persönliche Risikomanagement versagt

Gerade mal acht Monate hielt sich der Portugiese als Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, ehe er zurücktreten musste. Er wurde Opfer seiner guten Absichten.

Die Credit Suisse hatte António Horta-Osório im April 2021 zum Verwaltungsratspräsidenten wählen lassen, um einen Schlussstrich unter das Mehrfach-Versagen ihres Risikomanagements zu ziehen. Jetzt muss er bereits wieder gehen – ausgerechnet, weil sein eigenes Risikomanagement versagt hat. In der Schweiz herrscht kollektives Kopfschütteln.

Mit Pauken und Trompeten

Denn der 58-jährige Portugiese kam vor acht Monaten als vermeintlicher Retter in der Not. Die Bank hatte damals gerade mehrere Milliarden Franken in den Sand gesetzt und das Vertrauen ihrer Aktionäre, Kundinnen und Angestellten auf die Probe gestellt. Schuld bei den beiden Finanzskandalen Archegos und Greensill war das schwache Risikomanagement der Bank, wie später die Finanzmarktaufsicht Finma festhielt. Sprich: Die Bank ging zu viel Risiko ein und bezahlte dafür einen hohen Preis.

Und so startete António Horta-Osório mit Pauken und Trompeten in sein Amt. Der erfahrene Top-Banker lenkte die Aufmerksamkeit sofort auf sich, verbannte Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein auf den medialen Rücksitz. In Interviews sprach er vom dringend nötigen «Kulturwandel». Unvergessen sein Mantra: «Jeder Banker muss künftig auch ein Risikomanager sein.»

Glaubwürdigkeit verloren

Ein Satz, der ihm in den letzten Wochen zurecht um die Ohren geschlagen wurde. Wie kann der CS-Präsident sowas sagen und wenig später Corona-Quarantäne-Regeln missachten? Seinen Status als Vorbild hatte er damit verloren. Seine Glaubwürdigkeit ebenso.

Vielmehr verhielt sich António Horta-Osório eben gerade so, wie es im alten «System» der Credit Suisse gang und gäbe war: Er wusste, dass er gerade etwas Verbotenes, und in diesem Fall sogar mutmasslich Gesundheitsgefährdendes, tat. Er kam für sich zum Schluss, dass die vorhandenen Regeln für ihn aber nicht gelten müssen. Und er schätzte das Risiko, Schaden anzurichten, erwischt und bestraft zu werden, fälschlicherweise als gering ein. Sein persönliches Risikomanagement hat versagt.

Neuer Credit-Suisse-Verwaltungsrat bereits gefordert

Dem neu zusammengesetzten, risikosensibleren Verwaltungsrat der Grossbank blieb darum nichts anderes mehr übrig, als António Horta-Osório in die Wüste zu schicken oder ihm zumindest den Rücktritt nahezulegen. Das neue System braucht neue, glaubwürdig risikobewusste Führungskräfte. Da spielt es denn auch keine Rolle, dass die bisherige Arbeit des Portugiesen durchaus geschätzt wurde.

An die Spitze des Verwaltungsrats wurde nun mit Axel Lehmann ein Schweizer berufen. In einer Mitteilung gibt dieser sich überzeugt, dass die Bank zu neuer Stärke finden werde und einen nachhaltigen Wert für alle Anspruchsgruppen schaffen könne. Hübsche Worte, doch die Öffentlichkeit will jetzt Taten sehen. Das kollektive Kopfschütteln muss ein baldiges Ende haben.

Andi Lüscher

Andi Lüscher

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Andi Lüscher arbeitet seit 2011 für Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Er ist Wirtschaftsjournalist und Moderator der Sendung «SRF Börse». Er publiziert insbesondere zu den Themen Börse, Finanz- und Arbeitsmarkt.

SRF 4 News, 17.01.2022, Heute Morgen, 6 Uhr

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32 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und bedanken uns für Ihre Kommentare. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Toni Koller  (Tonik)
    Muss ein VR-Präsident ein "Vorbild" sein? Das hätte gerade noch gefehlt: Raffgierige, Millionen abkassierende Chefbanker als Vorbilder? - Nein danke. Solche Leute sollen sich einfach wie alle andern an Gesetze und Regeln halten, das ist alles.
  • Kommentar von Ruedi Schwarzenbach  (oktagon)
    Jede Führungskraft muss Vorbild sein! An was sollen sich dann die "Untergebenen" orientieren?