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Geringes Interesse von Anlegern an Aramco-Aktien
Aus Echo der Zeit vom 06.12.2019.
abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
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Saudischer Ölförderer Aramco Der Weg an die Börse ist holpriger als gedacht

Gut 25 Milliarden Dollar will Aramco über Aktien ins Land holen – ein Rekord, der deutlich höher hätte ausfallen sollen.

Saudi-Arabien hoffte auf viele Milliarden aus dem Ausland. Aber die ausländischen Investoren runzelten die Stirn, als Saudi-Arabien den eigenen Staatskonzern ursprünglich mit zwei Billionen Dollar bewertete.

Das sei schlicht zu hoch, hörte man von Finanzexperten. Oder wie es Unternehmensberaterin und Erdölexpertin Cornelia Meyer ausdrückt: «Die ursprünglich angepeilte Bewertung war sehr ambitiös.»

Zu viele Unsicherheiten

Insbesondere Investoren in New York, London, Zürich und Tokio liessen sich nicht von den Superlativen beeindrucken. Auch wenn Aramco mehr verdient als jedes andere Unternehmen der Welt, fragten sich potenzielle Anleger, wie stark sie von diesen Gewinnen tatsächlich profitieren könnten. Versprochen hatte Aramco den Markteilnehmern offenbar nicht genug.

Zumindest nicht genug um über die Unsicherheiten bei dem Börsengang hinwegzuschauen. Denn diese bestimmen den Aktienpreis. Und bei Aramco gibt es eine ganze Reihe von Unsicherheiten, weiss Meyer: «Es gibt die Frage des Staatseinflusses, die Frage, was Aramco noch an die saudische Wirtschaft beisteuern muss, und es gibt eine gewisse Rechtsunsicherheit, weil der Staat jederzeit mit einem Gesetz neue Richtlinien stipulieren kann.»

Zu wenig Transparenz

Die Verflechtung mit dem Staatsapparat, das Vermischen von unternehmerischen Ambitionen und politischen Zielen macht die Geldmaschine Saudi-Arabiens zu einem undurchsichtigen Konstrukt.

Wobei Meyer anmerkt: «Für eine staatliche Firma im Mittleren Osten ist es die transparenteste, die Sie finden können.» Sie sei aber nicht vergleichbar mit westlichen Ölkonzernen: «Es gibt nicht dieselben Anforderungen an die Transparenz wie es sie bei Shell, BP und Exxon gibt, das ist ganz klar.»

Aber Aramco ist – wie alle Ölkonzerne – davon betroffen, dass momentan mehr Öl gefördert wird, als verbraucht wird. «Derzeit gibt es zu viel Öl auf der Welt», sagt Christoph Rühl, einst Chefökonom von BP, heute Unternehmensberater. Er weist auf den grössten Produktionsausfall aller Zeiten, den Anschlag in Saudi-Arabien, hin: «Was passierte mit den Preisen? Sie gingen kurz hoch und ein paar Tage später waren sie tiefer als vorher.»

Zu geringe Nachfrage

Zudem könnten die Preise noch weiter sinken: «Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf den grössten Reserven des Planeten. Aber vielleicht beginnt die Klimadiskussion Folgen zu zeitigen. Sie wissen also nicht, ob die Nachfrage noch so stark ist», sagt Rühl. Diese Unsicherheit sei ein Grund für Saudi-Arabiens Versuch, sich mit dem Verkauf von Aramco-Anteilen vom Erdöl unabhängiger zu machen. Investoren stecken ihr Geld aber lieber in CO2-ärmere Anlagen. Ein Wandel, den Meyer auch beobachtet hat: «Vor zehn Jahren wären mehr Leute interessiert gewesen, in Öl zu investieren. Aber mit der Energietransition hat sich das Umfeld jetzt doch massiv geändert.»

Bei Aramcos Börsengang werde die Superlative also nicht ganz so gigantisch ausfallen. Anstatt den einst angepeilten 100 Milliarden Dollar, die man einkassieren wollte, wird Saudi-Arabien lediglich 25.6 Milliarden verdienen, wenn nächsten Mittwoch die Aktien von Aramco das erste Mal an der saudischen Börse gehandelt werden. Zudem kommt der grösste Teil des Geldes nicht wie erhofft aus dem Ausland, sondern von inländischen Investoren. Das heisst: Die unsichtbare Hand des Marktes hat die saudischen Aramco-Besitzer auf den Boden der Tatsachen geholt.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Vale Nipo  (VNxpo)
    Wer zuletzt lacht, lacht am besten, oder doch nicht? In ein paar Jahren werden auch die Saudis grössere Probleme mit dem Kulturwandel, den Flüchtlingskrisen und dem Klimawandel haben. Eine grosse Krise wird noch bevor stehen. Ein grosser Wandel löst irgendwo anders einen Wirtschaftskollaps aus. Die stärksten sind diejenigen die sich anpassen, nicht die mit den grössten Muskeln!
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  • Kommentar von Sivakaran Kanesan  (karan)
    in der Ölindustrie herrscht momentan Torschlusspanik, wegen den Vormarsch der Erneuerbare Energie, es ist gut so.
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    1. Antwort von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
      Glaube ich Kaum, den Welthandel und Produktion im Asien--China voran -- ist wohl eher massgebend für die Pertodollars. Die Paar cent an Erneuerbare spüren die nicht. Klar mann wünscht es sich anders, aber die von Westen geprägte Wirtschaftsform funktioniert einfach nicht ohne Fossiele Ressource (nicht nur Mobilität - denke an Petrochemie).
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    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Hr. Ronsmans, dass Sie sich da nur nicht täuschen! Zum ersten, sie spüren es nicht? Oh doch, sie spüren es auf jeden Fall. Auch wenn es momentan erst wenige Prozente sind, da die Prognosen stetiges Wachstum voraussagen und die Fördermittel laufend erweitert werden, stehen die grössten Förderländer plötzlich mit Überkapazitäten da. Bestätigung steht im Artikel. Es ist schon richtig, dass die Petrochemie weiterhin einen soliden Grundbedarf hat. Aber die echten Mengen bringt die Energieversorgung.
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  • Kommentar von Klaus Waldeck  (kdwbz)
    Die Saudis kommen etwas spät , die Zeiten des Oelbooms sind nun wohl definiv vorbei.
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    1. Antwort von Jörg Frey  (giogio)
      . . . . und wer investiert in eine Industrie, die in 30 Jahren verschwunden sein wird?
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    2. Antwort von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
      Tauschen sie sich nicht. Die Boomphase mach wohl abgekühlt sein, die Ölindustrie verschwindet erst wenn das Öl zu ende ist. Leider werden wir vor es zu Ende geht jeder unberührte Fleck Natur zerstören. Die Thematik übersteigt das Lehr-vermögen der Weltbevölkerung (nicht das Individuelle Lehr-vermögen).
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    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Es ist in der Tat möglich, dass der Boom nun abebbt, wird auch höchste Zeit. Aber gleichzeitig ist natürlich klar, dass die Öl-Industrie nicht in 30 Jahren verschwindet. Sie verschwindet auch in 60 Jahren nicht. Aber da die Finanzwirtschaft sehr auf Wachstum ausgerichtet ist, bedeuten bereits abnehmende Wachstumszahlen, dass viele Anleger sich anders orientieren. Da braucht es noch nicht einmal einen globalen Rückgang dieser Industrie, geschweige denn ein Verschwinden.
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