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Thomas Jordans Blick in die Zukunft
Aus Echo der Zeit vom 17.06.2021.
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Standortbestimmung der SNB «Die Schweizer Bevölkerung will eine robuste Nationalbank»

Die Nationalbank dreht nach ihrer dreimonatlichen Analyse erneut nicht an der Zinsschraube. Irgendwann werde die Zinswende kommen und damit auch das Ende der Negativzinsen, sagt SNB-Chef Thomas Jordan. Er wehrt sich zudem klar dagegen, SNB-Gewinne gezielt für die AHV oder für andere staatliche Aufgaben abzuzweigen.

Thomas Jordan

Thomas Jordan

Nationalbankpräsident

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Thomas J. Jordan wurde 1963 in Biel geboren. Er studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bern. Er wurde 2012 vom Bundesrat zum Präsidenten des SNB-Direktoriums gewählt.

SRF News: Herr Jordan, liegt die Corona-Krise hinter uns?

Thomas Jordan: Sie liegt zu einem guten Teil hinter uns. Es zeigt sich, dass in der zweiten Jahreshälfte - und bereits fürs zweite Quartal – schöne Wachstumsraten möglich sind. Insgesamt rechnen wir mit 3.5 Prozent Wachstum für die Schweiz. Ungefähr Mitte Jahr dürfte das Produktionsniveau von Ende 2019 erreicht sein. Es wird aber noch etwas dauern, bis wir wieder auf dem alten Trend sind.

Insgesamt rechnen wir mit 3.5 Prozent Wachstum für die Schweiz.

Heisst das für den Arbeitsmarkt, dass sich die Leute keine Sorgen um einen Stellenverlust machen müssen?

Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin erhöht und die Kurzarbeit hoch. Das sollte sich aber jetzt verbessern, indem die Bereiche mit angestiegener Arbeitslosigkeit wieder vermehrt öffnen. Bis zur Normalisierung braucht es aber noch eine gewisse Zeit.

Irgendwann wird die SNB die Zinsen wieder erhöhen. In den USA soll die Zinswende bereits im übernächsten Jahr kommen. Freuen Sie sich darauf?

Grundsätzlich ist es positiv, wenn es in Richtung Normalisierung geht. Wenn die Weltwirtschaft gut funktioniert, die Schweizer Wirtschaft ausgelastet ist. Wenn die Inflation auf einem vernünftigen positiven, aber tiefen Niveau ist und dann auch die Zinsen erhöht werden können. Bei uns wird das nicht morgen oder übermorgen sein. Die Inflation in Amerika ist mit fünf Prozent auch viel höher als bei uns mit 0.5 Prozent.

Bei einer Zinswende könnten Sie dann auch mit den unbeliebten Negativzinsen aufhören?

Das wäre ein positiver Nebeneffekt. Aber ich mache dazu keine Prognosen und mir auch keine Hoffnungen für die kurze Frist: Die Zinsdifferenz ist sehr klein gegenüber den Euro-Zinsen, der Franken ist immer noch hoch bewertet. Darum müssen wir die expansive Geldpolitik auf absehbare Zeit weiterführen.

Soll die SNB mehr von ihren Milliardengewinnen an die Allgemeinheit abgeben, wie das zum Teil in der Politik gefordert wird?

Wir sehen das aus verschiedenen Gründen sehr kritisch. Zum einen glauben wir, dass Ausschüttungen, die nicht an Bund und Kantone gehen, sondern an die AHV oder etwas anderes, problematisch sind. Da würden wir Abhängigkeiten schaffen, die unter Umständen auch die Unabhängigkeit der SNB tangieren.

Da würden wir Abhängigkeiten schaffen, die unter Umständen auch die Unabhängigkeit der SNB tangieren.

Zum anderen kann die SNB einen Franken immer nur einmal ausschütten. Bei einem AHV-Topf bliebe weniger für Bund und Kantone. Es ist auch keine gute Idee, die Ausschüttung nicht abhängig vom Gewinn zu machen, sondern von einzelnen Einnahmequellen.

Eine Gruppe von Ökonomen warf der SNB kürzlich vor, viel zu knausrig bei Bund und Kantonen zu sein. Was sagen Sie dazu?

Die SNB schüttet sehr viel aus. Die Gewinnausschüttung würde über die letzten Jahre von einer auf sechs Milliarden erhöht. Wenn es die Lage erlaubt, wird die SNB auch über die nächsten Jahre substanzielle Beträge ausschütten. Sehr viel an Bund und Kantone. Das ist nicht knausrig.

Die Bevölkerung will eine robuste Nationalbank, die ihren Auftrag jederzeit erfüllen kann.

Die Kapitalsituation der SNB ist auch nicht extrem rosig. In der Bilanz von tausend Milliarden gibt es sehr viele Risiken: Wechselkurse, Aktien und Zinsen. Das spricht für eine vernünftige Kapitalisierung. Die Bevölkerung will eine robuste Nationalbank, die ihren Auftrag jederzeit erfüllen kann. Dazu muss sie auch in schwierigen Zeiten Verluste absorbieren können.

Das Gespräch führte Jan Baumann.

Echo der Zeit, 17.06.2021, 18:00 Uhr;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Steven Baumgartl  (Steven B.)
    Grundlage der Norweger ist der Staatsfond der denen "AHV" finaziert - nirgends steht dort geschrieben das die Gelder nur in einer Sache investiert werden, aber die Gewinne werden dem Volke, dem Bürger zu gute kommen. Könnte ein Beispiel für die fetten Gewinne der SNB sein...
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Die SNB schaukelt seit vielen jahren mit Verstand das Schweizerboot durch die Wogen der Turbulenzen und wir sollten es sein etwas zu ändern was sich bewährt hat. Die Verantwortlichen der SNB kennen die Weltlage am besten. Bitte nicht nörgeln es kommt schon gut.
    1. Antwort von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
      Die Fremdwährungsreserven haben ein extremes Niveau angenommen und liegen über dem 3-fachen, was man noch als gesund bezeichnen kann. Wie soll dieser Monsterberg jemals abgebaut werden? Mit dem herkömmlichen Verhalten ganz sicher nicht! Angesichts der völlig und nie dagewesenen Situation braucht es neue Ideen. Man kann nicht einfach weitermachen, wie in den letzten 100 Jahren und denken kommt schon gut!!! Helikopter-Geld wäre z.B. so ein Ansatz, den man vorsichtig mal testen sollte.
  • Kommentar von Angelo Bruhin  (angelobruhin)
    Die Gewinnausschüttung erfolgt durch die Zinserträge des Kapitals (850 Milliarden) an die Bevölkerung in den Kantonen und Bund.
    Ich sehe da keinen Grund es zu ändern.
    Genau dieses Kapital ermöglicht so viel Gewinn und regelmässige Ausschüttungen, selbst bei einem Minus in einem Fiskaljahres.
    Die AHV soll nicht direkt durch die SNB gedeckt werden.
    Bei 5 Jahren Minus der SNB durch globale Probleme, steht die AHV genau am gleichen Ort, keine Einnahmen.
    Daher Nein wie es vorliegt.
    1. Antwort von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
      Diese Überlegung ist schlicht falsch. Die Einnahmen aus den Negativzinsen sind Raub am Volksvermögen und dieser Teil des SNB-Gewinns gehört daher der AHV. Andere AHV-Einnahmen können trotzdem völlig unabhängig von dieser SNB-Zahlung erhöht werden.
    2. Antwort von Angelo Bruhin  (angelobruhin)
      Hallo Herr Bär.
      Egal wo sie zurzeit Bargeld parkieren zahlen sie drauf.
      Und der Gewinn resultiert auf Käufe und Verkäufe, aus Dividenden Aktien.
      Wie sie oder irgend eine Institution ihr Geld anlegt, interessiert die SNB nicht.
      Da die Schweizer Staatsanleihen und Obligationen keine Rendite erbringen, in den letzten Jahren sogar minus, wollte x Staat Geld in der Schweiz parkieren, 1000.- erhielt er 970.- zurück.
      Sicherer Hafen, geringer als die Inflation in Land x.
      Ohne Kapital kein Gewinne