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Streik bei Ryanair «Die Piloten kommen sich verschaukelt vor»

Legende: Video Ryanair-Flotte bleibt am Boden abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2018.

55'000 Passagiere der Billigfluglinie Ryanair kommen heute nicht an ihr Ziel, weil die Piloten in mehreren Ländern streiken. Sie haben die Geduld mit dem Unternehmen verloren, das beim Ausarbeiten von Tarifverträgen mit den Gewerkschaften nicht vorwärts macht.

Stephan Eiselin

Stephan Eiselin

Journalist

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Stefan Eiselin ist Journalist und Chefredaktor des Aviatik-Portals Aerotelegraph, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF News: Was hat die Piloten derart in Rage getrieben, dass sie gerade jetzt, zur Hauptreise- und Ferienzeit streiken?

Stephan Eiselin: Es geht vor allem um den Ton. Ryanair hat bis vor kurzem generell verboten Gewerkschaften zu bilden und sich geweigert, mit ihnen zu verhandeln. Zudem ist die Stimmung inzwischen völlig vergiftet. So hat Konzernchef Michael O’Leary die Piloten auch schon als «bessere Busfahrer» bezeichnet. Das hilft der Sache natürlich nicht, vor allem wenn auch andere Dinge im Argen liegen.

Viele kleine Punkte der Unzufriedenheit summieren sich jetzt zu einem Arbeitskampf.

Welche Dinge liegen denn im Argen?

Viele Arbeitsverträge definieren eine Art Scheinselbständigkeit. Das ist aus moderner arbeitsrechtlicher Sicht natürlich nicht ganz korrekt. Auch gibt es bei den fest angestellten Piloten nicht bezahlte Präsenzzeiten – die Piloten werden nur bezahlt, wenn sie auch tatsächlich fliegen. Viele kleine solche Punkte summieren sich jetzt zu einem Arbeitskampf, der sich als grösser herausstellt, als man noch vor kurzem erwartet hätte.

Piloten verdienen bei Ryanair bis zu 130'000 Euro, Kopiloten bis zu 76'000 Euro. Ist das ein so schlechter Lohn?

Verglichen mit Durchschnittslöhnen in Deutschland ist das ein sehr guter Lohn, aber verglichen mit anderen Piloten bei Lufthansa oder Swiss, ist der Lohn ganz passabel – aber es ist kein grossartiger Lohn.

Flugzeuge am Boden.
Legende: Streik: Heute bleiben viele Ryanair-Maschinen am Boden. Reuters

Das Unternehmen hat gar keine Freude an dem Streik seiner Piloten, auf der Website ist von einem «unnötigen Streik» die Rede. Bringt der Ausstand überhaupt etwas?

Das kann man sich bei Streiks immer fragen. Allerdings kommen sich die Piloten bei Ryanair mittlerweile tatsächlich verschaukelt vor. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, nicht wertgeschätzt. In diesem Bereich hat die Billigfluglinie definitiv Nachholbedarf. In dieser Situation haben die Arbeitnehmer praktisch nur zwei Möglichkeiten: Entweder streiken oder sie suchen eine neue Stelle.

Es gibt auch attraktive Punkte: Die Piloten fliegen keine Langstrecken und sind so abends immer zurück in ihrer Basis.

Warum wechseln die Ryanair-Piloten denn nicht den Arbeitgeber, denn bekanntlich herrscht derzeit in Europa ein Pilotenmangel?

Trotz allem gibt es auch bei Ryanair durchaus attraktive Punkte. So haben die Piloten einen starren Dienstplan. Sie fliegen fünf Tage und haben anschliessend vier Tage frei. Das ist bei anderen Airlines anders. Zudem fliegen die Piloten keine Langstrecken und sind so abends immer zurück in ihrer Basis. Auch haben sich die Leute einmal entschieden, für Ryanair zu fliegen und vermutlich hängen sie irgendwie an ihrem Unternehmen – in der Hoffnung, dass sich jetzt etwas bessert.

Das Gespräch führte Patrick Seiler.

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