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Inflation: Weshalb trifft sie nicht alle gleich?
Aus Echo der Zeit vom 12.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
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Unterschiedliche Inflation Deshalb verliert das Geld nicht überall gleichviel an Wert

  • In allen Industrieländern hat die Inflation in den letzten Monaten angezogen.
  • Doch die Geldentwertung verläuft sehr unterschiedlich, obschon die Voraussetzungen für alle Staaten gleich sind.
  • Ökonomen sind sich nicht einig über die Gründe, weshalb das so ist.

Plus 5.4 Prozent in den USA, plus 3.7 Prozent in Deutschland, plus 0.7 Prozent in der Schweiz. Überall wird das Geld weniger wert, wenn auch in sehr unterschiedlichem Mass, wie die Inflationsrate vom Juli im Jahresvergleich zeigt. Das erstaunt, denn für alle Länder gelten die gleichen Rahmenbedingungen wie hohe Ölpreise oder der Stau in den Lieferketten.

Es ist die unterschiedliche fiskalpolitische Reaktion auf die Pandemie.
Autor: Adalbert Winkler Finanzprofessor an der Frankfurt School of Economics

Zunächst einmal sei es nicht ungewöhnlich, dass es unterschiedliche Entwicklungen beim Preisniveau gibt, sagt Adalbert Winkler, Finanzprofessor von der Frankfurt School of Finance. Das habe es auch vor der Pandemie gegeben. Dass die Unterschiede jetzt aber deutlich grösser ausfallen, habe vor allem einen Grund: «Es ist die unterschiedliche fiskalpolitische Reaktion auf die Pandemie», ist er überzeugt.

USA buttern Billionen in die Wirtschaft

Die Unterschiede seien dramatisch, sagt Winkler. So hätten etwa die USA viel mehr Geld in Konjunktur- und Infrastrukturprogramme gesteckt als andere Staaten, um die Corona-gebeutelte Wirtschaft wieder anzukurbeln. Im Gegenzug würden dafür sehr hohe Defizite aufgebaut, die USA würden sich im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung also sehr hoch verschulden.

Ganz anders sei dagegen die Situation in der Schweiz. Sie verbuche auch im laufenden Jahr vergleichsweise moderate Defizite. «Der Staat in den USA unterstützt die Nachfrage in einem erheblich grösseren Ausmass, als es in der Schweiz der Fall ist.» Da sei es nicht verwunderlich, dass die Inflationsrate auch erheblich höher sei, als in der Schweiz oder in Europa, so Winkler.

Europa hinkt den USA hintennach

Die Argumentation des Finanzprofessors vermag Christian Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär, nicht zu überzeugen. Er hält vielmehr die unterschiedliche Öffnungsgeschwindigkeit der Volkswirtschaften nach der Corona-Pandemie für wichtiger.

Mit einer gewissen Verzögerung sehen wir die Verknappung der Güter jetzt in Europa.
Autor: Christian Gattiker Chefstratege der Bank Julius Bär

Im zweiten Quartal 2020 sei den Volkswirtschaften weltweit der Stecker gezogen worden, sagt er. Als erste sei dann die Wirtschaft in den USA ein Jahr später wieder in Gang gekommen. Weil viele Güter knapp waren, stiegen die Preise. «Mit einer gewissen Verzögerung sehen wir das jetzt nach Europa überschwappen.»

Im Übrigen sei die Messung der Inflation – und damit der Vergleich zwischen Ländern – schon in normalen Zeiten eher schwierig, weil die Messung nicht harmonisiert sei, so Gattiker. Gerade was die Konsumentenpreise betreffe, werde sehr unterschiedlich gemessen.

Momentan unsichere Datenlage

Im Moment sei die Messung der Inflationsraten besonders schwierig. «Wir hatten in den letzten 30 Jahren nie eine so ungenaue und unsichere Datenlage. Es ist wohl eine historisch nie dagewesene Situation.» Das sei nicht weiter schlimm.

Doch Gattiker warnt davor, zu viel in die Daten hineinzuinterpretieren. Wie sein Ökonomen-Kollege Winkler – und die Mehrzahl der Zunft – hält Gattiker die starken Ausschläge nach oben bei der Inflationsrate für vorübergehend.

Ob daraus ein Problem für die Wirtschaft wird, also das Preisniveau dauerhaft steigt, das werde man ohnehin erst in einigen Monaten beurteilen können.

Echo der Zeit, 12.08.2021, 18:00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Roth  (A.Roth)
    Bitcoin - ich freue mich über jede neue Druckauflage des USD.
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Heizt der Aufschwung die Inflation an?
    1. Stehen die gewaltigen Summen, die die Zentralbanken und Regierungen in der Corona-Krise in die Volkswirtschaften pumpten, in keinem Verhältnis zur Diskrepanz, die derzeit zwischen der globalen Gesamtnachfrage und dem potenziellen Angebot besteht.
    2. Gefährdet politischer Druck zur Finanzierung der Haushaltsdefizite die Unabhängigkeit der Zentralbanken. Es ist zu befürchten, dass die Notenbanken nur schleppend auf einen Inflationsanstieg reagieren.
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das ist alles viel,komplexer. Nur schon wenn wir den Begriff Inflation in eine Vermögenswerteinflation und in eine Verbraucherinflation aufteilen wird das klar. Die Verbraucherinflation kann bei Null sein die Vermögenswerteinflation aber bei 7 Prozent, was geschieht denn mit den Immobilien, die steigen nicht um 0,7. Prozent. Treiber Nr. 1 ist die Umlaufgeschindigkeit. Das ist wie beim Wasser, ein Wassertank verliert erst Wasser oder verdunstet wenn er im Umlauf . Steigende Löhne usw.
    1. Antwort von Jürg Suter  (Sut)
      Sie haben da völlig recht Herr Künzi. Bei diesem Anlagenotstand steigen die Immobilienpreise ins unermessliche. Die Mieter werden von den Pensionskassen, Immobilienfonds und Hochfinanz gemolken ohne dass diese sich gegen diese Machenschaften auflehnen.
      Wir hätten es in der Schweiz in der Hand an der Urne die Richtung vorzugeben.