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Swiss kündigt Gesamtarbeitsvertrag mit Piloten
Aus Tagesschau vom 06.02.2021.
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Verhandlungen geplatzt Swiss kündigt Gesamtarbeitsvertrag mit den Piloten

  • Die Fluggesellschaft Swiss kündigt den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit ihren Piloten.
  • Sie hat zudem die monatelangen Verhandlungen zur Bewältigung der Coronakrise am Freitag abgebrochen. Das teilte der Pilotenverband Aeropers mit.
  • Die Kündigung des GAV erfolgt zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Somit läuft der GAV 2018 noch bis zum 31. März 2022.

Thomas Frick, Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss, sagt: «Wir haben Aeropers schon im letzten Sommer gesagt, dass der aktuelle GAV viele Elemente beinhaltet, nicht krisentauglich sind – vor allem nicht für eine Krise von dieser Dimension.» Man sei trotzdem in die Verhandlungen für einen Übergangsvertrag gegangen, nun sei diese gescheitert. «Wir sind faktisch neun Monate in Verhandlungen gewesen und haben nicht die Beiträge erhalten, die wir gebraucht hätten», so Frick.

Scharf kritisiert wird das Vorgehen von der Pilotengewerkschaft. «Wir waren der Meinung, dass unser Angebot sehr gut war», sagt Thomas Steffen, Mediensprecher Aeropers. Man habe Einsparungen von 130 Millionen Schweizer Franken für die nächsten rund zwei Jahren angeboten. «Der Entscheid der Geschäftsführung der Swiss ist für uns der Tiefpunkt der Sozialpartnerschaft zwischen Swiss uns Aeropers», so Steffen.

Die grösste Herausforderung für die Piloten sei die fehlende Perspektive. «Die Zeiten sind jetzt schon schwierig. Eine Rückkehr in den GAV nach der Krise wäre sehr wichtig gewesen», betont der Aeropers-Vertreter. «Und zwar, um die Motivation der Mitarbeiter hochzuhalten, gemeinsam durch die Krise zu gehen.»

«Die Verhandlungsmacht der Piloten ist klein geworden»

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Andi Lüscher: «Die Eskalation zeigt zwei Dinge: Erstens geht die Swiss offenbar davon aus, dass der Schaden durch Corona offenbar noch über viele Jahre hinweg zu spüren sein wird. Die Swiss muss sparen, um überleben zu können. Und beim Boden- und Kabinenpersonal ist nicht mehr so viel möglich. Bei den besser bezahlten Piloten hingegen schon.

Und zweitens zeigt die Situation, dass die Swiss hier ganz klar am längeren Hebel ist. Die Piloten sind quasi von ihr abhängig, denn weltweit sucht derzeit kein Unternehmen nach Piloten. Die Verhandlungsmacht der Piloten ist klein geworden.»

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Einschätzung von Wirtschaftsredaktor Andi Lüscher
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Aeropers weist darauf hin, dass sich die Swiss in den Kreditverträgen zu sozialpartnerschaftlichen Lösungen verpflichtet habe. Der Bund hat einen Hilfskredit von 1.5 Milliarden Franken für die Swiss und ihre Schwestergesellschaft Edelweiss gesprochen. Mit Edelweiss war im Januar ein GAV zustande gekommen.

Swiss präzisiert Mitteilung

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Die Swiss verletze mit der ordentlichen Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags der Piloten keinerlei parlamentarische Auflagen zur Kreditvergabe, teilt die Fluggesellschaft mit. Die Swiss hatte sich in diesem Kontext verpflichtet, mit allen Sozialpartnern sozialverträgliche Lösungen zu suchen, sofern ein Personalabbau unvermeidlich wird. Zu diesem Versprechen stehe die Swiss nach wie vor, teilt sie heute mit. Die ordentliche Kündigung eines Gesamtarbeitsvertrags stehe der Lufthansa-Tochter aber frei.

Kein ausreichendes Entgegenkommen

Die Swiss begründete ihren Schritt damit, dass der Pilotenverband keine ausreichenden Zugeständnisse gemacht habe. Sie bekenne sich aber zur Sozialpartnerschaft und biete Hand zu Verhandlungen über einen neuen GAV.

Wie die ganze Branche sei die Swiss von der Coronavirus-Pandemie stark betroffen. Der operative Verlust belief sich den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten 2020 auf über 400 Millionen Franken. In derselben Periode verringerte sich das Passagieraufkommen um 70 Prozent. Auch den Hilfskredit will das Unternehmen so bald wie möglich zurückzahlen.

«Einschnitte in allen Abteilungen»

Das mache Einschnitte in allen Abteilungen nötig, heisst es im Communiqué. Dazu seien mit dem Kabinen- und dem Bodenpersonal mehrjährige Krisenvereinbarungen abgeschlossen worden.

Mit Aeropers hatte die Airline im August 2020 Verhandlungen aufgenommen. Aufgrund der reduzierten Anzahl von Flügen besteht in den kommenden Jahren ein grosser Überbestand an Piloten. Ziel bei den Verhandlungen sei ein krisentauglicher und zukunftsfähiger GAV gewesen, da der seit 2018 laufende Vertrag nach Swiss-Angaben nicht zur Krisenbewältigung und zum Wiederaufbau geeignet war.

Aeropers habe aber nur über temporäre Krisenmassnahmen verhandeln wollen. Das sei aus unternehmerischer Sicht nicht zu verantworten.

SRF 4 News, 06.02.2021, 16.00 Uhr;

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80 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Bund hat einen Hilfskredit von 1.5 Milliarden Franken für die Swiss und ihre Schwestergesellschaft Edelweiss gesprochen. Für was. Jetzt will man die Piloten loswerden und wenn dann wieder geflogen werden kann, stellt man sie zu einem kleineren Lohn wieder ein. Wie fies ist das denn? Mit unseren Steuergeldern werden Piloten arbeitslos - Hauptsache der oberen Etage geht es gut - wie immer.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Alois Keller: Denken Sie ohne die 1.5 Mrd. Fr. wäre alles bestens? Als die Gelder gesprochen wurden, wusste niemand, auch Sie nicht, wie lange Corona dauern würde. Alle Firmen im Tourismussektor haben im Moment grosse Probleme. Der Unterschied zwischen einer Airline und einem Reisebüro ist, dass man eine Airline, wenn sie aufgegeben wird, nicht einfach so wieder aus dem Boden stampfen kann. Die ist dann weg; das Know how ebenfalls. Für ein Reisebüro brauchen Sie lediglich Internet & Computer.
  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    "Gewerkschaften müssen nicht nur umdenken, man muss sie abschaffen". WER so was schreibt, hat den Ernst der Lage nie begriffen und möchte wohl am Liebsten in die Sklaverei zurück!
  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Die Fakten sprechen nun einmal für die SWISS. Und die Milliarden-Unterstützung des Bundes ist ganz sicher nicht dafür gedacht, die Forderungen der Aeropers zu befriedigen. Kommt dazu, dass es bestimmt sehr viele Menschen gibt, welche sich infolge der Corona wirtschaftlich weit stärker einschränken müssen, als die Piloten, wenn sie das Angebot der SWISS akzeptieren würden.