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Nach bewegten Jahren geht Ensi-Direktor Wanner in Pension
Aus Rendez-vous vom 30.06.2020.
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Von Fukushima zur Energiewende Hans Wanner und das Ende des atomaren Zeitalters

Nach zehn Jahren als Ensi-Direktor geht der promovierte Chemiker in Pension. Der oberste Atomaufseher hat viel erlebt.

Herbst 2010: Hans Wanner ist erst seit wenigen Wochen im Amt. In einem seiner ersten Interviews wird er von Radio SRF gefragt, ob bei seiner Pensionierung die neu geplanten AKWs in Betrieb sein würden. Der neue Direktor antwortet: «Nach der heutigen Planung wird's knapp.» Es kommt anders. Am 11. März 2011 führt ein Tsunami zum Reaktorunglück im japanischen Fukushima.

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Das Reaktorunglück von Fukushima erschüttert die Welt
Aus Tagesschau Spezial vom 12.03.2011.
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Es war ein Ereignis mit einschneidenden Folgen, bilanzierte Wanner später: «Fukushima war der grösste Einschnitt.» Drei Gesuche für eine Rahmenbewilligung seien damals beim Ensi auf dem Tisch gelegen. Intern sei eine ganze Abteilung mit Ingenieuren aufgebaut worden, die sich mit den neuen Projekten befassten. «Nach Fukushima wollte man aber auf Neubauten verzichten und den Ausstieg vorbereiten.» Plötzlich war nicht mehr die Rede von neuen Kernkraftwerken, sondern vom Ende der nuklearen Ära.

Ensi deckt Mängel auf

Fukushima habe aber auch bei den bestehenden AKWs tiefgreifende Veränderungen ausgelöst, wie der Ensi-Direktor nur wenige Monate nach der Reaktorkatastrophe sagte: «Aus den Fehlern, die gemacht wurden, werden Lehren gezogen. Und basierend auf den Erfahrungen, die man mit dem Betrieb der Kernkraftwerke macht, werden die Anforderungen immer höher.»

Unmittelbar nach Fukushima wollte das Ensi von den Kernkraftbetreibern wissen, wie gut ihre Anlagen bei extremen Hochwassern geschützt sind. Den Nachweis mussten sie innerhalb weniger Wochen vorlegen. Und bald zeigte sich: Es gab Mängel.

Das Ensi wurde in dieser Phase von den Kernkraftbetreibern als bissiges Kontrollorgan wahrgenommen, das sehr hohe Anforderungen stellte – auch im internationalen Vergleich. Selbst Atomkritiker attestierten dem Ensi damals ein zupackendes Auftreten.

So führten unter anderem neue Ensi-Anforderungen dazu, dass der Stromkonzern BKW entschied, das Kernkraftwerk Mühleberg abzuschalten – die teuren Nachrüstungen rechneten sich langfristig nicht mehr. Wanner und sein Team betraten fortan Neuland: Sie mussten die Stilllegung eines AKW regeln.

Sandwich-Position des Ensi

Auch als im AKW Beznau 1 im Jahr 2015 Probleme auftraten, habe das Ensi bewiesen, dass es durchgreifen könne, meint Nils Epprecht, Geschäftsleiter der atomkritischen Energiestiftung: «Das Ensi hat teils durchaus Härte demonstriert. Zum Beispiel beim Reaktordruckbehälter von Beznau I, als der Reaktor drei Jahre vom Netz musste. Danach hat das Ensi – von aussen betrachtet – sang und klanglos für die Betreiberin Axpo entschieden.»

Epprecht fehlt die Transparenz. Ein Kritikpunkt, der während all der Amtsjahre immer wieder zu hören war – und automatisch eine gewisse Nähe zur Branche suggerierte. Auch wenn Wanner stets seine Unabhängigkeit betonte.

Das Ensi hat einen gewissen Ermessensspielraum und könnte dominanter auftreten.
Autor: Nils EpprechtGeschäftsleiter Schweizerische Energiestiftung

Aus Sicht der Schweizerischen Energiestiftung könnte das Ensi den Anschein von Befangenheit ganz einfach ausräumen, meint Epprecht: «Die Aufsicht hat einen gewissen Ermessensspielraum und könnte dominanter auftreten, wie wir es in anderen Ländern wie Belgien, den USA oder Kanada erleben. Diese Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft.»

Vertreter der Kernenergie wiederum sind der Ansicht, dass das Ensi bei der Transparenz sehr wohl an die Grenze des möglichen gegangen sei.
Gerne hätten wir mit Hans Wanner über diese Sandwich-Position gesprochen und eine persönliche Bilanz gezogen. Er wollte aber zum Ende seiner Amtszeit kein Interview mehr geben.

Rendez-vous, 30.06.2020, 12:30 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
    Wir stehen am Anfang der 2. Welle von Kernkraft. So hat die IEA (Internationale Energie-Agentur) soeben mehr politische Massnahmen zur Förderung von SMR (Small Modular Reactors, industriell hergestellte Reaktoren, Bauzeit 1.. 2Jahre, tiefere Kosten, Leistung etwa Mühleberg) gefordert. Die USA wollen Reaktoren auch in Entwicklungsländern finanzieren. Der IPCC zeigt, dass die CO2-Ziele ohne Kernkraft nicht erreichbar sind. Die Leistung der Reaktoren steigt seit 3 Jahren weltweit. Etc.
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  • Kommentar von Thomas Hanhart  (Thomas63)
    Mit dem massiven Preisverfall bei Solar und Wind und den verstärkten Investitionen in Speicherung von Strom in Wasserstoff ist die Zukunft der Energieversorgung vorgegeben. Wie Die BKW-Chefin klar sagte, braucht es für Netzstabilität und sichere Versorgung keine weitere unflexible Bandenergie, sondern möglichst viel bedarfsgesteuerte Energie. Von Investitionen in die neue Technik profitiert letztlich auch ein viel breiteres Spektrum von KMU und die Abhängigkeit vom Ausland ist gleich Null.
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    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Speicherkapazität hat die Schweiz übrigens bereits weit mehr als genügend. Die Schweizer Wasserkraftwerke können alleine mehr Strom produzieren als die Schweiz benötigt und ihre Speicherreserven reichen über 2 Monate (BFE). Zudem hat die Schweiz bereits 2012 150% so viel Strom importiert und exportiert (BFE), wie sie selbst verbraucht hat. Wenn sie das 2012 mit konventionellen Strom kann, kann sie das zukünftig auch mit Windstrom. (Im Winter wird immer mehr Windstrom produziert.)
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    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Wer es nicht glaubt und selbst nachlesen möchte:
      BFE Elektrizitätsstatistik 2012 (über Suchmaschine), Tab. 2, Endverbrauch: 59 TWh; Tab. 3, Ausfuhr: 89 TWh, Einfuhr: 86.8 TWh. BFE Elektrizitätsstatistik 2019 (über Suchmaschine), Tab. 2, Endverbrauch: 57.2 TWh = 6.53 GW Leistungsbedarf im Schnitt. Tab. 25b Verfügbare Leistung Speicherkraftwerke: 11 GW (!) Verfügbare Leistung Laufwasserkraftwerke: >= 1.76 GW. Dazu gibt es noch Leistung von KVA, Biomasse. Speicherinhalt Schweiz 100%: 8850 GWh.
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    3. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      @Schmid. Könnten Sie nicht neuere Daten als von 2012 präsentieren? Ein Überschwemmen der Diskussionrunden mit immer den gleichen, alten und in den früheren Diskussionsgruppen bereits widerlegten Argumenten hilft der momentanen Diskussion nicht weiter.
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    4. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      @Schmid, immer die gleiche sich wiederholende Leier und sie wird trotzdem nicht wahrer.
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    5. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Herr Frei. Ich habe auch die Elektrizitätsstatistik von 2019 referenziert. Lesen Sie sie bitte. 2012 ist zum zeigen, dass bereits vor 8 Jahren mehr Strom gehandelt worden ist, als voraussichtlich 2050 gehandelt werden wird, sollte in Europa jemals ernsthaft in erneuerbare Energien investiert werden. Apropos Vergangenheit: Bereits 1998 hat die Schweiz 40% seines Strombedarfes nach Italien nettoexportiert. Zeigen Sie bitte, wie Sie die Fakten aus der BFE-Elektrizitätsstatistik widerlegen möchten.
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    6. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Herr Rechsteiner.
      Mit Ihrer Aussage sagen Sie ziemlich unverblümt, dass die Daten aus der BFE Elektrizitätsstatistik erfunden sind. Dass das BFE diesbezüglich lügen soll, ist eine haarsträubende Behauptung und das müssen Sie unbedingt belegen: Denn immerhin gibt die Schweiz rund 10 Milliarden Franken jedes Jahr für ihren Stromkonsum aus und das schon seit Jahrzehnten.
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    7. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Wer überzeugt ist, dass die BFE Daten erfunden ist: Hier ist eine Liste der Schweizer Speicherseen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Speicherseen_in_der_Schweiz
      Es gibt stets schöne Wanderwege in deren Nähe. Packt die Gelegenheit beim Schopf und besucht diese Speicherseen. Sie existieren tatsächlich genauso wie die Daten des BFE ebenfalls fundiert sind.
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    8. Antwort von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
      Die Sonne scheint grad mal für 10% Volllastsunden. Wir brauchen aber rund um die Uhr Strom. Im Winter liefert Solar für etw '.5 Volllaststunden pro Tag.
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    9. Antwort von Laurenz Hüsler  (Laurenz Hüsler)
      Noah Schmid, die Wsserkraft liefert 40 TWh, und wir brauchen 60 TWh. Mit dem Ersatz der Fossilen noch 60 TWh dazu.

      Speicherseen sind übrigens nicht Pumpspeicher.
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