Zum Inhalt springen
Inhalt

Währungskrise in der Türkei Katar greift der Türkei mit Milliarden unter die Arme

Der Emir hat der Türkei 15 Milliarden Dollar versprochen. Es ist ein Signal, dass die Türkei nicht alleine dasteht.

Geld aus Katar für die Türkei: Mitten in der türkischen Währungskrise – mit dem enormen Wertverlust der Lira – erhält das Land eine Finanzspritze aus Katar. Dessen Emir, Tamim bin Hamad al-Thani, sagte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Direktinvestitionen in Höhe von 15 Milliarden Dollar zu. Das Emirat werde damit eine Reihe von Investitionen tätigen und Wirtschaftsprojekte finanzieren, hiess es aus Katar. Laut türkischen Regierungskreisen soll das Geld in die Finanzmärkte fliessen und an Banken gehen.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Freier Journalist

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Thomas Seibert ist Korrespondent in Istanbul und arbeitet für verschiedene Medien, unter anderem für Radio SRF.

Die Auswirkungen der Finanzspritze: Die 15 Milliarden Dollar allein könnten die türkische Wirtschaft nicht retten, sagt Thomas Seibert, Journalist in Istanbul. «Aber sie sind ein wichtiges Signal – ein Signal, dass die Türkei nicht alleine ist.» Erdogan versuche, andere Trump-Gegner hier in der Region um sich zu scharen. Katar habe wie die Türkei ein schwieriges Verhältnis zu den USA. «Ausserdem sucht Erdogan die Nähe zu den ebenfalls Trump-kritischen Europäern.» Bei den arabischen Staaten in der Region seien die Türkei und Katar beide nicht sehr beliebt, denn sie würden in verschiedenen Formen die radikalislamische Muslimbruderschaft unterstützen. «Beide Länder haben ein gutes Verhältnis zu Iran, das schweisst zusammen.»

Die Folgen für Europa: Erdogan werde versuchen, sich weiter an die EU anzunähern, sagt Seibert. «Er braucht neue Partner, wenn die USA auf Dauer als strategischer Verbündeter ausfallen sollten.» Dabei gehe er vor allem in Richtung der Golfregion – nach Katar – aber auch in Richtung Europa. Erdogan telefonierte am Mittwoch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, und am Donnerstag will den französischen Präsidenten Emmanuel Macron anrufen. Nächsten Monat besucht er Berlin. «Nach einer längeren Eiszeit will die Türkei wieder auf Europa zugehen», sagt Seibert. Schliesslich müsse Erdogan nun neue Partner suchen, nachdem er sich mit den USA überworfen habe.

Ein Mann greift sich vor einer Anzeigetafel für Wechselkurse an den Kopf.
Legende: Die türkische Lira liegt nun auf einem Niveau deutlich über jenem von letzter Woche. Keystone

Die Reaktion der türkischen Währung: Die Lira hat sich in den letzten zwei Tagen erholt, und die Finanzspritze aus Katar hat weiter dazu beigetragen. Die Währung bewegt sich jetzt auf einem Niveau, das wesentlich höher ist als nach dem Absturz letzte Woche. «Aber im Vergleich zur Zeit vor der Krise ist die Lira immer noch sehr schwach», erklärt Seibert.

Der Grund für die Finanzspritze: «Diese 15 Milliarden sind ein Dankeschön von Katar an die Türkei», sagt Seibert. Erdogan unterstützte letztes Jahr Katar in dessen Streit mit Saudi-Arabien. Er schickte sogar Truppen ins Emirat. «Manche Beobachter glauben, dass die Türkei damit einen Einmarsch Saudi-Arabiens in Katar verhindert hat.» Seither arbeiten die beiden Länder eng zusammen. Die Türkei und Iran sorgen dafür, dass sich Katar, das unter einem Boykott von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten steht, mit Lebensmitteln und anderen Gütern versorgen kann. «Die Türkei ist ganz wichtig für Katar», bilanziert Seibert.

Die Reaktionen in der Türkei: Die regierungsnahe Presse in der Türkei feiere die Finanzspritze als wichtigen Beitrag zur Überwindung der Finanzkrise, sagt Seibert. «Kritiker sehen eher eine wachsende Abhängigkeit Erdogans von seinen Geldgebern wie eben Katar.» Diese Kritiker könnten aber derzeit nicht viel ausrichten.

Was die Politik darüber hinaus tut: Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hat dem Bankensektor seines Landes Unterstützung in der aktuellen Krise zugesagt. Bei einer mit Spannung erwarteten Telefonkonferenz mit Investoren sagte er, die Regierung werde nicht zögern, der Branche zu helfen. Er versicherte, Kapitalkontrollen würden aber niemals auf der Agenda stehen. Der Bankensektor sei gesund und stark. Er sei in der Lage, mit den aktuellen Schwankungen an den Finanzmärkten zurechtzukommen. Die hohe Inflation zu drücken, habe für ihn höchste Priorität.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.